Symphonieorchester Vorarlberg · Christoph Eberle, conductor
Florian Boesch / Cornelia Horak / Letizia Scherrer / Kurt Sternik
Schuberts hat seine Oper „Der Graf von Gleichen“ nach einem Libretto von Eduard von Bauernfeld nie vollendet. Anlässlich der Styriarte Graz 1997 vervollständigte Richard Dünser das Werk, das hier als Live-Mitschnitt der Uraufführung der Konzertfassung von 2003 aus dem Festspielhaus Bregenz zu hören ist.
Franz Schubert (1797–1828)
Richard Dünser (*1959)
DER GRAF VON GLEICHEN
Opera in 2 acts
Libretto: Eduard von Bauernfeld
Spoken text written by Thomas Hoeft
| Florian Boesch (baritone) | Graf (Count) / Sultan |
| Cornelia Horak (soprano) | Suleika |
| Letizia Scherrer (soprano) | Grafin (Countess) / Fatime |
| Kurt Sternik (speaker) | |
KornmarktChor Bregenz
Wolfgang Schwendinger, chorus master
Symphonieorchester Vorarlberg
Christoph Eberle, conductor
Richard Dünser Komponist
Richard Dünser wurde 1959 in Bregenz
(Österreich) geboren. Nach der Matura
und Studien am Konservatorium wechselte
er an die Universität für Musik und darstellende
Kunst in Wien, wo er Komposition bei
Francis Burt studierte. Nach dem Diplom
folgten noch ein Post-Graduate-Studium
bei Hans Werner Henze in Köln und ein
Sommeraufenthalt als Kompositionsstipendiat
in Tanglewood/USA, wo er durch die
Begegnung mit Leonard Bernstein wichtige
Eindrücke empfing.
Dünser erhielt zahlreiche Stipendien,
Preise (u. a. Würdigungspreis des BMUK,
Förderungspreis der Theodor-Körner-Stiftung,
Arbeitsstipendium der Stadt Wien,
Staatsstipendium für Komposition der
Republik Österreich, Förderungspreis der
Stadt Wien, Förderungsgabe der Vorarlberger
Landesregierung,) und Kompositionsaufträge
(u.a. der Bregenzer Festspiele,
des Festivals „styriarte“ Graz, des Festivals
Steirischer Herbst, der Gesellschaft der
Musikfreunde in Wien, des Österreichischen
Kunstministeriums).
Seine Werke wurden von bedeutenden
Interpreten (u. a. Sylvain Cambreling, Christoph
Eberle, Ivan Fischer, Peter Keuschnig,
Isabelle van Keulen, Alfons Kontarsky,
Donald Runnicles, Jukka-Pekka Saraste,
Heinrich Schiff, Martin Schelling, Alexander
Swete, Marcello Viotti, Franz Welser-
Möst), Ensembles (Ensemble Kontrapunkte,
Ensemble Modern, Ensemble Plus,
Klangforum Wien, die reihe, Artis Quartett
Wien, Kreuzberger Streichquartett…) und
Orchestern (Wiener Symphoniker, Wiener
Concert-Verein, NÖ Tonkünstlerorchester,
Symphonieorchester des NDR Hannover,
Symphonieorchester Vorarlberg…) weltweit
aufgeführt und liegen umfassend
dokumentiert auf CD vor (mica, KOCH/
SCHWANN, Caprice, Sony-Columbia).
Internationale Beachtung erlangte er
auch durch seine Version des Opernfragments
Der Graf von Gleichen nach Franz
Schubert, die 1997 im Rahmen des Festivals
„styriarte“ Graz konzertant uraufgeführt
und zu Ostern 2003 im Festspielhaus Bregenz
in einer Neufassung erstaufgeführt
wurde. Am selben Ort erfuhr auch sein
Orchesterwerk The Waste Land seine
Uraufführung im Rahmen der Bregenzer
Festspiele 2003 durch die Wiener Symphoniker
unter Jukka-Pekka Saraste.
Neben seiner kompositorischen Tätigkeit
erfüllte er Lehraufträge an der Universität
„Mozarteum“ in Salzburg/Innsbruck,
am Landeskonservatorium Feldkirch und in
Graz, wo er seit 1991 als ordentlicher Professor
für Musiktheorie an der Universität
für Musik und darstellende Kunst tätig ist.
Richard Dünser lebt seit 1995 in der Südsteiermark.
Christoph Eberle Dirigent
Studium am Landeskonservatorium für
Vorarlberg und an der Wiener Musikhochschule.
Studienabschluss mit Auszeichnung.
1986 erfolgreiches Dirigentendebüt mit
dem Wiener Kammerorchester. In der Folge
kam es zu zahlreichen internationalen
Dirigierverpflichtungen u. a. mit folgenden
Orchestern: Mozarteum-Orchester

Salzburg, Orchestra Sinfonica della RAI
Torino, Brucknerorchester Linz, SWR Sinfonieorchester
Baden-Baden, RSO Wien,
Wiener Concertverein, Philharmonia Prag,
Orchestre National de Belgique, New Zealand
Symphony, Florida Philharmonic, Scottish
National Orchestra, BBC Philharmonic
Orchestra, Hallé Orchestra Manchester
u. v. a. 2003 Debüt beim Philharmonia Orchestra
in der Royal Festival Hall London.
Einladungen zu internationalen Festivals
wie Schubertiade Feldkirch, Kammermusikfestival
Lockenhaus, Bregenzer Festspiele,
Rheingau-Festival, Bodenseefestival.
Zahlreiche Rundfunkaufnahmen und
CD-Produktionen. Fünf Fernsehaufzeichnungen
für ORF, ZDF und RAI. 1995 Finalist
beim Internationalen Leonard-Bernstein-
Dirigentenwettbewerb. Opern leitete er
in Bregenz, Ulm und St. Gallen sowie an
der Semperoper Dresden, dem Salzburger
Landestheater und der Wiener Volks- und
Staatsoper. 2004 Premiere an der Wiener
Staatsoper mit John Neumeiers Tanzerzählung
Wie es euch gefällt (Shakespeare/
Mozart) und Assistenzarbeit bei Konzert
und CD-Aufnahmen für Bobby McFerrin
und Valery Gergiev mit den Wiener Philharmonikern.
Seit 1988 Chefdirigent des Symphonieorchesters
Vorarlberg und des Vorarlberger
Landestheaters. 1997-1999 Direttore Stabile
beim Orchestra Haydn Bolzano. 1999-2004
Chefdirigent des Wiener Kammerorchesters.
Seit Herbst 2004 ist er Musikdirektor
des Salzburger Landestheaters.
Symphonieorchester Vorarlberg
Das Symphonieorchester Vorarlberg entstand
1984 aus dem dringenden Wunsch,
nach der Auflösung des heute bereits legendären
Vorarlberger Funkorchesters im Jahre 1959
im westlichsten österreichischen Bundesland
erneut einen professionellen Klangkörper zu
etablieren. Der fixe Stamm des Symphonieorchesters
Vorarlberg besteht aus qualifizierten
Musikern vor allem aus Vorarlberg, aber auch
aus den Nachbarländern Schweiz, Liechtenstein
und dem deutschen Bodenseeraum. Das
Orchester arbeitet projektorientiert. Das heißt,
in intensiven Arbeitsphasen werden pro Jahr
bis zu zehn Programme einstudiert und in
jeweils mehreren Konzerten aufgeführt.
Von Publikum und Presse besonders hervorgehoben
wird immer wieder das außergewöhnliche
Engagement der vorwiegend jungen
Musiker, die sich aus Freude an der Musik
und aus Begeisterung für intensive Orchesterarbeit
auf höchstem Niveau regelmäßig zu
Proben und Konzerten zusammenfinden.
Chefdirigent des Orchesters seit 1988 ist
der aus Hittisau im Bregenzerwald stammende
Christoph Eberle. Das Orchester pflegt
regelmäßige Zusammenarbeit aber auch mit
anderen Dirigenten wie dem Südafrikaner
Gérard Korsten, dem Engländer David Wroe,
dem Vorarlberger Manfred Honeck und dem
russischen Wahl-Vorarlberger Kyrill Petrenko
sowie mit dem tschechischen Orchesterleiter
Martin Turnovsky. Außerdem wirkten
in gemeinsamen Projekten international so
renommierte Solisten wie Heinrich Schiff, Thomas
Quasthoff, Julian Rachlin, Stefan Vladar,
Clemens Hagen, Elisabeth Leonskaja, Thomas
Zehetmair, das Ensemble Triology oder das
Wiener Klaviertrio mit.
Durch einen seit 1994 in Bregenz und Feldkirch
sowie seit 2002 auch im Bregenzerwald
durchgeführten eigenen sechsteiligen Abonnement-
Zyklus sowie durch Auftritte bei den
internationalen Festivals des Landes – dem
Bregenzer Frühling, der Schubertiade und den
Bregenzer Festspielen – ist das Symphonieorchester
Vorarlberg längst zu einer wichtigen
Institution im Kulturleben Vorarlbergs geworden,
die heute nicht mehr wegzudenken ist.
Parallel zu dieser Entwicklung ist auch eine
immer stärkere Verankerung des Orchesters
in der heimischen Bevölkerung spürbar.
Zu einem attraktiven Fixpunkt im Jahresprogramm
des Orchesters wurden seit 1990
jährliche szenische Opernproduktionen in
Zusammenarbeit mit dem Vorarlberger Landestheater
im Bregenzer Festspielhaus bzw.
im Theater am Kornmarkt. Die Produktion im
Frühjahr 2001 mit Mozarts Don Giovanni fand
nicht zuletzt durch den Schauspieler Tobias
Moretti, der hier als Opernregisseur debütierte,
Beachtung auch bei der internationalen
Fachpresse. Auf enorme Publikumsresonanz
stießen aber ein Jahr später auch Humperdincks
Märchenoper Hänsel und Gretel und
Madame Butterfly von Giacomo Puccini.
Zusammen mit Tobias Moretti als Sprecher
in Prokofjews Peter und der Wolf war bereits
1998 auch eine der inzwischen insgesamt
fünf CDs des Symphonieorchesters Vorarlberg
erschienen. Vier davon entstanden als
ORF-CD-Produktionen in Zusammenarbeit mit dem
Landesstudio Vorarlberg, darunter auch eine
maßstäbliche Einspielung der Symphonie Nr.
9 von Ludwig van Beethoven zum 15-jährigen
Orchesterjubiläum beim Festival Bregenzer
Frühling 2000 oder der Livemitschnitt eines
Konzertes, bei dem der Vorarlberger Autor
Michael Köhlmeier im Mai 2002 auf seine sehr
persönliche Art zur Musik von Felix Mendelssohn-
Bartholdy die Geschichte von William
Shakespeares Ein Sommernachtstraum nacherzählte.
Das Repertoire des Symphonieorchesters
Vorarlberg erstreckt sich von Standardwerken
der Klassik und Romantik bis zu zeitgenössischer
Musik, oftmals in Auftragswerken an
Vorarlberger Komponisten. Tourneen führten
den Klangkörper unter Christoph Eberles Leitung
bereits mehrfach nach Wien (Großer
Musikvereinssaal, Konzerthaus), nach München
(Philharmonie), Düsseldorf (Tonhalle),
Madrid (Aditorio Nacional), ins Nuovo Teatro
Bozen sowie nach Salzburg und Neapel.
Florian Boesch Bariton
Neben seinem Studium der Produktgestaltung
an der Wiener Universität für angewandte
Kunst erhielt der österreichische Bariton
Florian Boesch seinen ersten Gesangsunterricht
bei Kammersängerin Ruthilde Boesch.

Ab 1997 studierte er an der Universität für
Musik und Darstellende Kunst in Wien, in den
letzten Jahren vor allem Lied und Oratorium
bei Robert Holl. Seit 2002 wird er stimmtechnisch
von Antonio Carangelo betreut.
Erste Bühnenerfahrungen sammelte Florian
Boesch bei diversen Opernproduktionen der
Wiener Musikuniversität und in der Freien
Szene in Wien. Es folgten unter anderem Auftritte
an der Wiener Kammeroper (Jan Müller
Wielands Das Märchen der 672. Nacht/Uraufführung),
im Wiener Musikverein (Pergolesis
Stabat Mater mit der Wiener Akademie unter
Martin Haselböck), bei den Bregenzer Festspielen
(Silvano in Verdis Maskenball) und im
Wiener Schauspielhaus (Polyphem in Händels
Acis und Galathea). In der Münchner Philharmonie
konzertierte er als Silvano mit dem
Münchner Rundfunkorchester unter Marcello
Viotti und im Wiener Konzerthaus wirkte er
bei einer Aufführung von Beethovens Neunter
Symphonie unter Claus Peter Flor mit.
In der Rolle des Grafen/Le nozze di Figaro
war Florian Boesch am Stadttheater Klagenfurt
zu hören, wo er auch 2002 als Papageno
debütierte. An den Wuppertaler Bühnen sang
er die Titelpartie in Don Giovanni und bei den
Bregenzer Festspielen wirkte er als Schaunard
und Marcello (Cover) mit. Am Opernhaus
Zürich debütierte er im Oktober 2003 als Papageno.
Seit Januar 2004 ist er an der Wiener
Volksoper als Figaro / Die Hochzeit des Figaro,
Leporello/Don Giovanni und wieder als Papageno
zu hören. Bei den Salzburger Festspielen
2004 wirkt er als Polizeikommissar in einer
Neuproduktion von Richard Strauss‘ Rosenkavalier
unter Semyon Bychkov mit. In der
Spielzeit 2004/2005 verkörpert er erstmals die
Rolle des Guglielmo in einer Neuproduktion
von Mozarts Cosi Fan Tutte im Klagenfurter
Stadttheater. In den kommenden Spielzeiten
wird er außerdem in folgenden Partien an der
Staatsoper Stuttgart zu hören sein: Papageno,
Figaro and Guglielmo.
Neben seinen zahlreichen Opernengagements
konnte sich Florian Boesch auch auf
dem Konzertpodium einen Namen machen.
Im September 2002 gab er sein vielbeachtetes
Debüt bei der Schubertiade in Schwarzenberg
in einem Ensemble-Liederabend und zusammen
mit Genia Kühmaier in einem Duo-Liederabend.
Außerdem sang er Liederabende beim
Österreichischen Kulturinstitut in New York
und beim Festival Styriarte in Graz.
Weiters folgten Auftritte als Tiridate in Händels
Radamisto bei den Salzburger Pfingstfestspielen,
in Dortmund und Spanien, eine konzertante
Aufführung von Joseph Haydns Oper
Orlando Paladino unter der künstlerischen
Leitung von Nikolaus Harnoncourt, sowie
Aufführungen von Mozarts c-moll-Messe und
Bachs Matthäuspassion unter Helmuth Rilling.
Im Rahmen des Festivals Styriarte war er
außerdem in Beethovens Chorphantasie und
Händels Alexanderfest unter Nikolaus Harnoncourt
zu hören.
Mit Schuberts Lazarus unter Harnoncourt
gastierte er zu Beginn der vergangenen Saison
im Wiener Musikverein, Pisa, Bremen
und Berlin und war mit Händels Messias unter
Martin Haselböck im Wiener Musikverein und
in Lyon zu hören. Weiters sang er Mahlers Lieder
aus Des Knaben Wunderhorn und Schuberts
Es-dur Messe im Wiener Musikverein,
eine Passion von C. Ph. E. Bach in Ljubljana,
Händels La Resurrezione mit dem Combattimento
Consort Amsterdam und orchestrierte
Schubert-Lieder mit Nikolaus Harnoncourt
beim Festival Styriarte in Graz.
Höhepunkte der Spielzeit 2004/2005 bilden
Konzerte mit Bach Kantaten beim Haydn-
Festival in Eisenstadt unter Adam Fischer,
Händels Radamisto im Wiener Musikverein
und im Amsterdamer Concertgebouw, Wolfs
Michelangelo-Lieder mit dem Berliner Sinfonie-
Orchester, Winterreise in New York,
Die schöne Müllerin in Tokyo oder Matthäuspassion
in Mailand unter Riccardo Chailly.
Letizia Scherrer Sopran
In der rätoromanischen Schweiz geboren.
Studium am Landeskonservatorium
Feldkirch, bei Jane Mengedoht (Zürich)
und an der Samuel-Rubinstein-Akademie
in Tel Aviv bei Tamar Rachum. Meisterkurse
bei Judith Beckmann und Hilde Zadek.
Studienabschluss an der Musikhochschule
Basel bei Kurt Widmer mit Auszeichnung.
1994, 1995 und 1997 Migros-Preis, 1998
Zweiter Preis beim Internationalen J.

S.-Bach-Wettbewerb in Leipzig, 2000 Erster Preis
beim Internationalen Wettbewerb Franz
Schubert und die Musik der Moderne in
Graz. Im Juli 2003 wurde ihr der Hauptpreis
des Eliette-von-Karajan-Kulturfonds verliehen.
Rege Konzerttätigkeit u. a. in der
Schweiz, in Österreich, Deutschland,
Italien, Israel und in den USA. Konzerte
im Rahmen der Salzburger Festspiele
1999 unter Jordi Savall und in der New
Yorker Carnegie Hall unter der Leitung von
Helmuth Rilling (J. Brahms Requiem). 2001
Operndebüt am Landestheater Vorarlberg
(Zerlina in W. A. Mozarts Don Giovanni,
Regie Tobias Moretti). Auftritte u. a. beim
Bayerischen Rundfunk in der Münchner
Philharmonie und in Italien unter Wolfgang
Sawallisch und Manfred Honeck sowie
beim Europäischen Musikfest in Stuttgart.
Mit dem Symphonieorchester Vorarlberg
sang Letizia Scherrer im Oktober 2000
die Sopranpartie in Franz Schmidts Das
Buch mit sieben Siegeln unter M. Honeck
und 2002. J. Haydns Die Schöpfung unter
Gérard Korsten. Tourneen mit Jordi Savall
in Spanien und Österreich, mit Philippe
Herreweghe in Belgien und den USA,
Konzerte mit Bobby McFerrin und dem
Münchner Rundfunkorchester, konzertante
Opernaufführungen unter Mario Venzago
in Basel (Mozart Titus) und mit den
Bamberger Symphonikern unter Jonathan
Nott (Beethoven Fidelio).
Cornelia Horak Sopran
Cornelia Horak wurde in Wien geboren. Ab
ihrem 10. Lebensjahr sang sie in verschiedenen
Kirchenchören. Mit 12 Jahren begann
Cornelia Horak ein Blockflötenstudium am
Konservatorium der Stadt Wien bei E. Kölz,
welches sie an der Universität für Musik und
darstellende Kunst in Wien bei H. M. Kneihs
fortsetzte und 1989 mit der Lehrbefähigungsprüfung

abschloss.
Sie maturierte am Wiener Musikgymnasium
und sang während ihrer Schul- und
Studienzeit in verschiedenen barocken Kammermusikformationen,
Vokalensembles und
Chören (Voces Vienna, La Capella, Concentus
Vocalis, Singakademie …).
Ihr Gesangsstudium absolvierte Cornelia
Horak am Goetheanistischen Konservatorium
bei Ks. Hilde Rössl-Majdan, das sie 1993 mit
Auszeichnung abschloss. 1992 war Cornelia
Horak Gewinnerin des internationalen
Gesangswettbewerbs in s’Hertogenbosch.
Mit der Saison 1993/94 wurde sie an das
Landestheater Innsbruck engagiert, wo sie bis
1999 Mitglied war. Es folgte ein Jahr als festes
Mitglied an der Volksoper Wien.
Seit dem Jahr 2000 ist Cornelia Horak festes
Mitglied am Gärtnerplatztheater in München.
Sie singt dort u. a. die Pamina, die Hanna
Glawari, die Christl, die Dolly, den Orlofsky,
die Despina, die Marzelline und die Kate. Für
die Darstellung des Orlofsky wurde Cornelia
Horak für den Merkur-Theaterpreis der
Tageszeitung „Münchner Merkur“ nominiert
(„…ihr Orlofsky war das Ereignis der neuen
Fledermaus am Gärtnerplatz…“) und von der
Rezensentin des „Tagesspiegel“ Berlin im
Jahrbuch 2003 der „Opernwelt“ als „Nachwuchskünstlerin
des Jahres“ benannt.
Im Konzertbereich arbeitete Cornelia Horak
u. a. mit Dirigenten wie P. Schreier, B. Weil,
A. Fischer, N. Marriner und Ch. Eberle zusammen
und trat bei Konzerten und Liederabenden
bei den Salzburger Festspielen, der Schubertiade
Feldkirch, der Styriarte Graz, den
Haydn-Festspielen in Eisenstadt, dem Jazzfest
Saalfelden und dem Klangbogen Wien auf.
In den Kritiken wird ihre außergewöhnliche
Vielseitigkeit, ihre schauspielerische Ausdruckskraft
und ihre hohe Musikalität besonders
hervorgehoben.
Kurt Sternik Sprecher
Geboren 1943 in Graz. Dort alle Arten
von Schulen bis zum Diplom an der
Hochschule für Musik und Darstellende
Kunst. Wollte gerne Sänger werden; die
Stimme hat ihn aber dann doch zur Schauspielerei
gezwungen. Seit 1970 in Bregenz
am Theater als Regisseur und Schauspieler
tätig. Dazwischen viele Gastverträge:
Opernregie in Linz, mehrere Aufenthalte

in Frankreich (Nancy und Theatre National
Populaire Lyon), Festspiele u. a. in
Schwäbisch Hall, Ettlingen und Spittal/
Drau. Operninzenierungen in Bregenz: La
Bohème, Rigoletto, Cavalleria rusticana,
Pagliacci, Tosca, Hänsel und Gretel, Don
Pasquale, Madame Butterfly.
KornmarktChor
Gegründet 1990 für die jährlichen Opernproduktionen
des Vorarlberger Landestheaters.
Seither Mitwirkung in vierzehn
Opern, zuletzt bei Madame Butterfly. Der
Chor besteht größtenteils aus ausgebildeten
Sängerinnen, Sängern und Musikpädagogen
und hat einen festen Stamm von
ca. 20 Mitgliedern. In den letzten Jahren
große Erfolge als Konzertchor: G. F. Händel
Messias, J. Brahms Deutsches Requiem,
J. S. Bach Johannespassion, L. v. Beethoven
9. Symphonie und J. Haydn Die Schöpfung
mit dem Symphonieorchester Vorarlberg,
G. Mahler Auferstehungssymphonie im Stephansdom/
Wien, B. Martinu° Julietta (Oper
im Festspielhaus, Bregenzer Festspiele
2002), Kurt Weill Der Kuhhandel (Bregenzer
Festspiele 2004, Operette im Theater
Kornmarkt). Mehrere Konzerte im Rahmen
der Schubertiade (2004 mit Genia Kühmeier,
Christopher Maltman und Marcus Ullmann),
der Bregenzer Festspiele, des Festivals Bregenzer
Frühling und der Bregenzer Konzertreihe
Musik in Herz-Jesu.
Wolfgang Schwendinger
Chorleiter
Wolfgang Schwendinger ist Gründer
und künstlerischer Leiter des KornmarktChores.
Als Musikpädagoge in Bregenz
tätig. Mit dem Kinderchor der Musikhauptschule
Bregenz Mitwirkung u. a. bei Brittens

War Requiem, dem Te Deum von Berlioz,
bei den Salzburger Festspielen 1994 sowie
bei den Bregenzer Festspielen 1999 (Griechische
Passion v. B. Martinu°) und 2001/02 (La
Bohème von G. Puccini, Seebühne). Dirigiert
jährlich ein Kirchenkonzert bei der Schubertiade
Schwarzenberg. Seit zehn Jahren
Leitung der Kirchenchöre Herz-Jesu Bregenz
und St. Karl Hohenems, seit Sommer 2001
Leitung des Chores der Bregenzer Festspiele
(La Bohème 2001/02, Julietta im Festspielhaus
2002, Der Kuhhandel im Theater am
Kornmarkt 2004), Einladung zu einem eigenen
Konzert im Stephansdom 2005.
Der Graf von Gleichen
Das Werk
Woher genau der bizarre Stoff des „Graf
von Gleichen“ stammt, ist bis heute
nicht endgültig erwiesen, jedenfalls kommt
es 1539 zu einer ersten Fixierung der Sage
durch den hessischen Landgrafen Philipp
den Großmütigen, der diese als „Präzedenzfall“
in seiner Eingabe bei Martin Luther
und Philipp Melanchthon, eine zweite
Ehe eingehen zu dürfen, anführt. Als erster
Name für den Grafen taucht Ludwig auf, der
an jenen Graf von Gleichen erinnert, der im
13. Jahrhundert im Gefolge von Kaiser
Friedrich II. den Kreuzzug nach Palästina
mitgemacht hat. Darüber hinaus finden sich
in verschiedenen Versionen der Sage noch
die Namen Sigismund und Siegfried für den
Grafen. 1786 beginnt Johann August Musäus
den 5. Band der „Volksmärchen der
Deutschen“ mit dem Märchen Melechsala
oder die Sage vom Grafen Ernst zu Gleichen
und seinen zwei Frauen. Musäus schmückt
die bereits vorliegenden Texte reich aus
und wird zur eigentlichen Vorlage für das
Libretto des Eduard von Bauernfeld. Die
Freundschaft mit Schubert, die Bauernfeld
und Schubert seit Februar 1825 miteinander
verband, führte bereits einen Monat später
dazu, dass Schubert Bauernfeld um einen
Operntext bat, was dieser in seinen Tagebüchern
wie folgt beschreibt: „Er – Schubert
– will einen Operntext von mir, schlug
mir die Bezaubernde Rose vor. Ich meine
ein Graf von Gleichen gehe mir durch den
Kopf.“ Bauernfeld konnte Schubert vom
Grafen überzeugen und machte sich im Mai
1826 eilends daran, das Libretto zu Papier
zu bringen. Im Juli 1826 war es soweit, dass
Bauernfeld das fertige Libretto, an dem er
insgesamt nur acht Tage schrieb, Schubert
überreichen konnte und dieser, obwohl die
Zensur im Oktober den Text verbot, mit der
Komposition begann. Der genaue Beginn ist
bis heute unklar, als einziges Datum in der
Handschrift Schuberts findet man den 19.
Juli 1827. Fest steht aber, dass Schubert bis
zu seinem Tod an diesem Werk arbeitete.
Der Grad der Fertigstellung (oder eher
Nicht-Fertigstellung) ist unterschiedlich:
Zwischen einstimmigen Melodieskizzen
(man stelle sich vor, von der Winterreise
rwäre
nur eine Melodiestimme überliefert)
und Melodien mit Bass, angedeuteten Zwischenspielen
und ausgeführten Ensembles
kommt alles vor, das Meiste ist spärlich
skizziert, manchmal reißt der Faden ganz
ab, manches ist auch nach intensiven Bemühungen
unleserlich und unerklärlich.
Immerhin gibt es zu 26 Nummern der Oper
Skizzen, zum Finale aber gibt es nichts.
Dieser Torso einer Oper ruhte nun für
lange Zeit nahezu unangetastet, ehe die
„Styriarte“ anlässlich des Schubert-Jahres
1997 Richard Dünser den Auftrag zur Fertigstellung
dieses Werkes gab.
Was aber war für Dünser der Grund, das
Wagnis einer „Vollendung“ dieses Werkes
auf sich zu nehmen?
Nach anfänglicher tiefer Skepsis zuallererst
die vorhandene Musik. Die erkennbar
ausgeführten Teile gehören zu den größten
Erfindungen Schuberts, es handelt sich ja
um eine Arbeit aus letzter Zeit, aus dem
Umkreis der letzten Symphonien, Kammermusikwerke,
Lieder, u. s. w.
Dünser hat daher, nach seinen eigenen
Worten, absichtlich nicht „schubertisch“
instrumentiert (das Original ist fast nie ein
richtiges Particell, also eine erweiterte
Klavierstimme mit Instrumentationsangaben;
sehr selten sind solche Angaben
vorhanden) sondern so, wie der Komponist
Richard Dünser diese Musik, wäre sie von
ihm (übrigens ist sie es vielfach), für ein
Orchester mit Instrumenten heutigen Entwicklungsstandes
instrumentieren würde.
So hat er alle Nummern, bei denen es
Skizzen von Schubert gab, „so vollendet,
wie er sich seinen Schubert vorstellt, auch
umgeändert, gekürzt und erweitert, ein
Schubert, der durch Kompositions-, Klangund
Hörerfahrungen des 20. Jahrhunderts
durchtönt“.
Das Finale, wo es von Schubert keine
einzige Note gibt, war das Schwierigste.
Sollte Dünser versuchen, Schubert zu imitieren,
oder „pur“ seine Musik komponieren?
Zwischen beiden Extremen hin- und hergerissen,
erwiesen sich beide als unmöglich,
nicht überzeugend oder unpassend und es
kam zu einer Art „unvollendeten“ Synthese
aus Brüchen: Die Welt Schuberts klingt noch
an und wird im Zuge der sich zuspitzenden,
immer seltsamer werdenden Handlung
„Fremdem“, „Heutigem“ gegenübergestellt,
damit überlagert und in ein ganz anderes Licht
getaucht. Den Schluss bildet ein „gebrochenes“
Zitat aus der Winterreise. Aus diesem
Zyklus hat auch Schubert selbst Musik für
die Oper (Duett Graf-Gräfin im zweiten Akt)
entlehnt, aus den Nebensonnen „wörtlich“
zitiert, aber mit neuem Material verwoben
und verlängert.
Die Handlung
1. Akt
Graf Ernst von Gleichen gerät auf dem
Kreuzzug mit seinem Knappen Kurt in die
Gefangenschaft beim Sultan von Kairo. Er
verschweigt seine Herkunft, jedoch wird er
aufgrund seiner Begabung Gärtner im Palast.
Dort macht er die Bekanntschaft der
schönen Prinzessin Suleika, die nun ihren
15. Geburtstag feiert. Als Geschenk hat der
Graf eine seltene Purpurrose gehegt und
gepflegt, um sie Suleika an diesem Tag zu
schenken. Der Graf überreicht ihr die Blume
doch bevor Suleika dem Grafen ihre Liebe
gestehen kann, erscheint der Sultan mit
drei indischen Prinzen, von denen sich seine
Tochter einen als Mann wählen soll. Suleika
ist erschüttert, weil sie erkennt, dass sie
nur den Grafen lieben kann, vertröstet ihren
Vater auf den nächsten Tag und bittet ihn
als zusätzliches Geschenk, die christlichen
Sklaven freizulassen. Der Sultan willigt ein
und befiehlt, dass die Sklaven noch heute
Nacht Kairo mit einem Schiff verlassen sollen.
Nachdem der Graf die freudige Nachricht
erfahren hat, kommt er in den Garten,
wo ihn Suleika bereits hoffnungsvoll erwartet.
Als er sich von ihr verabschieden will,
entgegnet sie ihm, ob er ihre Liebe verraten
will, denn das Überreichen einer Purpurrose
ist im Orient einem Liebesgeständnis
gleich. Obwohl der Graf Suleika von seiner
Frau und seinem Sohn erzählt, berichtet ihm
Suleika von ihrem Plan gemeinsam mit Fatime
ihrer Dienerin und den Christensklaven
zu fliehen. Als Suleika darüber hinaus bekennt,
sich zum Christentum zu bekehren,
ist der Widerstand des Grafen gebrochen
und alle besteigen gemeinsam das Schiff,
das unter freudigem Rufen der Befreiten
davonsegelt.
2.Akt
Auf der Burg Gleichen sieht die Gräfin den
Schnittern beim Einbringen der Ernte zu
und hofft trotz der siebenjährigen Abwesenheit
ihres Gatten auf dessen Rückkehr.
Ihre Liebe zum Grafen ist nach wie vor ungebrochen
und selbst sollte er nicht wieder
zurückkehren, wird sie nie diese Liebe
aufgeben und zugleich ihren Schmerz
wach halten. Da hört man in der Ferne
einen Pilgerchor, dem sich auch der Graf
angeschlossen hat. Er erkennt seine Burg,
zögert allerdings, sie wieder zu betreten.
Schließlich läutet er doch an der Tür und
verlangt die Gräfin unter dem Vorwand ihr
Kunde von ihrem Gatten zu überbringen.
Die Gräfin kommt und Graf Ernst gibt sich
zu erkennen, lässt seinen Sohn bringen
und die frohe Kunde seiner Rückkehr im
Schloss verbreiten. Auch Suleika, die inzwischen
Angelika heißt, Kurt und Fatime
sind angekommen und werden von der
Gräfin empfangen. Suleika begibt sich zur
Ruhe und der Graf eröffnet der Gräfin ein
Geheimnis (dieses wird dem Zuschauer
allerdings erst am Ende der Oper gelüftet!)
und fragt sie, ob sie seine Liebe mit Suleika
teilen könne. Obwohl die Gräfin ihm dies
versichert, beschließen die beiden, dass
die Gräfin allein mit Suleika reden muss.
Während die Gräfin die schlafende Suleika
beobachtet, erwacht diese und beginnt zu
beten. Da zeigt sich die Gräfin und fragt,
ob Suleika wirklich den Grafen liebe. Als
diese das unverzüglich bestätigt, will sich
die Gräfin Suleika zuwenden, doch die
kann vor Scham die Freundlichkeit nicht
erwidern. Der Graf tritt hinzu und gemeinsam
versuchen sie die erregte Stimmung
zu beruhigen. Im Saal versammelt der Graf
seine Freunde um sich und verkündet das
Geheimnis, dass der Papst auf seine Anfrage
hin, weil Suleika den Christenglauben
angenommen hat, ihm gestattet Suleika als
zweite Frau zu nehmen. Suleika bricht wie
alle anderen in Freude aus und die Trauung
wird in der Schlosskapelle vollzogen.
Johannes Steinwender
Richard Dünser
Der Graf von Gleichen – ein Arbeitsbericht
„Schmerz schärfet den Verstand und stärkt
das Gemüth, da hingegen Freude sich um
jenen selten bekümmert und dieses verweichlicht
oder frivol macht. Aus dem tiefsten
Grunde meines Herzen hasse ich jene
Einseitigkeit, welche so viele Elende glauben
macht, daß nur eben das, was sie treiben,
das Beste sey, alles übrige aber sey
nichts. Eine Schönheit soll den Menschen
durch das Leben begeistern, wahr ist es.
Doch soll der Schimmer der Begeisterung
alles andere erhellen.“
Franz Schubert in einer Tagebuchaufzeichnung
vom 23. März 1824
Schwanken zwischen Freude und Schmerz,
zwischen Extremen, im Leben, im Werk.
Unausgeglichenes Leben, unausgeglichene
Kunst, nicht „klassisch“, vom Weimarer
Geheimrat als „krank“ diffamiert.
„Modern“ durch die Schroffheit, ja sogar teilweise
Brutalität der Darstellung: Winterreise.
Die vereiste Natur als Quell von Metaphern
und Symbolen: „Romantische“ Parallele zu
Caspar David Friedrichs Gescheiterter Hoffnung,
eigentlich Das Eismeer. Das Bild Die
gescheiterte Hoffnung ist verloren gegangen,
der Titel auf das Zwillingswerk fälschlicherweise
übertragen worden.
Verlorengegangenes, Verschollenes,
Bruchstücke, „Ruinen“, Fragmente…
Rätselhafte Anziehungskraft des Unvollendeten…
Schubert hat einiges unvollendet zurückgelassen,
nicht nur die heute, 200 Jahre
nach seiner Geburt, so vielgespielte unvollendete
Symphonie in h-moll, D 759, sondern
auch den gewaltigen Torso einer Oper: Der
Graf von Gleichen (D 918), nach einem Text
von Eduard von Bauernfeld.
Schubert arbeitete in seinen beiden letzten
Lebensjahren an diesem Werk. Der Grad der
Fertigstellung (oder eher Nicht-Fertigstellung)
ist unterschiedlich: Zwischen einstimmigen
Melodieskizzen (man stelle sich vor, von der
Winterreise wäre nur eine Melodiestimme
überliefert) und Melodien mit Bass, angedeuteten
Zwischenspielen und ausgeführten
Ensembles kommt alles vor, das meiste ist
spärlich skizziert, manchmal reißt der Faden
ganz ab, manches ist auch nach intensiven
Bemühungen unleserlich und unerklärlich.
Immerhin gibt es zu 26 Nummern der Oper
Skizzen, zum Finale aber gibt es nichts.
Das Finale eines Musikstückes, insbesondere
eines musikdramatischen Werkes
ist wohl der wichtigste Teil des Ganzen: Hier
muss Farbe bekannt, der Knoten gelöst (oder
durchgehauen) werden, hier muss der Komponist
Stellung nehmen und zwar eindeutig.
Das Fehlen des Schlusses dürfte neben
dem Frühstadium der Skizzen einer der
Gründe sein, warum dieses riesige Fragment
so lange in einer Schublade der Wiener
Stadt- und Landesbibliothek vor sich
hinmoderte. Erst 1988 ist eine Faksimile-
Ausgabe der teilweise schwer leserlichen
Handschrift erschienen.
Was aber war für mich der Grund, das
Wagnis einer „Vollendung“ dieses Werkes
auf mich zu nehmen?
Nach anfänglicher tiefer Skepsis zuallererst
die vorhandene Musik. Die erkennbar
ausgeführten Teile gehören zu den größten
Erfindungen Schuberts, es handelt sich ja
um eine Arbeit aus letzter Zeit, aus dem
Umkreis der letzten Symphonien, Kammermusikwerke,
Lieder, u. s. w.
Diese großartige Musik wollte ich zum
Klingen bringen, aber bewusst so, wie ich
sie höre, wie ich sie mir vorstelle, als mein
imaginäres Schubert-Bild, als eine – von
mir quasi komponierte – Biographie mit zugegeben
Fiktivem und Subjektivem.
Ich habe daher absichtlich nicht „schubertisch“
instrumentiert (das Original ist fast
nie ein richtiges Particell, also eine erweiterte
Klavierstimme mit Intrumentationsangaben;
sehr selten sind solche Angaben vorhanden)
sondern so, wie der Komponist Richard Dünser
diese Musik, wäre sie von ihm (übrigens
ist sie es vielfach), für ein Orchester mit Instrumenten
heutigen Entwicklungsstandes,
instrumentieren würde.
„Schubertisch“ könnte natürlich nur mit
Originalinstrumenten orchestriert werden,
für die ich mich als Komponist nicht interessiere.
Nicht aus Borniertheit, sondern da
naturgemäß das Hauptinteresse von Spielern
alter Instrumente auf dem Gebiete der
„alten“ Musik liegt.
So habe ich alle Nummern, bei denen es
Skizzen von Schubert gab, so vollendet, wie
ich mir „meinen“ Schubert vorstelle, auch umgeändert,
gekürzt und erweitert, ein Schubert,
der durch Kompositions-, Klang- und Hörerfahrungen
des 20. Jahrhunderts durchtönt.
Das Finale, wo es von Schubert keine
einzige Note gibt, war das Schwierigste. Sollte
ich versuchen, Schubert zu imitieren? Sollte
ich „pur“ meine Musik komponieren?
Zwischen beiden Extremen hin- und hergerissen,
erwiesen sich beide als unmöglich
oder nicht überzeugend, oder unpassend und
es kam zu einer Art „unvollendeten“ Synthese
aus Brüchen: Die Welt Schuberts klingt
noch an und wird im Zuge der sich zuspitzenden,
immer seltsamer werdenden Handlung
„Fremdem“, „Heutigem“ gegenübergestellt
und dadurch überlagert und in ein ganz anderes
Licht getaucht. Den Schluss bildet ein
„gebrochenes“ Zitat aus der Winterreise.
Aus diesem Zyklus hat auch Schubert selbst
Musik für die Oper (Duett Graf-Gräfin im
zweiten Akt) entlehnt, aus den Nebensonnen
„wörtlich“ zitiert, aber mit neuem Material
verwoben und verlängert. Der rätselhafte
Text Wilhelm Müllers:
„Drei Sonnen sah ich am Himmel stehn,
hab lang und fest sie angesehn; und sie
auch standen da so stier, als wollten sie
nicht weg von mir.
Ach, meine Sonnen seid ihr nicht! Schaut
andern doch ins Angesicht! Ja, neulich hatt ich
auch wohl drei, nun sind hinab die beste zwei.
Ging nur die dritt erst hinterdrein! Im
Dunkeln wird mir wohler sein.“
war für mich ein Schlüssel für das Verständnis
der Oper.
An der Stelle, wo Suleika als künftige
„Dritte im Bunde“ immer mehr in die Sphäre
von Graf und Gräfin eintritt, werden nun die
Nebensonnen zitiert. Eine wohl schon dem
Wahnsinn nahe abseitige Vision. Mehrere
Sonnen stehen am Himmel, der Betrachter
räsoniert über diese Erscheinung, Assoziationen,
Erinnerungen steigen auf, wühlen
ihn immer mehr auf: „Ach meine Sonnen
seid ihr nicht! Schaut andern doch ins Angesicht!
Ja, neulich hatt ich auch wohl drei,
nun sind hinab die besten zwei. Ging nur die
dritt erst hinterdrein! Im Dunkeln wird mir
wohler sein.“
So verweist Schubert mit dieser Anspielung
die am Schluss der Oper als völlig unerwartete
Lösung eintretende Doppelehe
ins Reich abgeirrter Visionen, einer Utopie,
„unvollendbar“...
Ist es nur ein Zufall, dass er am Schluss
nichts mehr skizzierte? Oder gibt es dort,
wo es „Nebensonnen“ gibt, auch Doppelehen?