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Frölich, Andreas
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   Susanne Kessel: Iceland
Komponist: Various
Preis: 13.99 €
Kat-Nr.: OC 813
Format: CD
  

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Piano Music by Icelandic Composers: Þorkell Sigurbjoernsson Johann G. Johannson · Atli Ingolfsson · Haukur Tómasson Atli Heimir Sveinsson · Victor Urbancic · Arni Egilsson Jorunn Viðar · Hafliði Hallgrimsson · Páll Isolfsson Sveinbjoern Sveinbjoernsson · Jón Leifs · Björk / Leon Milo
Susanne Kessel, piano


Seit Mitte des 20. Jahrhunderts hat sich auf Island eine eigene Szene zeitgenössischer klassischer Musik etabliert. Isländische Komponisten gingen ins europäische Ausland oder in die USA, um dort in unmittelbarem Kontakt zur musikalischen Avantgarde zu studieren. Erstaunlich viele kehrten anschließend wieder in ihre Heimat zurück und entwickelten einen Stil, der traditionelle und auch folkloristische isländische Musik mit den Formen westlicher neuer Kunstmusik verbindet. Die deutsche Pianistin Susanne Kessel legt nach intensiver Beschäftigung mit der isländischen Musik und vielen Reisen auf die Insel der Gletscher, Geysire und Moosfelder nun einen Querschnitt durch die Klaviermusik isländischer Provenienz vor, der seinen Abschluss im Arrangement eines Songs von Islands derzeit populärster Musikerin – Björk – findet.

Neue Musik aus Island

Isländischsein hat mit Landschaft zu tun. In meinem Fall eher mit dem Duft der Landschaft, dem Duft der Heide. Und dem Klang der Landschaft: Ein goldener Regenpfeifer, der von weither zwitschert. Verbinden Sie das Obige mit dem Duft eines Teppichs, während man vor einem großen Telefunken- Radiogerät sitzt, und Sie haben einen Extrakt meiner Kindheit. Ich hörte „Sjómannalög“ – Seemannslieder – und Isländische Lieder im national-romantischen Stil, ähnlich den Werken der Pioniere isländischer Komposition. Und dann näherte sich der Horizont, ebenfalls im Radio: Es wurde Zeitgenössische Musik aus dem Ausland gesendet. Ich erinnere mich an wahre Erleuchtungen, während ich im Dunkeln lauschte.

Atli Ingólfsson


Susanne Kessel über dieses Album

Als ich 2005 zum ersten Mal nach Island reiste, um auf Einladung des Goethe- Zentrums Reykjavík einen klassischen Klavierabend zu spielen und für den deutschen Rundfunk einige Interviews mit isländischen Musikern zu führen, informierte ich mich im Vorfeld über Land und Leute, Kultur und Sehenswertes. Ich hatte zur großen Überraschung des isländischen Konzertpublikums eigens ein paar isländische Klavierwerke als Zugabe einstudiert. Ich kannte einige Komponistennamen und natürlich eine Reihe wunderbarer Songs der international bekannten isländischen Pop-Sänger und Bands. Mir war bewusst, dass Island eine sehr individuelle, expressive Musikkultur besitzt. Aber „klassische Musik“ aus Island kannte ich eigentlich kaum.



Umso überraschter war ich, als ich beim Besuch der Musik-Bibliothek des Music Information Center Islands meterlange Regale mit Partituren hochinteressanter isländischer Klavierwerke vorfand. Eine solche Fülle hatte ich nicht erwartet!

Die klassische Musikgeschichte Islands ist recht jung. Innerhalb der relativ kurzen Zeitspanne von ca. 100 Jahren seit Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sie sich in schillernden Facetten unter Einbeziehung fast aller klassischen Epochen wie in einem Zeitraffer. Die Musik, die heute in Island komponiert wird, orientiert sich an internationalen Strömungen Neuer Musik ebenso wie an alter isländischer Musiktradition und ergibt ein charmantes Mosaik verschiedenster Genres, die alle nebeneinander bestehen.

Ich sprach mit klassischen Komponisten (Atli Heimir Sveinsson, Þorkell Sigurbjörnsson, Árni Egilsson, Atli Ingólfsson und Haukur Tómasson), mit dem Direktor der Musikschule Reykjavík (Stefan Edelstein), mit dem Chorleiter der Universität (Hákon Leifsson) und mit dem Keyboarder, Pianisten und Komponisten der Pop-Gruppe Sigur Rós (Kjartan Sveinsson).

Diese Musiker gewährten mir Einblick in die einzigartige Geschichte der isländischen Musik, erzählten mir viel Persönliches und führten mir immer wieder vor Augen, wie untrennbar die Isländer einerseits mit ihrer Heimat verbunden sind und wie brennend andererseits



die Sehnsucht nach internationalem Austausch ist. Das große Interesse an allem Neuem, die Offenheit Fremdem und Ungewöhnlichem gegenüber ist aus meiner Sicht ein typisch isländischer Wesenszug. Ohne diese Fähigkeit wäre die rasante kulturelle Entwicklung Islands auf ein mittlerweile international mit Interesse beachtetes Niveau innerhalb der letzten 100 Jahre nicht möglich gewesen.

Islands Musikgeschichte gleicht einer Schatzkammer. Aufgrund der isolierten geographischen Lage im Nordmeer blieben einzelne musikalische Formen über viele Jahrhunderte lebendig erhalten. Auch die isländische Sprache ist seit der „landnám“ im 9. Jahrhundert (der Landnahme Islands durch norwegische Wikinger) nahezu unverändert geblieben.

Nicht weniger bemerkenswert ist auch das moderne Musikleben Islands. Island besitzt für seine derzeit rund 300.000 Einwohner das dichteste Musikschulnetz der Welt. Unter Mithilfe immigrierter europäischer Musiker wurde während des Zweiten Weltkrieges ein hervorragendes Musikschulsystem aufgebaut, das heute Kindern und Jugendlichen eine musikalische Ausbildung auf hohem Niveau bietet. Auch ein qualifiziertes Musikstudium ist in Island möglich, allerdings studieren junge Musiker darüber hinaus meist an einer Musikhochschule in Europa oder USA. Viele isländische Musiker und Komponisten kehren nach dem Auslandsstudium in die Heimat zurück und bringen ihre Erfahrungen in



die isländische Musikszene ein, die dadurch innerhalb weniger Jahrzehnte internationales Niveau erreicht hat.

Die erste Generation junger Komponisten, die nach der Unabhängigkeitserklärung Islands 1944 aufwuchs, studierte Ende der 50er Jahre und während der 60er Jahre u.a. in den internationalen Zentren Neuer Musik, um so schnell wie möglich aus der Insel- Isolation herauszutreten und die neuesten Strömungen der Musik des 20. Jahrhunderts mitzuerleben. Diese beiden Aspekte – „uralte“ Musiktradition und „zeitgenössische Neue Musik“ – ergeben ein einzigartiges Spannungsfeld zwischen Alter und Neuer Zeit, das in vielen Kompositionen immer wieder zu entdecken ist.

Die wilde Natur Islands, die Geysire, Wasserfälle, das raue Klima und die atemberaubend schöne Landschaft sind darüber hinaus eine Inspirationsquelle, die sich täglich und unerbittlich in Erinnerung bringt und deren Faszination sich kein Künstler entziehen kann.

2007 spielte ich wieder in Island, diesmal innerhalb des Festivals „Dark Music Days“. Hier entstand die Idee, eine CD mit isländischer Klaviermusik aus über 100 Jahren verschiedener Stilrichtungen der klassischen Musik Islands zu veröffentlichen. Mein Vorhaben fand auch bei den isländischen Komponisten großen Anklang. Da fast alle klassischen Komponisten für Klavier komponieren, ist dieses Instrument geradezu prädestiniert, einen Überblick über die Literatur eines Landes zu ermöglichen. Ich wurde in meiner Arbeit von vielen isländischen Musikern sowie dem MIC Iceland tatkräftig unterstützt und ich bedanke mich sehr herzlich für die Zusammenarbeit und die gemeinsamen Proben in Island. Dem Kulturamt der Stadt Bonn sowie der icelandair danke ich für Förderung und Sponsoring. Dank an Peter Gebhard: Der bekannte Fotograf und Journalist stellte für dieses Booklet seine wundervollen Island-Fotos zur Verfügung. Die Komponisten Atli Heimir Sveinsson, Árni Egilsson und Leon Milo schrieben eigens für mein CD-Programm „Iceland“ neue Klavierwerke. Ihnen danke ich besonders herzlich!

Die Komponisten

Þorkell Sigurbjörnsson (*1938) ist eine der prägenden Persönlichkeiten des öffentlichen Musiklebens in Island. Er studierte als Pianist und Komponist zunächst in Island und später in den USA bei R.G. Harris, K. Gaburo und L.A. Hiller sowie innerhalb der Darmstädter Ferienkurse. Er lehrte Theorie



und Komposition am Reykjavík College of Music und ist Organisator verschiedener Musikfestivals in Island und Redakteur und Sprecher für Sendungen mit Zeitgenössischer Musik beim Isländischen Rundfunk. Beim Festival Junger Künstler in Bayreuth im Jahr 2004 wurde seine Oper Grettir uraufgeführt.

Þorkell Sigurbjörnsson widmete die Hans-Variationen einem befreundeten Pianisten namens Hans Pálsson. Die Harmonik altisländischer Volksmusik geht eine gelungene Verbindung ein mit dem Gestus eines virtuosen Klaviersatzes. Schroffe, karge Harmonik isländischer Musik, die durch das Thema vorgegeben wird, trägt ein modernes pianistisches Gewand aus berauschenden Klangfarben und unbändiger Spielfreude.

Jóhann G. Jóhannsson ist einer der bestgehüteten Geheimtipps des Landes. Er wird nicht nur von namhaften isländischen Komponisten verehrt, sondern auch von international bekannten Künstlern wie Daniel Agust von Gus Gus und Emiliana Torrini. Über die Jahre hatte er zahlreiche Nummer-Eins-Hits im Radio, die fraglos auch islandische Künstler von Björk bis Sigur Rós beeinflusst haben. 1988 erhielt er die isländische Goldene Schallplatte für seinen Song Help Them oder Hjálpum þeim, den er mit einem Chor der führenden heimischen Künstler als Beitrag Islands zum Live Aid-Hilfsprojekt einspielte.

Die verträumte Pop-Ballade Ég er að tala um þig zeigt beispielhaft die ausgezeichnete Qualität isländischer Pop-Musik. Eine schlichte, aber eindringliche Melodie wurde hier selbstverständlich und mit sicherem Geschmack harmonisiert.

Atli Ingólfsson (*1962) studierte Klassische Gitarre, Theorie, Komposition und Philosophie in Island. Nach der Veröffentlichung eines Gedichtbandes setzte er seine Ausbildung fort: zunächst am Konservatorium in Mailand bei Davide Anzaghi, dann 1988 bei Franco Donatoni an der Accademie Chigiana in Siena und in Paris bei Gérard Grisey, dessen Assistent er war. Die Kompositionen von Atli Ingólfsson werden auf vielen namhaften Festivals aufgeführt.

Das sentimental-romantische, hochvirtuose …ma la melodia ist ein eher untypisches Werk des jungen Komponisten. Der romantische Stil in …ma la melodia ist eine bewusste künstlerische Entscheidung. Die Buchstaben des isländischen Wortes für „Hahn“ ergeben, in Töne verwandelt, eine seufzende Melodie. Solche gelegentlich nicht ganz ernst gemeinten, bis auf die Spitze getriebenen Experimente gehören zur kreativen Arbeit eines ernsthaften Komponisten zuweilen dazu.

Haukur Tómasson (*1960) erhielt 2004 den Nordic Council Musikpreis, die höchste Auszeichnung, die an islandische Komponisten verliehen wird. Seine Musik ist funkelnd und lebendig, geprägt von intensiver Rhythmik, hellen, bunten Klangfarben und einem guten Ohr für neuartige, eindrucksvolle Instrumentenkombinationen. Tómassons früheste Kompositionen benutzen die Zahlen der Fibonacci-Reihe zur Strukturierung der Tonlängen, Intervalle und formalen Proportionsverhältnisse (Octette, Eco del passato). Seine späteren Werke (Spiral, Strati, Offspring) sind Beispiele für seine „Spiral-Technik“, das Chaconne-artige Weiterentwickeln von unterlegten Akkordfortschreitungen. In den späten 1990ern begann Tómasson, Motive aus der islandischen Volksmusik als Basis für seine Kompositionen zu verwenden (Rhym, Long Shadow).

Im Klavierstück Brotnir Hljómar werden Akkorde ständiger Veränderung unterzogen. Das abstrakte Gebilde „Akkord“ wird in alle möglichen Richtungen zerlegt, rhythmisiert und durchläuft unterschiedlichste Stimmungen und Zustände. Obwohl es sich gar nicht um Programmmusik handelt, entwickelt Haukur Tómasson mit seiner pulsierenden Harmonik einer Klangsprache, die an weite isländische Landschaften, eisige Gletscher und schroffe Lavawüsten denken lässt.

Atli Heimir Sveinsson (*1938) gilt als wichtigster Repräsentant der gegenwärtigen isländischen Musikkultur. Er studierte 1959 an der Musikhochschule Köln bei Günter Raphael (Komposition), Rudolf Petzold (Instrumentation), Bernd Alois Zimmermann (Komposition) und Hans-Otto Schmid-Neuhaus (Klavier). Daneben studierte er bei Karlheinz Stockhausen innerhalb der Kölner Kurse für Neue Musik und bei Gottfried Michael König in Bilthoven. Atli Heimir Sveinsson kehrte nach dem Musikstudium nach Island zurück und war fortan maßgeblich daran beteiligt, die Neue Musik Europas in Island bekannt zu machen.

Atli Heimir Sveinsson ist auf dieser CD mit drei ganz unterschiedlichen Werken vertreten. Oþur Steinsins heißt eine Sammlung aus 30 kurzen Klavierstücken in ganz unterschiedlichem Charakter. Oþur Steinsins Nr. IV erinnert in seinem bezaubernden belcanto- Stil ein wenig an den Anfang des 2. Satzes von Ravels Klavierkonzert G-Dur. Af hreinu hjarta ist Atli Heimir Sveinssons Vertonung eines Gedichtes von Attila Józef. Ein langsamer Walzer in wohlig-schwelgender Manier. Das kurze Stück Albumblatt mit seinen hämmernden, aus dem Metrum geratenden und nervös strauchelnden Repetitionen ist ein Einzelstück, das Atli Heimir Sveinsson eigens für Susanne Kessel komponierte.

Victor Urbancic (1903–1958) wuchs in Wien als Sohn einer berühmten Arztfamilie auf. Er studierte Klavier, Orgel und Komposition und wirkte unter anderem als Kapellmeister am damals von Max Reinhardt gerade neugeordneten Theater an der Josefstadt. Die rasant angelaufene Karriere, die auch von vielen erfolgreichen Konzerten als Pianist, Begleiter und Dirigent geprägt war, fand 1933 mit der Machtergreifung Hitlers in Deutschland ein jähes Ende. Urbancic war mittlerweile stellvertretender Direktor des Grazer Konservatoriums, als er 1938 gezwungen wurde, mit seiner Familie Österreich zu verlassen, weil er mit einer Jüdin verheiratet war. Er erhielt einen Unterrichtsauftrag aus Island, er unterrichtete Theoriefächer, Klavier, Komposition und Musikgeschichte und war ehrenamtlich als Organist und Chorleiter der kleinen katholischen Gemeinde in Reykjavík tätig. Zu seinen Schülern und Studenten zählt praktisch eine ganze Generation von isländischen Komponisten, die ab den späten dreißiger bis in die fünfziger Jahre mit dem Kompositionsstudium begann und teilweise bis in die Gegenwart wirkt.

Das Duett Brüderlein komm tanz mit mir aus der Oper Hänsel und Gretel von Engelbert Humperdinck ist Thema des Variationszyklus Caprices Mignons über ein Kinderlied. Mit viel Liebe zum Detail und differenzierten Anschlags-Anweisungen führt jede Variation in immer brillanteres Klavier-Passagenwerk.

Jórunn Viðar (*1918) studierte Klavier in Reykjavík und setzte ihr Studium anschließend an der Hochschule für Musik in Berlin fort. 1943–45 studierte sie Komposition bei V. Giannini an der Juilliard School in New York und 1959–60 nochmals Klavier in Wien. Jórunn Viðar ist eine in Island sehr gefragte Klavierlehrerin, Pianistin und Komponistin. Besonders herausragend sind ihre Liedkompositionen, die im isländischen Konzertleben einen festen Platz einnehmen.

Jórunn Viðars vier Meditationen über isländische Volksthemen werden in Island häufig gespielt. Zwei dieser Meditationen sind auf dieser CD zu hören. Beide basieren auf altisländischen Volksmusik-Motiven. Meditation Nr. 1 ist ein Variationswerk, das ein wenig im Stile Béla Bartóks komponiert ist, Meditation Nr. 4 schließt in dieser Aufnahme nahtlos an die erste an. Wie eine romantische Klavieretüde begleitet die rechte Hand in Arpeggien die Melodie der linken Hand.

Hafliði Hallgrímsson wurde 1941 in der kleinen Stadt Akureyri im Norden Islands geboren. Im Alter von zehn Jahren begann er, Cello zu spielen und studierte in Reykjavík sowie an der Accademia Santa Cecilia in Rom. Nach seiner Rückkehr aus Rom setzte er seine Studien bei Derek Simpson an der Royal Academy of Music in London fort. Im daruaffolgenden Jahr begann er, bei Dr Alan Bush und Sir Peter Maxwell Davies Komposition zu studieren. Nach dem Ende seines Studiums blieb er in Großbritannien, wo er schließlich in Schottland Erster Cellist des Scottish Chamber Orchestra wurde. Trotz seiner großen Erfolge als Musiker wurde sein Wunsch immer stärker, sich als Komponist zu betätigen. So verließ er 1983 das Scottish Chamber Orchestra, um sich zukünftig nur noch dieser Tätigkeit zuzuwenden. Im Jahre 1986 wurde er mit dem renommierten Nordic Council Preis ausgezeichnet.

Hafliði Hallgrimssons Lullaby on a Winters’ Night versetzt den Zuhörer mit wunderschöner Melodik, romantischem Tonsatz und programmatischer Tonmalerei in eine kalte isländische Nacht. Die klar gesetzten Oktaven der Melodie wirken kühl und eisig, die zart getupften Pianissimo-Skalen im zweiten Teil des Werkes erinnern an zarte Schneeflocken oder auch an die langen hellen Spuren der Nordlichter am nächtlichen Winterhimmel.

Páll Ísólfsson wurde 1893 in Stokkseyri, einem armen Fischerdorf an der Südküste Islands geboren. Im Herbst 1913 reiste er nach Leipzig und nahm dort sein Orgelstudium bei Max Reger und Karl Straubinger, dem berühmten Organisten und Chorleiter von St. Thomas, auf. Dort wurde er in die Orgelkunst von Bach und Reger eingeführt und wurde bald selbst ein Organist erster Güte. Später führten ihn weitere Studien zu Joseph Bonnet nach Paris. Als er 1921 nach Island zurückkehrte, war damit zu rechnen, dass dies das Ende seiner internationalen Karrierechancen war. Stattdessen widmete er nun seine Energien und seine außergewöhnlichen musikalischen Kenntnisse dem Aufbau einer neuen Musikszene im erst kürzlich selbständig gewordenen Island.

Páll Isólfsson komponierte im Stil der großen Romantiker wie Robert Schumann, Johannes Brahms, Frédéric Chopin oder Max Reger. Nicht zuletzt an der Wahl seiner Werktitel wird dies deutlich: „Albumblatt“, Humoresque“, „Romanze“, „Ballade“. Sein Impromptu in d-Moll verwendet Zitate aus Johannes Brahms’ 1. Klavierkonzert.

Sveinbjörn Sveinbjörnsson (1847–1927) war der erste professionell ausgebildete Pianist und Komponist Islands. Er studierte zunächst Theologie und später Komposition in Kopenhagen und in Leipzig bei Carl Reinecke. Im 19. Jahrhundert waren die musikalischen Möglichkeiten in Island noch sehr eingeschränkt, und so wurde England seine neue Heimat. Sveinbjörn Sveinbjörnsson komponierte eine große Zahl romantischer Lieder und poetische Kammermusik; er schrieb die Isländische Nationalhymne Lofsöngur. 1922 kehrte er nach Island zurück, wo ihm das isländische Parlament (Althing) ein lebenslanges Gehalt bewilligte.

Vikivaki ist ein isländischer Tanz aus dem frühen 17. Jahrhundert. Er war über lange Zeit modern, wurde auf ausschweifenden Tanzfesten, die bis zu 14 Tage dauern konnten, getanzt, wurde aber im 18. Jahrhundert von der Kirche mit einem Tanzbann belegt. Viele zeitgenössische isländische Komponisten zitieren Vikivaki-Rhythmen in ihren Werken. In der Version von Sveinbjörn Sveinbjörnsson erklingt der Tanz im klassischen Klaviersatz und gibt einen Eindruck von rauschenden Festen auf isländischen Bauernhöfen.

Árni Egilsson (*1939) hat sich sein internationales Ansehen als Kontrabass-Solist erworben. Sir John Barbirolli holte ihn in die USA, um im Houston Symphony Orchestra zu spielen. Als vielseitiger Instrumentalist ist er sowohl in der Klasssik wie auch im Jazz zuhause. So hat er auch sowohl ein klassisches Solo-Album mit Vladimir Ashkenazy aufgenommen, als auch ein Jazz-Album mit Ray Brown. Egilson genießt hohes Ansehen als einer der führenden Session-Musiker in den Orchestern der Aufnahmestudios von Los Angeles, wo er als erster Kontrabass für viele der großen Hollywood-Komponisten auftritt. Árni Egilsson war Professor für Kontrabass an der California State University, Northridge. In den letzten Jahren erlangte er auch Bekanntheit als Komponist von Werken für Kontrabass, Kammerensemble und großes Orchester sowie für Solo-Vokalwerke und Chormusik.

Das Klavierstück Borealis beschreibt klangmalerisch eine klare isländische Winternacht mit einer der schönsten polaren Naturereignisse: dem Nordlicht. Das Klavierstück Borealis widmete Árni Egilsson Susanne Kessel.

Jón Leifs (1899–1968) gehört zu den bemerkenswertesten und international anerkannten isländischen Komponisten des 20. Jahrhunderts. Für seine Werke verwendete er Elemente der Volksmusik Islands. In seinem Bemühen, eine musikalische Sprache zu erschaffen, die das kulturelle Erbe Islands reflektiert, fand Leifs Material in den traditionellen Volksliedern, den „Rímur“ und den mittelalterlichen liturgischen Balladen, den „Tvisöngur“. Jón Leifs folgte 1916 zwei Landsleuten an die Musikhochschule Leipzig. Er war mit der jüdischen Pianistin Annie Riethof verheiratet und lebte in Wernigerode und zeitweise in Baden-Baden, bis ihm und seiner Familie 1944 die Ausreise nach Island erlaubt wurde. Seine Lebensgeschichte wird in dem isländischen Film „Tár úr steini“ (Tränen aus Stein) aus dem Jahr 1996 erzählt.

Rímnadanslög sind Tanzstücke, die auf der altisländischen, in Sprechgesang vorgetragenen Reimweisen-Tradition Rímur basieren. Charakteristisch für diese Kunstform sind die häufigen Taktwechsel, die dadurch zustande kommen, dass nicht jede Zeile eines Gedichts die gleiche Anzahl an Silben hat. Die Musik richtet sich exakt nach der Silbenzahl der jeweiligen Gedichtzeile und bricht am Ende der Zeile einfach ab, um mit der nächste Zeile fortzufahren.

Björk Guðmundsdóttir (*1965), Islands wohl bekannteste Musikerin überhaupt, begann ihre Laufbahn mit einer klassischen Musikausbildung. Sie erhielt ihren ersten Musikunterricht im Alter von fünf Jahren und wurde in Gesang, Klavier und Flöte ausgebildet. Ihr erstes Soloalbum veröffentlichte sie im Alter von elf Jahren. Björk war Mitglied verschiedener Bands, u.a. der „Sugarcubes“, die international Erfolge feierten. Nach deren Auflösung startete sie 1993 mit dem Solo- Album „Debut“ ihre Solokarriere. Sie erhielt in den Folgejahren 13 Grammy-Awards, einen Oscar und zwei Golden Globes, einen davon als Schauspielerin in Lars von Triers Film „Dancer In The Dark“.

Björks Songs gehören zu den faszinierendsten der internationalen Pop-Branche. Es gibt leider keine Klavierbearbeitungen ihrer Songs, und es hat auch keinen Sinn, lediglich die Gesangsstimme mit ein paar Akkorden zu begleiten, denn Björks Musik lebt, außer durch den Klang ihrer Stimme, vor allem durch die elektronische Effekte. Der amerikanische Komponist Leon Milo, ein Spezialist für elektronische Musik, schrieb eine Transkription des Songs I Miss You für Klavier und Elektronik. Die Live-Klavier-Ebene korrespondiert mit einer zweiten Klavier-Ebene, die elektronisch aus Live-Klavier-Aufnahmen hergestellt wurde und die sich im Raum um das Live-Klavier herum zu bewegen scheint. Die beiden Ebenen sind Sinnbild des Songinhaltes: Ein Mädchen vermisst schmerzlich den, den sie liebt. Sie hat ihn jedoch bisher nicht kennen gelernt.

Leon Milo (*1956), amerikanischer Komponist und Perkussionist, kreiert Musik, in der sich Instrumente, Elektronik, natürliche und synthetische Klänge verbinden. Seine Werke sind weltweit präsent und umfassen instrumentale und elektroakustische Musik für den Konzertsaal, für Tanz, Film, Fernsehen, Radio, für Klanginstallationen im öffentlichen Raum und für Museen. Nachdem er sein Studium an der Juilliard School mit dem Master of Music abgeschlossen hatte, arbeitete er als Perkussionist und Paukist in verschiedenen Orchestern in den USA, Israel und Norwegen. Den Großteil seiner Kompositionsausbildung erfuhr er unter Leonard Stein, William Kraft und Luciano Berio. Nachdem Leon Milo 1987 an das Sundance Institute in Utah eingeladen worden war, um dort an der Entwicklung von Filmmusikprojekten mitzuwirken, schreibt er nun regelmäßig Musik für das Europäische Fernsehen und Kino. 1990 erhielt er ein Fulbright- Stipendium für Kompositionsstudien in Paris. Er begann, neue Techologien in in sein Schaffen zu integrieren und wurde bald darauf ausgewählt, an einem einjährigen Kurs über Komposition und Computermusik am IRCAM in Paris teilzunehmen. Kürzlich haben Leon Milo und Susanne Kessel das Duo „Pianowaves“ gegründet, das mit Werken für Klavier, Elektronik und Perkussion auftritt.

Peter Gebhard, Profi-Fotograf und Buchautor, zählt zu den renommiertesten Vortragsreferenten Deutschlands. Die Leica Camera AG hat seine Dia-Reportagen mit dem Prädikat „Leicavision“ ausgezeichnet. Jenseits des Klischees erzählt er in Wort und Bild Geschichten, bei denen man deutlich die intensive Recherche und die Offenheit gegenüber den bereisten Regionen und deren Bewohnern spürt.

Neben seinen Live-Vorträgen hat Peter Gebhard zahlreiche Bücher und Kalender sowie Foto- und Textreportagen publiziert. Magazin-Veröffentlichungen u.a. in GEO, Stern und Merian.

Sein aktuelles und bislang umfangreichstes Projekt panamericana erschien nach fünf Jahren voll intensiver Reisen, Fotografie und Recherche auf den Traumrouten Amerikas im Herbst 2005 als Live-Multimedia-Reportage sowie als großformatiger Bildband im Verlag Frederking & Thaler. Das Projekt wurde in führenden Medien vorgestellt und von GEO als „Portfolio des Monats“ gewürdigt. Im Jahr 2006 begann seine Kooperation mit voxtours, dem populärsten deutschen TV-Reisemagazin. Im Sommer 2007 reiste Peter Gebhard mit einem Fernsehteam für eine gemeinsame Voxtours-Reportage auf den Spuren seines panamericana-Projektes nach Südamerika.

Die vorliegenden Fotos entstanden in den Jahren 2003 und 2004. Sie sind dem Band Island – Insel aus Feuer und Eis, Verlag Weltsichten, Saalfeld, entnommen. Weitere Informationen unter: www.peter-gebhard.de


CD 1

Þorkell Sigurbjörnsson (*1938)
1  Hans-Variationen  12:21  

Jóhann G. Jóhannsson (*1947)
2  Ég er að tala um þig  05:07  

Atli Ingólfsson (*1962)
3  …ma la melodia  04:29  

Haukur Tómasson (*1960)
4  Brotnir Hljómar  07:14  

Atli Heimir Sveinsson (*1938)
5  Óður Steinsins Nr. IV  03:58  
6  Af hreinu hjarta  02:38  
7  Albumblatt an Susanne Kessel  01:38  

Victor Urbancic (1903–1958)
8  Caprices Mignons über ein Kinderlied  07:41  

Jórunn Viðar (*1918)
9  Meditationen über isländische Volksthemen (No. 1 & No. 4)  05:20  

Hafliði Hallgrímsson (*1941)
10  Lullaby on a Winters´ Night  03:04  

Páll Ísólfsson (1893–1974)
11  Impromptu  02:44  

Sveinbjörn Sveinbjörnsson (1847–1927)
12  Vikivaki  02:26  

Árni Egilsson (*1939)
13  Borealis  05:24  

Jón Leifs (1899–1968)
14  Rímnadanslög op. 11 No. 3  03:06  
15  Rímnadanslög op. 11 No. 2  02:44  
16  Rímnadanslög op. 11 No. 4  01:57  

Björk (*1965) / Leon Milo (*1956)
17  I Miss You (Transcription for Piano and Electronics)  04:43  

total 76 : 41
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