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   Reinhard Goebel / Bayerische Kammerphilharmonie: Johann Christoph Vogel: Three Symphonies
Komponist: Vogel, Johann Christoph
Preis: 12.98 €
Kat-Nr.: OC 735
Format: CD
  

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bayerische kammerphilharmonie
Reinhard Goebel, Dirigent


Vogels erfolgreichstes Werk war die Oper „Démophon“ nach einem Libretto von Metastasio. Allerdings konnte der Komponist diesen Erfolg nicht mehr selbst erleben, der 1756 (im selben Jahr wie W.A. Mozart) in Nürnberg geborene Vogel starb bereits 1788, im Alter von 32 Jahren in Paris. Christoph Willibald Gluck, das Idol seiner Jugendjahre, schrieb ihm anlässlich der 1786 uraufgeführten Oper La toison d’or: „Ihr dramatisches Talent lässt auch Ihre anderen Qualitäten in hellem Licht erscheinen, und dazu gratuliere ich Ihnen von ganzem Herzen. Dieses Talent ist umso seltener, da es nicht aus Erfahrung zu gewinnen, sondern ein Geschenk der Natur ist.“
Als Sinfonien-Komponist erweist sich Vogel als überlegener Meister des französischen Stils in seinen „Drei Sinfonien für großes Orchester“, die hiermit in Ersteinspielungen vorliegen.
Reinhard Goebel hat hier mit einem wesentlichen Mosaikstein das Bild vervollständigt, das wir von der europäischen Musikszene zur Zeit W.A. Mozarts haben. Als Pionier und intimer Kenner der historischen Aufführungspraxis bildet er zusammen mit den jungen Musikern der bayerischen kammerphilharmonie ein hochvirtuoses, für jedes musikalische Abenteuer gewappnetes Gespann.

J. Chr. Vogel – Drei Sinfonien

Es sind nun zwei opern in aria die ich schreiben könnte, eine endeuxacts, die andere en trois … die en trois ist Demofont von Metastasio, übersezt, und mit Chöre und tänze vermischt, und überhaupt auf das französische Theatre arangirt …«, so Wolfgang Amadeus Mozart am 3. Juli 1778 aus Paris an seinen Vater in Salzburg. Démophon wurde in der Tat komponiert – aber nicht von Mozart, sondern von Luigi Cherubini und, im gleichen Jahr 1788 noch einmal, ungleich erfolgreicher von dem 1756 in Nürnberg geborenen Johann Christoph Vogel, der ungefähr zur gleichen Zeit in Paris eingetroffen sein muss, als Mozart Anfang September 1778 die französische Hauptstadt nach einem Zerwürfnis mit dem Baron Grimm Hals über Kopf verließ.

Johann Christoph Vogel stammte aus der seit Beginn des 16. Jahrhunderts in Nürnberg nachweisbaren Dynastie von Geigen- und Lautenmachern. Er erhielt seine kompositorische Ausbildung in Regensburg bei Joseph Riepel (1709 – 1782), der von 1739 bis 1745 in Dresden sollizitiert und die große Ära Zelenka- Pisendel-Hasse erlebt, jedoch keine Anstellung im Hoforchester gefunden hatte, gleichwohl durch seine voluminösen Theoretica, die noch der Wiederentdeckung harren, zum Apologeten der Dresdener Schule wurde. In Paris spielte Vogel in diversen fürstlichen Kapellen das Horn, trat aber schon bald als Komponist von Sinfonie Concertante, Oratorien und 1786 erstmalig mit La toison d’or als Opern- Komponist in Erscheinung.

Die Druck-Veröffentlichung seines Erstlingswerks hatte Vogel seinem Idol Christoph Willibald Gluck gewidmet, der sich mit einem Brief vom 3. August 1787 dafür bedankt – übrigens das letzte erhaltene eigenhändige Schreiben Glucks, das gar ins »Journal de Paris« lanciert wurde, so, als sei es von öffentlichem Interesse! In der Rückübersetzung liest es sich so: »Werter Herr: aus Salieris Händen erhielt ich ein Exemplar Ihrer ersten Oper La toison d’or, die Sie mir widmeten. Meine Augen erlauben mir kaum noch zu lesen, aber Salieri machte mir das Vergnügen, mich diese Musik, die so würdig des Lobes ist, das Paris Ihnen gab, am Cembalo hören zu lassen. Ihr dramatisches Talent lässt auch Ihre anderen Qualitäten in hellem Licht erscheinen, und dazu gratuliere ich Ihnen von ganzem Herzen. Dieses Talent ist umso seltener, da es nicht aus Erfahrung zu gewinnen, sondern ein Geschenk der Natur ist. Herr Salieri hat mir auch all das Lob, das er über Ihr zweites Werk hörte, berichtet. Gebe Gott, dass es zu Ihrem Ruhm soviel beiträgt, wie ich Ihnen wünsche, und aus Ihnen den berühmtesten Künstler werden lässt. Seien Sie aller meiner Gefühle versichert: Ihr Gluck«

Um diesen Brief zu verstehen, muss man wissen, dass Musik, insonderheit aber die Oper im vorrevolutionären Frankreich, immer Ersatz-Kriegsschauplatz für am eigentlichen gesellschaftlichen Ort nicht auszutragende Diskussionen war. Als die stets und ständig nörgelnden Dandys der Hauptstadt Gluck – der ja mit der letztendlich enthaupteten »Autrichienne« Marie Antoinette Nationalität und Sprache gemein hatte – vertrieben, ja weggebissen hatten, lud man Johann Christian Bach ein, dessen Amadis de Gaule hier und da nicht gefiel; dann Sacchini und Piccinni, die im Grunde auch alle nur Vollblut-Komponisten waren und – wie Mozart 1778 – gar nicht wussten, wofür sie zu plädieren und wogegen sie anzutreten hatten. Das Ganze war eine Uralt-Spielwiese der Pariser, die auf malerischem Rasengrün schon Marc-Antoine Charpentier und Jean-Marie Leclair – zwei wirkliche Genies – erlegt hatten und auch Rameau stets und ständig malträtierten. Letztlich war es der Kampf um die Priorität eines italienischen oder französischen Musikgeschmacks: »Un roi, un loi, une foi«, na, dann machen wir die Musik doch auch noch gleich …

Der Premiere von La toison d’or im Jahr 1786 gingen seit 1781 belegbare Aufführungen Vogelscher Kompositionen im »Concert Spirituel« voraus. Geschickt bediente sich der Komponist dabei bereits beliebter Künstler als Protagonisten seiner Werke: Antoine Hugot (1761–1803) blies die Flöte, Etienne Ozy (1754–1813) das Fagott, Jean Lebrun (1759–1809) das Horn und Michel Yost (1754–1786) die Klarinette. Mit letzterem verband ihn – so die Non-dits – eine kompositorische Symbiose: Yost schrieb sich Solostimmen »auf den Leib«, die von Vogel orchestral gefasst wurden. Diese desaströsen Kompositionen gingen jedoch als »composée par M. Michel« über den Ladentisch …

Die hier in Erstaufnahme vorgelegten Trois Sinfonies sind um 1784 als »Premier Livre« in höchst qualitätvollem Stimmendruck publiziert und repräsentieren einmal mehr die Krise der Sinfonie, wie sie sowohl in Norddeutschland als auch in London und Paris mit Unbehagen bemerkt wurde. Das Genre war (zumindest hier) an seine Grenzen gestoßen, prachtvoll instrumentierte gebrochene Dreiklänge, vornehmlich in D- und A-Dur, und mächtig sich aufblasende Unisoni hatte man genug gehört; auch seufzend hinsterbende Mittelsätze mit Triolen- Gewusel in den Nebenstimmen waren nicht mehr »à la mode«. Den Franzosen konnte man zudem noch nicht einmal eine Freude mit pizzicato oder sordino machen: diese Klänge lehnten sie als »Verfälschungen« ab!



Die Mittelsätze der Zweiten und der Dritten Sinfonie zeigen einen möglichen Ausweg aus der Krise; aber die Übernahme von Elementen der Sinfonia Concertante widersprach letztlich dem Konzept der Sinfonie als Klangstück »für Orchester«. Tragfähiger erschien dann doch die Lösung des Mittelsatz- Problems in Form eines Variations-Satzes, wie Vogel ihn bereits der Ersten Sinfonie inkorporiert hatte. In der Tat aber wurden sämtliche gordische Knoten in den Konzerten der »Loge Olympique «, die wie das »Concert Spirituel « in einem Raum des Tuilerien-Palastes stattfanden, gelöst: Das Konkurrenzunternehmen verfiel auf den glorreichen Gedanken, Joseph Haydn in Eisenstadt mit der Scrittura für sechs Sinfonien zu beauftragen. Glücklicherweise lehnte Haydn entschieden ab, sich nach einem noch zu übersendenden Modell zu richten, und überrumpelte die Franzosen mit seinen Sinfonien 82 –87, die das im sinfonischen Kontext bislang streng untersagte Menuet enthielten und anstelle der unleidlich vielen wörtlichen Wiederholungen bereits bekannten Materials (auch Mozarts »Pariser« Sinfonie leidet unter diesem vierzigprozentigen Überhang) thematische Arbeit und überraschende Entwicklungen aller Art in den Vordergrund stellten.

Vogels Premier Livre repräsentiert somit die in allen gültigen Parametern weitestentwickelte französische Sinfonie am Vorabend der Haydn-Hype, der durch das 65 Musiker starke Orchester der »Loge Olympique« ausgelöst wurde und orkanartig alle bislang geltenden ästhetischen Vorgaben hinwegfegte. An die Stelle einer Gesellschafts- Wohlfühl-Musik – Vogels Musik ist voll von solchen »loci amoeni «, neckischen Gedanken, die man während der Darbietung durchaus mit Beifallskundgebungen zu quittieren gewohnt war – trat das autonome, die Einmischung junger Gecken und gepuderter Damen gar nicht zulassende Kunstwerk. Ein »Deuxième Livre des Sinfonies« sucht man aus gutem Grunde also vergebens …. »Wen die Götter lieben …« – Démophon war noch nicht auf der Bühne, da war Vogel schon unter der Erde, 1788 gestorben an Alkoholismus. Aber die Oper wurde aufgrund ihrer Thematik – denn auf der Bühne war genau das zu erleben, was sich vor den Türen des Opernhauses, auf Straßen und Plätzen des revolutionären Paris abspielte – der »Renner« schlechthin und stand bis 1820 auf den Spielplänen. Den seinerzeit gefassten Plan, dem Komponisten in Paris ein Denkmal zu errichten, vergaß man allerdings irgendwann. Das holen mit der vorliegenden Aufnahme die bayerische kammerphilharmonie und das in Vogels Geburtsstadt ansässige Studio Franken des Bayerischen Rundfunks in Kooperation mit OehmsClassics nach!

Reinhard Goebel


CD 1

Symphony No. 1 in D major
1  Allegro  09:32  
2  Andante  04:15  
3  Presto  06:45  

Symphony No. 2 in E-flat major
4  Allegro moderato  06:18  
5  Adagio  04:37  
6  Poco presto  05:41  

Symphony No. 3 in B-flat major
7  Allegro molto  07:38  
8  Adagio  06:11  
9  Presto  07:05  

total 58:21
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