Herkenhoff, Ulrich
19.05. Kirche von Erlach, Bielersee, SCHWEIZ
Schuch, Herbert
21.05. -28.05-2013 Musikfestival Schloss Cappenberg
delian::quartett
24.05. Krefeld | Burg Linn | Rittersaal
Temmingh, Stefan
19.05. Hong Kong (HK) / City Hall Concert Hall
19.05. Hong Kong (HK) / City Hall Concert Hall
Moser, Benjamin
25.05. Rezital Klavierfestival Ruhr, Bottrop
Silver Garburg Piano Duo
19.05. Amadeus Concert, Washington D.C.
Frölich, Andreas
20.05. Schloss Hambach
 
 

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   Orchester der Ludwigsburger Schlossfestspiele: Christoph Willibald Gluck: Ezio – Drama per Musica in 3 Acts, Viennese Version 1763/64
Komponist: Gluck, Christoph Willibald
Preis: 27.99 €
Kat-Nr.: OC 918
Format: 2 CD
  

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Ruth Sandhoff · Kirsten Blaise · Franco Fagioli
Sophie Marin-Degor · Stefano Ferrari · Netta Or
Orchester der Ludwigsburger Schlossfestspiele
Michael Hofstetter


Mit „Ezio“ komponierte Gluck ein Jahr nach dem bahnbrechenden „Orfeo“ eine Opera seria, die nicht den Gluck’schen Reform-Opern zugerechnet werden kann. „Ezio“, nach einem Libretto von Metastasio, wurde am 26. Dezember 1763 am Wiener Burgtheater uraufgeführt. Zwar bedient sich die Oper der Mittel der traditionellen Opera seria, doch auch hier sind Ansätze zu einer neuen Ästhetik erkennbar, wie die Straffung der Da-capo-Arien und der Reduzierung der Ouvertüre auf eine einsätzige Sinfonia. Das Orchester der Ludwigsburger Schlossfestspiele hat 2007 einen weiteren Schritt in Richtung stilistische Authentizität und klangliche Verfeinerung gemacht und kann zu den europäischen Spitzenensembles auf dem Gebiet der Musik des 18. Jahrhunderts gesehen werden.

Christoph Willibald Gluck

(1714–1787)

Ezio

Dramma per Musica in Three Acts
Text by Pietro Metastasio (1698–1782)
Vienna Version of 1763/64
First performance: December 26, 1763 / Burgtheater, Vienna

Valentiniano III., Emperor of the West Roman empire   Ruth Sandhoff
Fulvia, Massimo’s daughter and Ezio’s betrothed   Kirsten Blaise
Ezio, General of the imperial army   Franco Fagioli
Onoria, sister of Emperor Valentiniano   Sophie Marin-Degor
Massimo, Roman patrician   Stefano Ferrari
Varo, prefect of the pretorians and Ezio’s friend   Netta Or

Orchester der Ludwigsburger Schlossfestspiele
Michael Hofstetter
, conductor


Im Schatten der Opernreform – Glucks Wiener „Ezio“

Opernreformer – das Schlagwort haftet mit eigenwilliger Zähigkeit bis heute an dem Komponisten Christoph Willibald Gluck. Mit Orfeo ed Euridice, so die geläufige Fabel, habe Gluck der italienischen Oper eine neue musikdramatische Richtung gewiesen und gleich mit mehreren Opern, angefangen bei Iphigénie en Aulide, habe er auch dem französischen Musiktheater zu einem epochalen Neuanfang verholfen. Ältere Musikhistoriker, die geschichtliche Vorgänge an den künstlerischen Taten einzelner Komponisten zu veranschaulichen liebten, fanden in Gluck eine Persönlichkeit, die einer solchen Protagonistenrolle für den Bereich der Oper in geradezu idealer Weise gerecht zu werden schien: Zeitgenössische Berichte und Äußerungen des Komponisten selbst lassen das Bild eines Mannes entstehen, der sich rückhaltlos der Verwirklichung seiner künstlerischen Ideale verschrieben hat – Gluck, ein Heros der Kunst.

Diejenigen, die etwas genauer hinsahen, erkannten freilich schon früh, dass dieses Bild die historische Situation stark idealisiert, ja verzerrt. Zum einen war Gluck nicht der einzige Komponist, der die Opera seria von überlebten Konventionen befreien wollte – Tommaso Traetta, Niccolò Jommelli und andere haben das auf ihre Weise auch versucht. Zum anderen ging der Anstoß zur Veränderung nicht vom Komponisten aus, sondern von politisch denkenden und handelnden Literaten wie Ranieri de’ Calzabigi und seinem Schüler Marco Coltellini, die Gluck für die Umsetzung ihrer Ideen zu gewinnen verstanden. Und schließlich war die sogenannte Opernreform kein Vorgang, bei dem eine Reformoper nahtlos auf die nächste folgte, was nicht zuletzt Glucks Wiener Ezio aus dem Jahr 1763 deutlich macht.

Im Vorjahr hatte Glucks Orfeo am Wiener Burgtheater seine Uraufführung erlebt, doch anders als die bis heute andauernde Erfolgsgeschichte dieser bekanntesten Oper des Komponisten suggerieren mag, ging von dem Werk keine unmittelbare Signalwirkung aus. Zu einer Maßstäbe setzenden „Reformoper“ wurde die Azione teatrale di musica Orfeo ed Euridice erst viel später. Die Zeitgenossen dürfte es darum auch gar nicht gewundert haben, dass Gluck sich nach dem Orfeo wieder der Komposition einer Oper traditioneller Prägung zuwandte: Für die Einweihung des neuen Theaters in Bologna komponierte er im Frühjahr 1763 Il trionfo di Clelia auf einen Text von Metastasio, dem wichtigsten Librettisten der klassischen Opera seria. Für den Gluck-Biographen Alfred Einstein war das ein „ ‚Rückfall’ ins alte Opernsystem“, erklärbar nur durch die Tatsache, dass Gluck für diese Arbeit ein stattliches Honorar erhielt.

Folgte man der Sichtweise Einsteins, dann wäre Gluck freilich ein Wiederholungstäter, denn nur ein halbes Jahr nach Il trionfo di Clelia brachte er mit Ezio eine weitere Opera seria heraus, wieder auf einen Text von Metastasio, und das nicht etwa an einem der italienischen Opernhäuser, die sich Reformbemühungen nicht zuletzt aus kommerziellen Gründen verschlossen, sondern am Burgtheater in Wien, damals eine der innovativsten Bühnen Europas. Da entsprechende Dokumente nicht überliefert sind, lässt sich weder sagen, wie es überhaupt zu dieser Aufführung gekommen war, noch wer Gluck den Auftrag zur Komposition erteilt und oder wer das Sujet ausgesucht hatte. Immerhin sind Textbücher erhalten geblieben, aus denen unter anderem hervorgeht, welche Sänger an der Aufführung beteiligt waren. Die Titelpartie des durch Intrigen beinahe zu Fall gebrachten römischen Feldherrn Ezio übernahm der Altkastrat Gaetano Guadagni, den Gluck bereits als Orfeo kennen und schätzen gelernt hatte; den Kaiser Valentiniano verkörperte der Soprankastrat Giovanni Toschi, den Gluck ebenso von der Aufführung des Trionfo di Clelia kannte wie den Tenor Giuseppe Tibaldi, den Darsteller des Ränkeschmieds Massimo. Auch Tibaldis Frau Rosa, die die Partie der zwischen Vater und Geliebtem hin- und hergerissenen Fulvia übernahm, dürfte Gluck bereits gekannt haben, als er an der Partitur arbeitete.

Ein anderes wichtiges Dokument ist ein Zeitungsbericht aus dem Wienerischen Diarium, in dem es heißt: „Der Cav. Gluk hat vor kurzem den Aetius, eines der besten Stücke des unsterblichen Metastasio, von neuem in Musik gesetzet.“ Für das Wiener Publikum war Glucks Ezio in der Tat ein ganz neues Werk, denn die Musik, die es zu hören bekam, war in Wien zuvor nicht erklungen. Wahrscheinlich wusste man auch gar nicht, dass Glucks Wiener Ezio eine – wenn auch sehr weitgehende – Überarbeitung einer eigenen älteren Oper darstellte. Dieser erste Ezio war 1750 von der Operntruppe des Impresarios Giovanni Battista Locatelli am Theater an der Kotzen in Prag zur Uraufführung gebracht worden, scheint dann aber nach einer Wiederaufnahme im darauffolgenden Jahr wie so viele Opern dieser Zeit von der Bühne verschwunden zu sein.

Die Wiederverwendung älterer eigener Kompositionen in neuen Werken gehörte für Gluck zu den Selbstverständlichkeiten des Metiers, die er mit vielen seiner Kollegen teilte. Er achtete freilich darauf, dass er nur solche Stücke in eine neue Partitur aufnahm, die dem Publikum, für das er jeweils komponierte, noch nicht bekannt waren. Deshalb erschien Massimos Arie „Se povero il ruscello“ aus dem Prager Ezio nicht auf der Wiener Bühne – Gluck hatte deren Musik bereits für Orfeos große Szene „Che puro ciel“ wiederverwendet. Von den 25 Musikstücken des Prager Ezio übernahm er ohnehin nur knapp die Hälfte, sieben Arien entlieh er sich aus Il trionfo di Clelia, nur drei Arien hat er eigens für den Wiener Ezio geschrieben und darüber hinaus auch fast alle Rezitative neu komponiert.

Die eigentliche Arbeit bestand für Gluck indessen nicht in der Auswahl der wiederzuverwendenden Stücke, sondern in deren aktualisierender Einrichtung. So mussten viele Arien transponiert werden, um sie den Möglichkeiten der für die Aufführung engagierten Sänger anzupassen. In Wien stand Gluck außerdem ein etwas größeres Orchester zur Verfügung als in Prag, und er nutzte die Gelegenheit, seiner Musik mehr klangliche Abwechslung zu geben. Die wichtigsten Eingriffe in die ursprüngliche Musik aber sind Kürzungen, vor allem solche, durch die Gluck die langen Da-capo-Arien straffte, indem er bei der Wiederholung des ersten Arienteils das Orchestervorspiel und den ersten Vokalabschnitt wegließ. Der Tendenz zu größerer dramatischer Stringenz, die sich darin abzeichnet, entspricht – geradezu programmatisch – der Beginn der Oper: In Prag stellte Gluck eine dreisätzige Sinfonia voran, wie sie für italienische Opern dieser Zeit üblich war. Für die Wiener Aufführung strich Gluck die beiden letzten Sätze und ließ die Sinfonia direkt in die Marcia übergehen, die Teil der ersten Szene ist und an deren Ende wiederholt wird.

Glucks Ezio bedient sich zwar auch in seiner Wiener Fassung des musiksprachlichen Vokabulars der Opera seria, doch tut er dies im Sinne einer neuen Opernästhetik, für die der Begriff der Natürlichkeit von zentraler Bedeutung war. „… nie ist ein Tonkünstler der Natur getreuer gewesen als er“, so der anonyme Autor im Wienerischen Diarium. „Fast alle haben sie der Kunst aufgeopfert. Arien, Triller, und andere Künste leyen unterbrachen oft auf eine widersinnige Art den Fortgang der Empfindungen und der Leidenschaften, anstatt daß sie den Ausdruck derselben hätten unterstützen, verstärken oder veredeln sollen. Mit einem Worte, der Poet war der Sklave des Tonkünstlers; und dieser kützelte das Ohr, ohne das der Poet das Herz rühren konnte. Der Cav. Gluk thut ganz das Gegentheil. Der Dichter gilt bey ihm nicht allein, was er gelten kan, sondern seine Arbeit erhält neue Annehmlichkeiten, neue Reizungen durch eine wohl angebrachte Kunst.“

Viele der Gedanken, die hier mit Blick auf den Wiener Ezio formuliert sind, kehren später im programmatischen Vorwort zur Partitur von Glucks Alceste wieder. Den Zeitgenosssen, die ihre Einschätzung des Werks nicht auf den bloßen Notentext, sondern auf die wahrscheinlich von Gluck selbst mit der für ihn charakteristischen, auf ein Maximum musiktheatralischen Ausdrucks zielenden Hingabe geleiteten Aufführungen gründeten, erschien Ezio nicht wie ein „Rückfall“ in eine schon überwundene Opernästhetik, sondern als Experimentierfeld für eine musikdramatische Sprache, die ihre Gesetze aus dem Geist des Dramas bezieht. Gluck bricht nicht mit der Tradition, sondern verwandelt sie.

Thomas Seedorf


Die Handlung

Akt 1

Rom im 5. Jahrhundert n. Chr. – Siegreich ist der Feldherr Ezio aus der Schlacht gegen die Hunnen nach Rom zurückgekehrt. Attila, Anführer der feindlichen Truppen, wurde in die Flucht geschlagen, das Weströmische Reich vor den Eindringlingen bewahrt. Valentiniano III., Kaiser von Rom, erwartet den Helden. Er sieht sich auf dem Höhepunkt seiner Macht. Die Hochzeit mit Fulvia, der Tochter des römischen Patriziers Massimo, soll sein Glück vollkommen machen. Der Kaiser weiß nicht, dass Fulvia Ezio liebt und sich mit diesem bereits verlobt hat. Massimo jedoch plant eine Verschwörung gegen den ihm verhassten Kaiser, der einst seine Frau vergewaltigte. Er hofft, Ezio für seine Mordpläne einspannen zu können und enthüllt diesem Valentinianos Hochzeitspläne. Ezio ist überzeugt, dass der Kaiser auf Fulvia verzichtet, wenn er nur von ihrer Liebe erfährt. Er versichert seiner Verlobten, dass sich alles zum Guten wenden werde. Massimo versucht, seine Tochter in die Intrige gegen den Kaiser hineinzuziehen – sie soll Valentiniano heiraten, um ihn dann zu töten. Entsetzt flieht Fulvia vor den Plänen ihres Vaters. Massimo nimmt die Vorbereitungen für den Mord schließlich selbst in die Hand. Der Diener Emilio soll die Tat ausführen. Den Verdacht will Massimo auf Ezio lenken. Onoria, die Schwester des Kaisers, ist in Ezio verliebt. Um Ezio sich und dem Hof stärker zu verpflichten, unterstützt Valentiniano diese Verbindung. Er beschließt, den Feldherrn mit seiner Schwester zu vermählen. Ezio verweigert sich diesem Vorhaben und bekennt sich offen zu Fulvia. Doch der Kaiser bleibt hart: Durch Onoria lässt er Fulvia und Ezio mitteilen, dass er bereits am kommenden Tag Fulvia heiraten werde. Ezio beruhigt die verstörte Fulvia. Er baut auf seinen Einfluss und seine Macht als siegreicher Krieger. Ezio könnte das Volk gegen Valentiniano aufwiegeln. Ezio und Fulvia versichern sich gegenseitig ihrer Liebe.

Akt 2

Der Mordanschlag auf den Kaiser ist fehlgeschlagen. Valentiniano hat den Attentäter Emilio verwundet und in die Flucht geschlagen. Geschickt wendet Massimo den Verdacht auf Ezio. Der Kaiser vermutet nun seinen Feldherrn hinter dem Komplott. Fulvia muss hilflos mitansehen, wie ihr Vater den Geliebten anklagt. Fulvia macht Massimo schwere Vorwürfe. Dieser erinnert sie an ihre Pflichten als Tochter und stürzt sie in einen schweren Gewissenskonflikt: Um dem Geliebten zu helfen, müsste sie den Vater verraten. Ezio hat von dem Anschlag auf den Kaiser erfahren. Er eilt herbei, um Valentiniano zu helfen. Fulvia will ihn zur Flucht überreden und enthüllt ihm, dass man ihn, Ezio, als Verschwörer verdächtigt. Ezio kann das nicht glauben. Doch der Präfekt Varo kommt hinzu, entwaffnet Ezio und nimmt ihn fest. Varo erklärt Fulvia, dass sie Ezio nur retten kann, wenn sie – und sei es nur zum Schein – in eine Heirat mit Valentiniano einwilligt. Valentiniano eröffnet seiner Schwester Onoria, dass der Hunnenkönig Attila zur Bekräftigung des Friedens um ihre Hand angehalten hat. Onoria ist jedoch erst zur Ehe bereit, wenn die Verschwörung gegen ihren Bruder vollständig aufgeklärt ist. Fulvia zeigt sich dem Kaiser gegenüber besorgt. Dieser deutet ihre Fürsorge als Liebe. Um Ezio zu demütigen, verlangt er, dass Fulvia an seiner Seite bleibt, wenn der Gefangene vorgeführt wird. Fulvia bleibt keine andere Möglichkeit, als diesem Befehl Folge zu leisten. Ezio glaubt sich von Fulvia verraten. Er beschuldigt den Kaiser, dass dieser ihn nur des Verrats bezichtige, um sich seiner zu entledigen. Fulvia verstellt sich zunächst und verleugnet ihre Liebe zu Ezio. Schließlich kann und will sie die Maskerade nicht länger aufrechterhalten und bekennt sich zu ihrem Verlobten. Außer sich vor Wut lässt Valentiniano den Feldherrn in den Kerker werfen. Ezio kann diese Strafe nichts anhaben: Er weiß, dass Fulvia ihn liebt. Zornentbrannt machen Valentiniano und Massimo Fulvia schwere Vorwürfe. Valentiniano besteht auf einer sofortigen Hochzeit. Doch Fulvia hat keine Angst mehr vor seinen Drohungen. Sie hat schon so viel Leid erfahren.

Akt 3

Valentiniano will Ezio zur Einsicht bewegen und geht zu ihm in den Kerker. Er befiehlt Varo, Ezio zu töten, wenn dieser sich nicht zum Kaiser bekenne. Varo warnt davor, dass Ezios Tod einen Tumult beim Volk auslösen könne. Valentiniano lässt scheinbare Milde walten: Er lässt Ezio frei, ja, er gibt ihm sogar Fulvia zurück. Im Gegenzug soll Ezio ihm die Hintergründe des Mordanschlags enthüllen. Ezio verweigert dies – schließlich ist er unschuldig. Zu seinem großen Erstaunen schenkt ihm Valentiniano dennoch die Freiheit. Ezio ahnt nicht, dass der Kaiser ihn hinterrücks ermorden lassen will. Varo meldet, dass der Befehl, Ezio zu töten ausgeführt worden ist. Fulvia ist tief erschüttert, und Massimo ist hoch erfreut über diese Nachricht. Onoria bringt indessen den Beweis für Ezios Unschuld. Emilio hat kurz vor seinem Tod den Mordversuch gestanden, ohne jedoch den Namen seines Auftraggebers preisgegeben zu haben. Der Verdacht fällt auf Massimo, und Fulvia sieht sich gezwungen, selbst die Tat zu gestehen, um den Vater zu retten. Valentiniano sieht sich von allen verlassen und verraten. Massimo will sich bei Fulvia für ihre Loyalität bedanken, doch sie stößt ihn von sich. Allein im Tod, so scheint ihr, findet sie noch Trost. Massimo wiegelt das Volk gegen den Kaiser auf und marschiert mit den Aufrührern zum Kapitol. Valentiniano muss sich allein gegen die Aufständischen verteidigen. Er hofft in Massimo einen Verbündeten zu finden, doch dieser gibt nun sein wahres Gesicht zu erkennen. Er will den Kaiser selbst töten. In diesem Moment tritt Ezio dazwischen. Varo hat den Mord an Ezio nur vorgetäuscht, in Wahrheit aber den Freund verborgen. Ezio rettet den Kaiser. Massimo wird festgenommen. Voller Dankbarkeit, dass Ezio ihm das Leben gerettet hat, gibt ihm Valentiniano Fulvia zur Frau. Auf Bitten Ezios schenkt der Kaiser schließlich auch Massimo das Leben.

MITWIRKENDE · Participants

Michael Hofstetter
Seit 2005 ist Michael Hofstetter Chefdirigent von Chor und Orchester der Ludwigsburger Schlossfestspiele. Der gebürtige Münchner, der seine Karriere an den Theatern in Wiesbaden (Kapellmeister) und Gießen (Generalmusikdirektor) begann, hat sich in den letzten Jahren als einer der meistgefragten jungen Dirigenten etabliert. Insbesondere als Barockspezialist und Experte für authentische Aufführungspraxis machte er sich mit Opern wie Händels Alcina und Giulio Cesare in Egitto (in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Herbert Wernicke) einen Namen. Doch Hofstetters vielseitiges Repertoire reicht weiter: Als er im Jahr 2000 die Neuproduktion von Wagners Tristan und Isolde am Opernhaus Dortmund leitete, wurde er bei der jährlichen Kritikerumfrage der Fachzeitschrift Opernwelt mehrfach als Dirigent des Jahres nominiert. Sein Faible und Engagement für die Operette wurden mit der Robert-Stolz- Medaille gewürdigt. Michael Hofstetter, seit 2006 auch Chefdirigent des Stuttgarter Kammerorchesters, ist bei vielen bedeutenden Opernhäusern, Orchestern und Festivals zu Gast, u.a. an der Hamburgischen und der Bayerischen Staatsoper, der Deutschen und der Komischen Oper Berlin, der Norske Opera Oslo und der Royal Opera Kopenhagen, dem Gran Teatre del Liceu in Barcelona, der Welsh National Opera in Cardiff, dem Theater Basel sowie seit Jahren bei den Salzburger Festspielen, wo er 2006 die Mozart- Trilogie Irrfahrten (Regie: Joachim Schlömer) dirigierte. In der Spielzeit 2006/07 leitete er u.a. die Produktion Actus tragicus an der Staatsoper Stuttgart sowie Humperdincks Hänsel und Gretel an der Semperoper Dresden, außerdem die erste szenische Realisierung von Händels Oratorium La resurrezione bei den Händel-Festspielen Karlsruhe, wo er Anfang 2008 zudem mit großem Erfolg Giulio Cesare in Egitto aufführte. Zukünftige Projekte umfassen u.a. eine Produktion von Berlioz’ Oper Béatrice et Bénédict an der Houston Grand Opera im Herbst 2008 sowie Mozarts Le nozze di Figaro an der Welsh National Opera in Cardiff im Frühjahr 2009.

Ruth Sandhoff
Die Mezzosopranistin Ruth Sandhoff (Valentiniano) studierte Gesang in Köln und Freiburg bei Ingeborg Most. Großen Einfluss auf ihre weitere stimmliche Entwicklung hatte darüber hinaus die Arbeit mit Beata Heuer- Christen, Anna Reynolds und Cornelia Kallisch. Ruth Sandhoffs Repertoire reicht von Werken des Frühbarock – aufgeführt u.a. mit Musica Antiqua Köln, Concerto Köln und dem Freiburger Barockorchester – bis hin zu Ur- bzw. Erstaufführungen zeitgenössischer Kompositionen, z.B. Wolfgang Rihms Deus Passus im Rahmen der Luzerner Festspiele. Die Sängerin gastierte regelmäßig bei namhaften Festivals wie dem Oregon Bach Festival, dem Melbourne Art Festival, dem Bach Festival Philadelphia und dem Europäischen Musikfest Stuttgart sowie an den Opernhäusern in Leipzig, Wiesbaden und Köln. Konzertreisen führten sie in die USA, nach Australien und ins europäische Ausland. Ruth Sandhoff wirkte bei zahlreichen Fernseh- und Rundfunkaufnahmen sowie CD-Produktionen im In- und Ausland mit, darunter Bachs Magnificat unter der Leitung von Helmuth Rilling und Telemanns Magnificat mit La Stagione Frankfurt und Michael Schneider. Kürzlich standen Bachs Kantaten für Alt solo beim Eröffnungskonzert des Bachfestivals in Riga sowie eine Händel- Opernproduktion mit der Akademie für alte Musik Berlin auf dem Programm der Sängerin.

Kirsten Blaise
Mit einem Repertoire, das von Dowland bis Adams und von der Kammermusik bis zur Oper reicht, ist die amerikanische Sopranistin Kirsten Blaise (Fulvia) ein gern gesehener Gast in den wichtigen Musikzentren der Welt, so u.a. beim Carmel Bach Festival, dem Oregon Bach Festival sowie am Lincoln Center in New York. 2003 gab Kirsten Blaise ihr Debüt im Concertgebouw Amsterdam sowie bei den Karlsruher Händel-Festspielen als Arianna in Giustino. Außerdem wirkte sie in der Rolle des British Dancing Girl in der britischen Premiere sowie in der preisgekrönten Verfilmung von John Adams’ Oper The Death of Klinghoffer unter Leonard Slatkin mit. In der Saison 2005/06 debütierte sie am Pariser Théâtre du Châtelet in der Rolle der Woglinde in Wagners Ring-Zyklus. Zu weiteren, von der Kritik hochgelobten Auftritten gehören Händels Almira bei den Händel-Festspielen Karlsruhe und die Orazia in Cimarosas Gli Orazi e i Curiazi bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen 2005 unter Michael Hofstetter, mit dem sie seit vielen Jahren eine enge Zusammenarbeit verbindet. Beim Huddersfield Contemporary Music Festival 2006 war die Sopranistin mit dem Pianisten Nicolas Hodges und einem für sie von Michael Finnissy komponierten Liederzyklus zu hören. Seit der Saison 2007/08 gehört Kirsten Blaise zum festen Sängerensemble des Staatstheaters Karlsruhe, wo sie u.a. als Donna Anna in Mozarts Don Giovanni und als Cleopatra in Händels Giulio Cesare zu hören ist.

Franco Fagioli
Der Countertenor Franco Fagioli (Ezio) wurde 1981 in Argentinien geboren. Zunächst studierte er Klavier am Musikinstitut seiner Heimatstadt, begann dann jedoch ein Gesangsstudium an der Kunstakademie des Teatro Colón in Buenos Aires. 199 7 gründete er den Chor von San Martin de Porres mit dem Bestreben, den Jugendlichen seiner Region die Tür zur Musik zu öffnen. Auf Anraten seiner Gesangsprofessorin Annelise Skovmand sowie von Celina Lis und Ricardo Yost entschied er sich schließlich für eine künstlerische Laufbahn als Countertenor. Nach dem Sieg beim vielbeachteten Bertelsmann-Gesangswettbewerb Neue Stimmen 2003 eröffnete sich dem jungen Sänger eine internationale Karriere: Seither war er u.a. bei den Händel-Festspielen in Halle, am Théâtre des Champs-Élysées in Paris, am Opernhaus Zürich unter Marc Minkowski und Nikolaus Harnoncourt sowie bei den Innsbrucker Festwochen unter der Leitung von René Jacobs zu hören. Neben der Opernliteratur pflegt Franco Fagioli auch das geistliche Konzertrepertoire. So war er im Mai 2007 bei den Salzburger Festspielen mit Scarlattis Oratorio a quattro voci unter der Leitung von Riccardo Muti zu hören.

Sophie Marin-Degor
Die französische Sopranistin Sophie Marin- Degor (Onoria) stand schon als Jugendliche auf der Bühne, nachdem sie ihre musikalische Ausbildung an der Maîtrise de Radio-France begonnen hatte. Nach einem zweijährigen Engagement an der Comédie Française in Paris entdeckte sie mit ihrem Auftritt in Glucks Orfeo ed Euridice am Théâtre des Champs-Élysées ihre Vorliebe für das klassische Repertoire. Unter der Leitung des französischen Dirigenten und Barockspezialisten Jean-Claude Malgoire erarbeitete sie sich wichtige Rollen des barocken Opern- und Oratorienrepertoires sowie zentrale Frauenpartien des Mozart- Fachs wie Pamina in der Zauberflöte, Susanna und Gräfin in Le nozze di Figaro, Despina in Così fan tutte sowie Zerlina und Donna Anna in Don Giovanni. Darüber hinaus arbeitete die Sängerin mit namhaften Dirigenten wie Sir John Eliot Gardiner, William Christie und Nikolaus Harnoncourt zusammen. Vom Magazin Opernwelt wurde sie für die Interpretation der Armide in Wiesbaden und später Tel Aviv als eine der drei besten Sängerinnen des Jahres 2004 nominiert. Neben ihren Opernauftritten widmet sich Sophie Marin-Degor außerdem intensiv dem Liedgesang und der zeitgenössischen Musik. In der Saison 2006/07 sang Sophie Marin-Degor u.a. in Lehárs Die lustige Witwe an der Opéra Comique in Paris sowie unter Marc Minkowski als Micaëla in Bremen und als Mélisande in Moskau in der russischen Erstaufführung von Ravels Pelléas et Mélisande. Zukünftige Projekte führen sie als Rosalinde nach Toulouse, Montecarlo und Lausanne.

Stefano Ferrari
Der italienische Tenor Stefano Ferrari (Massimo) studierte zunächst Violine am Konservatorium in Brescia, bevor er 1995 eine Gesangsausbildung bei Sherman Lowe begann. Nach seinem Debüt als Tamino in Mozarts Zauberflöte 199 bei der Associazione Lirica Concertistica Italiana sang er u.a. an den Opernhäusern in Mailand, Venedig, Paris, Brüssel und Budapest sowie bei zahlreichen Festivals, darunter die Salzburger Festspiele, das Festival Verdi und das Festival International d’Opéra Baroque de Beaune. Stefano Ferrari arbeitete bereits mit herausragenden Dirigenten wie Giancarlo Andretta, Riccardo Muti und Rinaldo Alessandrini. Sein Repertoire ist sehr vielseitig und umfasst sowohl Kirchenmusik als auch sinfonische Werke sowie Opern von Bach, Händel, Mozart über Beethoven, Puccini, Rossini bis hin zu Philip Glass, Goffredo Petrassi und Ariel Ramírez. Demnächst wird der Tenor als Tamino am New National Theatre in Tokyo sowie als Macduff in Verdis Macbeth beim Glyndebourne Festival zu sehen sein. Mit Jean-Christophe Spinosi nahm Stefano Ferrari Vivaldis Oper Griselda sowie mit Federico Maria Sardelli Vivaldis Atenaide auf CD auf.

Netta Or
Die Sopranistin Netta Or (Varo) wurde 2006 als „Star der neuen Generation“ bei den Salzburger Festspielen vorgestellt, nachdem sie dort 2005 mit der Partie der Aspasia in Mozarts Mitridate, re di Ponto ihr erfolgreiches Debüt gegeben hatte. Sie studierte an der Musikhochschule Köln und ergänzte ihre Ausbildung durch Meisterkurse bei Joan Dorneman, Kai Wessel und Kurt Moll. Von Dirigent Andreas Spering entdeckt, sang sie bereits im Alter von 22 Jahren bei den 25 . Händel-Festspielen Karlsruhe. Noch während des Studiums wurde die Sängerin außerdem an das Opernstudio der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf verpflichtet, wo sie seit 2003 als festes Mitglied engagiert ist und 2006/07 mit großem Erfolg u.a. ihr Debüt als Donna Elvira in Mozarts Don Giovanni gab. Weitere Engagements führten sie u.a. zu den Ludwigsburger Schlossfestspielen, den Musikfestspielen Potsdam Sanssouci, den Schwetzinger Festspielen sowie an das Markgräfliche Opernhaus Bayreuth. Auch im Konzertbereich ist sie eine gefragte Solistin: Sie gestaltete die Sopranpartien in Bachs Passionen, Händels Messias sowie Brahms’ Requiem bei Aufführungen an so renommierten Häusern wie der Kölner Philharmonie, der Beethovenhalle Bonn oder dem Théâtre des Champs-Élysées Paris. 2008 gibt Netta Or ihre Rollendebüts als Konstanze in Mozarts Die Entführung aus dem Serail und Adina in Donizettis L’elisir d’amore an der Deutschen Oper am Rhein.

Orchester der Ludwigsburger Schlossfestspiele
1972 von Wolfgang Gönnenwein gegründet, besteht das Orchester der Ludwigsburger Schlossfestspiele auch nach dem Wechsel seines langjährigen Chefdirigenten im Wesentlichen unverändert weiter. Die Besetzung aus Mitgliedern führender baden-württembergischer Orchester, Hochschulprofessoren und -absolventen wurde seit 2005 unter der Leitung seines neuen Chefdirigenten Michael Hofstetter vor allem um junge freie Musiker aus der Alte-Musik- Szene ergänzt und so dem neuen künstlerischen Kurs angepasst: einer lebendigen authentischen Aufführungspraxis. Ziel ist es, jedes Werk vom Barock bis zur Moderne mit den Instrumenten und in der Spielweise aufzuführen, für die es komponiert wurde – eine Herausforderung, der die Musiker mit größtmöglicher stilistischer Flexibilität begegnen. Mit Michael Hofstetter ist das Orchester der Ludwigsburger Schlossfestspiele auch zunehmend auf dem europäischen Musikmarkt präsent, im Sommer 2006 etwa bei der Schubertiade im österreichischen Schwarzenberg sowie in den letzten Folgen von Götz Alsmanns ZDF-Klassik-Show Eine große Nachtmusik.


CD 1
1  Sinfonia. Allegro  03:09  

Act 1
2  Scene 1 Recitativo (Massimo): “Signor, mai non più fasto la prole di Quirino”  02:06  
3  Scene 2 Recitativo (Ezio): “Signor, vincemmo.”  07:01  
4  Scene 3 Recitativo (Ezio): “Cara, di te più degno torna il tuo sposo”  01:34  
5  Aria (Ezio): “Pensa a serbarmi, o cara, i dolci affetti tuoi”  06:11  
6  Scene 4 Recitativo (Fulvia): “E soffrirai, che sposa abbia la figlia”  07:04  
7  Scene 5 Recitativo (Massimo): “Pria che sorga l’aurora, mora Cesare, mora.”  06:56  
8  Scene 6 Recitativo (Valentiniano): “Ezio sappia ch’io bramo seco parlar   che qui l’atte  
9  Scene 7 Aria (Valentiniano): “So chi t’accese: basta per ora.”  01:15  
10  Scene 8 Recitativo (Onoria): “Fulvia, ti vuol sua sposa Cesare al nuovo dì.”  06:21  
11  Scene 9 Recitativo (Fulvia): “Ferma, sentimi, Onoria.”  00:48  
12  Duetto (Fulvia): “Va, ma tremo al tuo periglio”  04:32  

Act 2
13  Scene 1 Recitativo (Massimo): “Qual silenzio è mai questo!”  02:02  
14  Scene 3 Aria (Valentiniano): “Se nel trono in tanti affanni non ritrovo un cor fedele”  06:24  
15  Scene 4 Recitativo (Fulvia): “E puoi d’un tuo delitto Ezio incolpar?”  04:28  

total 62 : 19

CD 2
1  Scene 5 Recitativo (Fulvia): “Che fo? Dove mi volgo?”  
2  Scene 6 Aria (Ezio): “Recagli quell’acciaro”  02:04  
3  Scene 7 Recitativo (Fulvia): “Varo, se amasti mai, de’ nostri affetti pietà dimostra”  05:35  
4  Scene 8 Recitativo (Varo): “Folle è colui che al tuo favor si fida, instabile fortuna.”  05:54  
5  Scene 9 Recitativo (Valentiniano): “Onoria, ascolta. Oggi, per mio riposo tu devi ad uno sposo”  08:29  
6  Scene 10 Recitativo (Valentiniano): “Olà, qui si conduca il prigionier.”  06:55  
7  Scene 11 (Valentiniano): “Ah temerario! ah ingrata!”  06:40  
8  Scene 12 Terzetto (Fulvia): “Passami il cor, tiranno!”  04:54  

Act 3
9  Scene 1 Recitativo (Valentiniano): “Olà! Varo si chiami.”  02:05  
10  Aria (Ezio): “Se il fulmine sospendi, se ottengo il tuo perdono”  03:49  
11  Scene 5 Recitativo (Valentiniano): “Varo, eseguisti il cenno?”  02:39  
12  Aria (Onoria): “Vuoi consigli? Il chiedi invano. T’abbandono al tuo periglio.”  02:45  
13  Scene 7 Recitativo (Massimo): “Cesare, alla mia fede troppo ingrato sei tu, se ne sospetti.”  01:55  
14  Aria (Valentiniano): “Sono in mezzo a un’ onda infesta”  03:41  
15  Scene 8 Recitativo (Massimo): “Partì una volta: ah, lascia, mia speme, mio sostegno”  06:27  
16  Scene 9 Recitativo (Fulvia): “Misera, dove son! L’aure del Tebro son queste ch’io respiro?”  06:32  
17  Recitativo (Massimo): “Inorridisci, o Roma: l’Attila lo spavento”  03:29  
18   Coro (Onoria, Fulvia, Valentiniano, Varo, Ezio & Massimo): “Della vita nel dubbio cammino”  01:39  

total 78 : 50
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