Klassik  Sinfonische Musik
Yura Lee & Bayerische Kammerphilharmonie & Reinhard Goebel Mozart in Paris OC 705 CD
1 Stück sofort lieferbar. Lieferung bis Freitag, 23. November 2018 Preis: 12,99 EURO

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FormatAudio CD
BestellnummerOC 705
Barcode4260034867055
LabelOehmsClassics
Erschienen am29.06.2007
Verkaufsrang10859
Mitwirkende/rMusiker Komponist/en
  • Ainé, Pierre-Montan Berton
  • Bach, Johann Christian
  • Le Duc, Simon
  • Mozart, Wolfgang Amadeus
  • Saint-George, Chevalier de

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      At this year’s Mozart Festival in Augsburg, Reinhard Goebel and the Bayerische Kammerphilharmonie presented works from the “Concert Spirituels” milieu in Paris. The Concerts Spirituels played an important role in 18th century Parisian musical life and were the venue for many premieres of symphonic works. Even Mozart wrote a work for this series: the “Paris Symphony” K. 297. Composer, violinist and conductor Chevalier de Saint-George was also active in Paris at the same time. Later generations would characterize him as the “Black Mozart” and stylize him in legendary terms. And indeed, Saint-George, born on the Caribbean island of Guadeloupe, was multi-talented, becoming one of the most scintillating figures of the age: he enjoyed the highest respect as a violin virtuoso, fencing master, conductor, composer and – ladies’ man. Soloist in his Violin Concerto in G Major op. 2/1 is Yura Lee, winner of the 2006 Leopold Mozart Violin Competition.

      Reinhard Goebel, Dirigent

      Mehrfach mit allen bedeutenden Schallplatten- Preisen der Welt ausgezeichnet, mit dem Siemens-Förderpreis, dem Buxtehude-Preis der Stadt Lübeck und dem Förderpreis des Landes NRW dekoriert, blieb Goebel dennoch der tonangebende Außenseiter im Bereich der „Alten Musik“ – immer auf der Suche nach bereicherndem akustischem Neuland, schockierenden Lesarten von Standard-Repertoire und unbequemen Programmen fern der „Schmuse-Welle“.

      Reinhard Goebel begann im Alter von zwölf Jahren mit dem Violin-Unterricht. Schon früh interessierte er sich ausschließlich für „Early Music“, war aber durch das deutsche Hochschul-System zu einer klassisch-modernen Ausbildung gezwungen. Mit dem 1973 gegründeten Ensemble „Musica Antiqua Köln“, das 1978 einen Exklusiv-Vertrag bei der Archiv-Produktion der Deutschen Grammophon erhielt, profilierte sich Reinhard Goebel als einer der wichtigsten Exponenten der kontinentalen „Early-Music-scene“, ganz besonders als unbestrittene Autorität im Bereich der deutschen Musik des Barock. Seine Aufnahmen mit dem Ensemble Musica Antiqua Köln waren maßstabsetzend – und dafür wurde er international mit Preisen und Auszeichnungen, so auch mehreren „Gramo-phone Awards“, überhäuft.

      Seit einigen Jahren tritt Goebel verstärkt als Dirigent anderer Orchester in Erscheinung. Neben Projekten mit Originalklang-Ensembles wie dem New York Collegium gilt sein besonderes Interesse der Arbeit mit den sogenannten „modernen Orchestern“.

      Es ist ihm eine interessante Herausforderung, mit diesen Orchestern das Repertoire des 17. und 18. Jahrhunderts neu zu erarbeiten, Bach, Mozart und ihre Zeitgenossen zurück in die Spielpläne der modernen Orchester zu bringen, aus denen sie durch die scheinbar kompetentere Interpretation der Alte-Musik-Ensembles verdrängt worden sind.

      Als Dirigent ist Reinhard Goebel keine alltägliche Erscheinung: nicht eine vermeintlich neue Sicht auf allseits bekannte Werke ist es, die ihn reizt, sondern die erstmalige Sichtung und Realisierung eher unbekannter Werke am Rande der Großmeister-Spuren. Den „bekannten“ Mozart und Beethoven entweder durch eigene Werke oder durch solche der Zeitgenossen zu relativieren, die beliebter waren, ist sein Ziel. Das, was der Early-Music-Geiger Goebel getan hat und auch weiterhin tun wird, nämlich das Repertoire durch seine Interpretationen um bemerkenswerte neue Namen zu bereichern, ist auch Ziel seiner dirigentischen Tätigkeit: Weltklasse-Solisten, die er durch die ungeheure Qualität seiner Aufnahmen für die Archiv-Produktion der DGG für sein ursprüngliches Fach-Gebiet zu interessieren vermochte – Anne Sofie von Otter, Christine Schäfer, Leonidas Kavakos, Kim Kashkashian, Jan Vogler und die beiden Labèque-Schwestern – folgen ihm willig auf dem Weg zum „unbekannten Meisterwerk“.

      Mozart in Paris

      Fort mit Dir nach Paris! und das bald, setze dich grossen Leuten an die Seite – aut Caesar aut nihil, der einzige Gedancke Paris zu sehen, hätte dich von allen fliegenden Einfällen bewahren sollen. Von Paris aus geht der Rhum und Name eines Mannes von grossem Talente durch die ganze Welt, da behandelt der Adl Leute von Genie mit der grössten Herablassung, Hochschätzung und Höflichkeit …“ (Leopold Mozart an seinen Sohn, 12. 2. 1778). Wenige Monate vorher hatte Wolfgang Amadeus in Begleitung seiner Mutter das verhasste Salzburg quasi auf Stellen-Suche verlassen. Der Vater, dem von Fürsterzbischof Colloredo kein Urlaub gewährt worden war, ärgerte und ängstigte sich zugleich, da das – mittlerweile erwachsene – Wunderkind zum ersten Mal eine Reise ohne ihn unternahm. Leopolds dunkle Vorahnungen sollten sich schließlich bestätigen: Zuerst entflammte das „Wolferl“ in Mannheim für Aloysia Weber und verschob immer wieder die Abreise, bis der Vater die Geduld verlor und das oben zitierte Machtwort sprach, dann – endlich in Paris angelangt – erkrankte Anna Maria Mozart schwer und verstarb am 3. Juli 1778. Auch gestaltete sich der Empfang in der Stadt an der Seine nicht so „höflich“, wie Leopold es gehofft hatte…

      Wie sah das Pariser Musikleben aus, von dem sich die Mozarts so viel erwarteten? Frankreich war ein absolutistischer Staat, in dem seit Ludwig XIV. alle Macht in der Hand des Königs lag. Im 17. Jahrhundert hatte dieser in der Musik ein Mittel gesehen, seiner unbegrenzten Machtfülle Ausdruck zu verleihen. So kam es 1669 zur Gründung der „Académie royale de musique“, in der die Musik einerseits gepflegt, andererseits unter staatliche Kontrolle gestellt wurde. Vor dem Entstehen des „Concert spirituel“ war es daher schwierig, in Paris öffentliche Konzerte zu organisieren, da allein der königlichen Musik-Akademie dieses Privileg zukam. Nach dem Tod von Ludwig XIV. im Jahr 1715 hatte der Hof allmählich seine dominierende Stellung verloren. Gerade die Zurückgezogenheit in Versailles ließ den Einfluss auf die Hauptstadt schwinden, wo man sich nach einer unabhängigeren Musikorganisation sehnte.

      Als direkte Reaktion hierauf kann die „Concert spirituel“-Reihe angesehen werden, die von 1725 bis 1791 in Paris bestand und wegweisend für den Musikgeschmack im Frankreich des 18. Jahrhunderts war. Ins Leben gerufen wurde sie durch den Komponisten und Oboisten der königlichen Kapelle, Anne-Danican Philidor (1681–1728), der die Erlaubnis hierzu Ludwig XV. und der Akademie abgerungen hatte. Die Konzerte durften nur an den Tagen, an denen die Oper nicht spielte (Fastenzeiten, Sonn- und Feiertage), abgehalten werden. Zuerst wurde dort – dem Serientitel entsprechend – nur geistliche Musik wiedergegeben. Im Lauf der Zeit kamen dann auch weltliche Werke hinzu. Aufführungsort war der „Salle des Cent Suisses“ im Tuilerien- Palast, dem Stadtschloss der französischen Herrscher, das den hufeisenförmigen Baukörper des Louvre am Parc de Tuileries ursprünglich abschloss, 1871 abbrannte und heute vollständig verschwunden ist.

      Sämtliche Veranstaltungsprogramme haben sich erhalten; man weiß, was genau gespielt wurde, weil die Titel überliefert sind. Nur bei den Symphonien besteht eine gewisse Unsicherheit, da sich lediglich der Vermerk „eine neue Symphonie“ dieses und jenes Komponisten findet. Bei mehrmaliger Aufführung einer bestimmten Symphonie – was die Regel war –, steht dann meist bloß noch: „eine Symphonie“ und die Angabe des Urhebers. Die Pariser Musikszene darf man sich durchaus so groß vorstellen wie die zur selben Zeit in Wien. Dort kann man um 1780 von etwa 400 Berufsmusikern ausgehen, die freischaffend tätig waren.

      In Konkurrenz zum „Concert spirituel“ stand das um 1769 gegründete „Concert des Amateurs“, das anfänglich im Hôtel de Soubise, dem heutigen Sitz der Archives nationales, im Marais-Viertel eingerichtet und unter die Leitung François-Joseph Gossecs (1734–1829) gestellt wurde. 1773 wurde Joseph Boulogne de Saint-George (1745–1799) – als farbiger französischer Adliger, Violinvirtuose, Komponist, Dirigent und Fechtmeister eine der schillerndsten Gestalten seiner Zeit – zum neuen Direktor ernannt. Bis 1781 führte das „Concert des Amateurs“ zeitgenössische Instrumentalmusik und kleinere musiktheatrale Werke auf. An die Stelle der aufgelösten Organisation trat das von Saint-George geleitete „Concert de la Loge Olympique“. Es bestellte bis 1784 bei Joseph Haydn sechs Symphonien, die als „Pariser Symphonien“ in die Musikgeschichte eingegangen sind.

      Das auf der CD eingespielte Programm hat es in dieser Form freilich bei keinem einzigen „Concert spirituel“ gegeben. Die Konzerte für Violine des Chevalier de Saint-George, dem vielleicht bedeutendsten Geiger auf dem Weg zu einer klassisch-geordneten Violintechnik, wurden zur Zeit von Mozarts Pariser Aufenthalt 1778/79 bereits nicht mehr gespielt. Außerdem würde eine absolut authentische Werkabfolge eines „Concert spirituel“ mindestens drei Stunden dauern. Die Konzerte waren von extremer Länge und bunt gemischt: Das Repertoire reichte von französischen und italienischen Arien über Sonaten bis zu Symphonien und Solokonzerten. Dagegen stellt die vorliegende Aufnahme eine Art Zustandsbeschreibung der kompositorischen Errungenschaften dar, die der 22-jährige Mozart in Paris vorgefunden hat.

      Dort traf der Salzburger zum letzten Mal mit Johann Christian Bach (1735–1782) zusammen. Dieser hatte einen Auftrag für die Oper Amadis de Gaules erhalten und war von England nach Paris gereist. Bei aller Wiedersehensfreude war Mozart doch ein wenig ernüchtert, dass Bach nicht mehr so unbefangen auf ihn zukam wie auf das einstige Wunderkind, das dieser 14 Jahre zuvor in London geradezu verhätschelt hatte. Mittlerweile dürfte J.C. Bach im jüngeren Kollegen eben auch den Konkurrenten gesehen haben. Seine D-Dur-Symphonie stellt zugleich die Ouvertüre zu Amadis de Gaules dar und wurde ein halbes Jahr nach der „Concert spirituel“-Premiere von Mozarts „Pariser Symphonie“ KV 297 uraufgeführt.

      Streng genommen stand Mozart in Paris die eigene Persönlichkeit im Weg. Er zeigte sich hochmütig, arrogant und intolerant, hätte viel mehr Geduld an den Tag legen, viel mehr „antichambrieren“ müssen, was überhaupt nicht zu seinem Charakter passte. Den Franzosen blieb Mozarts Skepsis ihnen gegenüber sicher nicht verborgen… Und der Königshof in Versailles? „Der hatte im Mai 1778 überhaupt ganz andere Sorgen, als einen Mozart ‚unter seine Fittiche zu nehmen’. Königin Marie Antoinette war zum ersten Mal schwanger – nach acht langen Jahren vergeblicher Bemühungen, in denen nicht nur die Kaiserin Maria Theresia ständig schriftlich intervenierte, sondern Joseph II. gar in personam nach Paris gereist war, um dem Schwager Louis XVI. zu erklären, ‚wie man’s macht’“ – stellt Reinhard Goebel, der Dirigent dieses imaginären „Concert spirituel“, augenzwinkernd fest. Die hier erstmals auf CD dokumentierten Werke von Simon Le Duc (1742–1777) und Pierre-Montan Berton l’Ainé (1727–1780) sind für Goebel von besonderer Bedeutung:

      „Man sollte diese Kompositionen ganz unbefangen als Musikstücke hören und sich dann erstaunt fragen, was Mozart davon lernen konnte bzw. wo die anderen ihm etwas voraus hatten. Es ist immer Bestandteil meiner künstlerischen Arbeit, die Gleichzeitigkeit von bestimmten Dingen zu betonen und nicht von Meisterwerk zu Meisterwerk zu hüpfen. Musik besitzt schließlich eine ungemein starke Geschichtlichkeit, was gar nichts mit einem musealen Charakter, sondern mit etwas ‚real Existierendem’ zu tun hat. Sie kommt ja irgendwo her… In dieses Netzwerk möchte ich sie einbauen, um Querverbindungen aufzeigen zu können.“

      Richard Eckstein


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      CD 1
      • Johann Christian Bach (1735–1782)
        • 1.Sinfonia in D major
          (Overture to “Amadis de Gaule“, Paris 1779)
          07:21
      • Simon Le Duc (1742-1777)
        Symphony in E-flat major (1777)
        • 2.Maestoso01:19
        • 3.Allegro vivace04:19
        • 4.Adagio sostenuto03:48
        • 5.Rondo Moderato04:02
      • Chevalier de Saint-George (1745-1799)
        Concerto in G major op. 2 No. 1 (1772)
        • 6.Allegro09:45
        • 7.Largo06:28
        • 8.Rondeau03:54
      • Pierre-Montan Berton L´Ainé (1727-1780)
        • 9.Chaconne in E minor (1762)08:47
      • Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)
        “Parisian” Symphony in D major KV 297 (1778)
        • 10.Allegro assai07:41
        • 11.Andante04:05
        • 12.Allegro04:46
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