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   Lars Vogt / Ivor Bolton / Mozarteum Orchester Salzburg: Wolfgang Amadeus Mozart: Klavierkonzerte Nr. 20 & Nr. 23
Komponist: Mozart, Wolfgang Amadeus
Preis: 12.98 €
Kat-Nr.: OC 727
Format: CD
  

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Wolfgang Amadeus Mozart
Piano Concertos No. 20 & No. 23
Lars Vogt, piano
Mozarteum Orchester Salzburg
Ivor Bolton, conductor

Lars Vogt steht in der ersten Reihe deutscher Pianisten der Gegenwart. Mit seinem ausgeprägten Engagement für die Kammermusik distanziert er sich wohltuend von reinem Virtuosentum und dem auf die große Geste reduzierten Spektrum des bloßen „Tastenlöwen“. Aus dieser Haltung heraus sind besonders gelungene Mozart-Interpretationen zu erwarten, wie die hier vorliegenden „Glücksfälle“ beweisen. Mit dem Mozarteum Orchester Salzburg unter der Leitung von Ivor Bolton entstanden zwei Live-Mitschnitte in Salzburg (KV 488 vom Eröffnungskonzert des Karajan-Jubiläumsjahres im Januar 2008, KV 466 von den Mozartmatineen im Rahmen der Salzburger Festspiele 2008).

Bewegung, Drama und Balance

Die beiden hier vereinten Werke sind wohl die populärsten Klavierkonzerte überhaupt aus Wolfgang Amadeus Mozarts Feder. In der Gegensätzlichkeit ihres grundsätzlichen Gemütsduktus präsentieren sie sozusagen das ganze Spektrum der Mozart’schen Kunst. Wie Joseph Haydn schrieb auch Mozart großartige Symphonien, Streichquartette und geistliche Werke – zwar nicht im selben Umfang, aber doch von ebenbürtiger Meisterschaft und höchster Inspiration. Und doch: Erhebt sich die Frage, wo Mozart wahrlich Unvergleichliches geleistet hat, so wird man zuerst seine Opern und Solokonzerte nennen, unter letzteren insbesondere die Klavierkonzerte. In diesen Gattungen ist Haydn – so wundervoll auch sein Schaffen auf diesen Gebieten sein mag – selten zu den Höhen Mozarts vorgedrungen. Es ist nicht einfach, die Gründe dafür darzulegen, denn auf dem Feld der Logik, der Argumentation – das ja eine unüberbotene Stärke des Musikers Haydn ist – kann die Frage nicht entschieden werden.

Einen Grund sehe ich in der gütigen Frömmigkeit Haydns. Mozarts Frivolität ist geläufig kolportiert, und mit Leichtigkeit begibt er sich in alle Facetten menschlichen Daseins und bringt sie stilsicher und hemmungslos zum Ausdruck. Ein Don Giovanni von Haydn, oder von einem anderen Zeitgenossen? Da muss man schon schmunzeln, und erst ein Jahrhundert später sollte mit Richard Strauss eine viel einseitigere Begabung den Faden wieder aufnehmen. Viel ist die Rede gewesen von Mozarts Drama, vom theatralischen Agieren auch in den Solokonzerten, in der Gegenüberstellung von Solo und Tutti. Und in der Tat, gerade im d-Moll- Konzert ist dieser Gegensatz aufs Subtilste wie Offensichtlichste durchgeführt. Nehmen wir den Kopfsatz: Was des Orchesters ist, ist des Orchesters. Der Solist spielt seine eigene Rolle in diesem Stück, tritt dem Orchester als agierendes Individuum gegenüber, bleibt auch in der feinen Verwebung mit den Bläsersoli immer unverkennbar ‚auf Kurs’.

Das d-Moll-Konzert war das einzige Klavierkonzert Mozarts, das nach seinem Tode regelmäßig im Repertoire blieb. Beethoven hat nur zu diesem Konzert zwei Kadenzen geschrieben, von welchen jene zum Kopfsatz eine großartige Überformung des Mozart’schen Tonfalls in die faustische Dimension Beethoven’scher Empfindungsart darstellt. Die Romantik liebte – im Gegensatz zum lichten Strahlen der Klassik – ohnehin vor allem die Molltonarten, siehe etwa Mendelssohn oder auch Schumann. So galt denn das d-Moll-Konzert schnell als eminenter Vorläufer Beethovens und wurde wie der Don Giovanni aufgesogen von der ruhelosen Sehnsucht, dem fortwährenden Streben ins Nächtliche, Mysteriöse E.T.A. Hoffmanns und seiner Geistesverwandten. Auch das A-Dur-Konzert hat hier seinen Platz – nicht wegen seiner Grundtonart, sondern wegen des in fis-Moll stehenden langsamen Satzes, der in seiner unendlich zarten, dunkel timbrierten Innigkeit und introvertierten Klangmalerei gleichfalls die Herzen der nächsten Generationen gefangennahm.

Was uns Heutige betrifft, ist es aufschlussreich, zu beobachten, dass unser wohlbehütetes Konzertleben ja weiterhin primär aus dem Geist der Romantik gespeist ist – ungeachtet aller revolutionären Gesten der Versuche authentischer Musizierpraxis. Zwischen dem romantischen Zeitalter mit seinen Spätausläufern und unserer Zeit steht das Abenteuer Moderne, der Versuch, auf unterschiedlichste Weise dem Bann der Sentimentalität und den Gesetzmäßigkeiten der Tradition zu entrinnen, der Aufruf, alle Brücken zum Gestern abzubrechen, die Götter der Vergangenheit zu stürzen. Da die Moderne in ihren vielgestaltigen Ausprägungen und hochfahrenden Ambitionen das Publikum hinter sich zurückließ, indem man Attribute wie „unmittelbar erlebbaren Zusammenhang“, „Schönheit“ und „dem unvoreingenommenen Empfinden zugängliche Erzählkunst“ teils negierte, teils vergaß, sind heute die Komponisten besonders erfolgreich, die wieder an die Emotionalität der Romantik bzw. an die reine Klangschönheit alter Musik anknüpfen, und es fällt auf, dass die Molltonarten mehr denn je bevorzugt sind (Pärt, Górecki, Vasks) – also dürfte sich auch weiterhin nichts ändern hinsichtlich der Beliebtheit bestimmter Werke (im Falle von Mozarts Klavierkonzerten kommt zu den beiden hier eingespielten das in c-Moll hinzu, sowie die Konzerte KV 271 und 482 mit ihren Moll- Mittelsätzen; das d-Moll-Konzert ist zweifellos, wegen seines stark kontrastierenden, dramatisch aufwallenden Moll-Mittelteils im lieblichen B-Dur-Mittelsatz, der Spitzenreiter…).

Was für ein grandioser Melodiker Mozart ist, und damit allen seinen Zeitgenossen weit überlegen, können wir insbesondere im A-Dur-Konzert erfahren. Das Hauptthema des ersten Satzes ist einerseits vollkommen eingängig, eigentümlich und natürlich, andererseits ist seine außergewöhnliche Beflügelung auch dadurch ausgelöst, dass es so gar keine gewöhnliche Melodie ist, die irgendwer hätte finden können. Wie auch in seiner Harmonik beherrscht Mozart die Kunst souverän, jederzeit alles in Balance zu halten, niemals ein Übergewicht – und dadurch lastende Schwere – einer Stimmung entstehen zu lassen. Immer ist es in Bewegung. Es artikuliert sich zwar aufs Natürlichste in Spannungs- und Entspannungs-Impulse, doch nie bleibt eine Harmonie zu lange stehen – was wir ja bei Cherubini oder auch bei Beethoven (in seiner Begeisterung) immer wieder sehen können (und was unromantische Satiriker wie Erik Satie zu herrlichen musikalischen Glossen veranlasst hat). Es ist gerade darum so großartig und wunderschön, weil Mozart nie der Trägheit des „Verweile doch, du bist so schön“ aufsitzt.

Mozart ist eben kein Romantiker, sondern immer ganz im Leben stehend, und zugleich immer über das Gewöhnliche hinausweisend, die Bedingungen des Daseins transzendierend. Wie könnte es auch anders sein bei einem Mann, der ein solch außergewöhnliches Verhältnis zu den Grenzen irdischen Lebens pflegte. Am 4. April 1787, nicht allzu lange nach der Entstehung der hier vorgestellten Werke, schrieb Mozart an seinen Vater:

„Da der Tod (genau zu nehmen) der wahre Endzweck unseres Lebens ist, so habe ich mich seit ein paar Jahren mit diesem wahren, besten Freunde des Menschen so bekannt gemacht, dass sein Bild nicht allein nichts Schreckendes mehr für mich hat, sondern recht viel Beruhigendes und Tröstendes! und ich danke meinem Gott, dass er mir das Glück gegönnt hat, mir die Gelegenheit zu verschaffen, ihn als den Schlüssel zu unserer wahren Glückseligkeit kennen zu lernen. – Ich lege mich nie zu Bette, ohne zu bedenken, dass ich vielleicht (so jung als ich bin) den andern Tag nicht mehr sein werde – und es wird doch kein Mensch von Allen, die mich kennen, sagen können, dass ich im Umgange mürrisch oder traurig wäre – und für diese Glückseligkeit danke ich alle Tage meinem Schöpfer und wünsche sie von Herzen jedem meiner Mitmenschen.“

Das d-Moll- und das A-Dur-Konzert entstanden während der glücklichen Zeit, als Mozart in Wien große Erfolge als Virtuose feierte, und natürlich schrieb er sie für sich selbst. Das d-Moll-Konzert hat er erstmals am 11. Februar 1785 in einem seiner ‚Akademien’ genannten Subskriptionskonzerte öffentlich vorgetragen. Gut zehn Jahre danach, am 11. März 1795, spielte der stürmische junge Beethoven es für die Witwe Konstanze. Das A-Dur-Konzert, vollendet am 2. März 1786, hat Mozart vermutlich noch im selben Monat uraufgeführt. Er schrieb diese Werke „für einen kleinen Zirkel Liebhaber und Kenner“. Vom April 1786 an begann sein Stern als Virtuose in Wien zu sinken, und bald war er nicht mehr en vogue. (Graf Arco, Oberküchenmeister beim Salzburger fürstlichen Erzbischof Colloredo, hatte Mozart 1781 anlässlich seiner Übersiedlung nach Wien gewarnt: „…glauben Sie mir, Sie lassen sich hier zu sehr verblenden; – hier dauert der Ruhm eines Menschen sehr kurz – von Anfang an hat man alle Lobsprüche, und gewinnt auch sehr viel, das ist wahr – aber wie lange? – nach etwelchen Monaten wollen die Wiener wieder was Neues.“) Die weitere Geschichte dieser unsterblichen Musik ist post mortem. Werner Egk, Bayerns herausragender Opernschöpfer nach Richard Strauss, hat für die Rolle, die Mozarts Musik seither und forthin spielt, ein schönes Gleichnis gefunden:

Der Dichter Hölty besingt in einem innig rührenden Gedicht das herzerfreuende Grünen eines kleinen Buchsbaums im eisstarrenden winterlichen Garten:

„Nur du, mein kleiner Buchsbaum,
pflanzest dein grünes Haupt
dem Frost entgegen
und verhöhnest des Winters Macht!
So blüht uns in einer Welt
von Eis und Eisen Mozart;
auf unabsehbare Zeit.“

Christoph Schlüren



CD 1

Piano Concerto No. 20 in D Minor KV 466
(Cadenzas by Lars Vogt)
1  Allegro  13:57  
2  Romanze  08:38  
3  Rondo. Allegro assai.  07:19  

Piano Concerto No. 23 in A Major KV 488
(Cadenza by W.A. Mozart)
4  Allegro  11:01  
5  Adagio  06:33  
6  Allegro assai  08:32  

total 56 : 15
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