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Franz Raml, Silbermann organ of the Hofkirche Dresden
Franz Raml hat als Organist, Cembalist und Leiter des Hassler-Consorts einen international hervorragenden Ruf. Eine umfangreiche Diskografie beinhaltet Aufnahmen an wichtigen historischen Orgeln in Deutschland. Auf seiner neuen CD hören wir Franz Raml an der Silbermann-Orgel der Hofkirche Dresden, der letzten Schöpfung des genialen sächsischen Orgelbauers.
Das Programm mit Werken von Johann Sebastian Bach gibt einen Einblick in die formale und stilistische Vielfalt der Bach’schen Orgelmusik. Es reicht von der frühen Orgelpartita „Sei gegrüßet, Jesu gütig“ über die Orgelbearbeitungen von Konzerten Antonio Vivaldis aus den Weimarer Jahren bis hin zu der Triosonate Es-Dur, um 1730 in Leipzig komponiert.
Bach – Orgelwerke
Die vorliegende Aufnahme gibt einen Einblick
in die formale und stilistische Vielfalt der Orgelmusik Johann Sebastian Bachs, die in ihrer Gesamtheit den wohl bedeutendsten Beitrag eines einzelnen Komponisten für die Königin der Instrumente darstellt. Zeit seines Lebens hat Bach sich der Orgelmusik gewidmet.
Zu den frühesten überlieferten Werken überhaupt gehört eine Reihe von Choralpartiten,
die in ihrer Faktur noch ganz seinen mittel- und norddeutschen Lehrmeistern, insbesondere
Georg Böhm, verpflichtet sind. Die Partita über den Choral Sei gegrüßet, Jesu gütig
nimmt als reifstes Werk dieser Frühperiode eine Sonderstellung ein. Während die ersten sieben Sätze traditionellen Liedvariationstypen des 17. Jahrhunderts. entsprechen, entwickelt Bach im weiteren Verlauf des Variationszyklus vollkommen neuartige Satzmodelle bei obligater
Verwendung des Orgelpedals. Die abschließende
fünfstimmige Variation ähnelt bereits dem Typus des Choralvorspiels, wie er in den meisten Sätzen seines in den Weimarer Jahren entstandenen Orgelbüchleins vorkommt, u.a. in dem Choral Gelobet seist du, Jesu Christ: Die Choralmelodie erscheint als schlichte Oberstimme
eines vierstimmigen Satzes, dessen Mittelstimmen unter Verwendung gleich bleibender
Figuren kontrapunktisch ausgearbeitet sind. Das Pedal führt eine unabhängige Bassstimme
mit eigener Motivik.
In zeitlicher Nähe zum Orgelbüchlein entstand
auch die Frühfassung der in den Leipziger
Jahren noch einmal überarbeiteten Passacaglia in c-Moll. Entsprechend den Vorbildern dieser Gattung, die Bach schon in frühester Jugend in Abschriften bei seinem Bruder in Ohrdruf kennen gelernt hatte, dient ein in gleicher oder variierter Form durchgehend
wiederkehrender Ostinatobass als Grundgerüst für eine 20-teilige Variationenfolge.
Der eigentlichen Passacaglia fügte Bach schließlich eine aus der letzten Variation herauswachsende
gleichgewichtige Fuge an. Er bereichert damit die ansonsten durch melodisch-
rhythmische Variation geprägte Gattung um eine kontrapunktische und harmonische Komponente und nähert sie in ihrer formalen Gesamtanlage dem klassischen Satzpaar Präludium
und Fuge an.
Ebenfalls in die Weimarer Jahre fallen Bachs Orgelbearbeitungen von Konzerten
Antonio Vivaldis. Prinz Johann Ernst, selbst Organist
und großer Liebhaber des neuen, aus Italien stammenden Instrumentalkonzertes mit seinen von Ritornellen geprägten schnellen
Ecksätzen, hatte die entsprechenden Originaldrucke aus Amsterdam nach Weimar mitgebracht und vermutlich die Transkriptionen
für Orgel veranlasst. Das Concerto in C (BWV 594) geht zurück auf Vivaldis Violinkonzert
D-Dur. Der dem Instrumentalkonzert typische Wechsel von Tutti und Solo findet seine Entsprechung in dem Kontrast der unterschiedlich
registrierten Orgelmanuale. Bach begnügte sich aber nicht mit einer bloßen
Übertragung, sondern griff durchaus in die Substanz des originalen Notentextes ein, indem er z.B. die typischen Violinfigurationen – etwa bei den auskomponierten Kadenzen der Ecksätze – den spieltechnischen Möglichkeiten
der Orgel anglich.
Fantasia und Fuga in g stehen im Zusammenhang
mit Bachs Bewerbung um das Organistenamt
an St. Jacobi in Hamburg, die er 1720 von Köthen aus betrieben hatte. Die Fuge mit ihrem charakteristischen tänzerischen Thema, von einem Kopisten als „das allerbeste
Pedal-Stück vom Herrn Johann Sebastian Bach“ bezeichnet, gehört zu den populärsten Stücken Bachscher Orgelmusik. Sie erklang nachweislich im Rahmen des Bewerbungsvorspiels,
bei dem Bach dem Hamburger „Magistrate und vielen anderen Vornehmen der Stadt … mehr als 2 Stunden lang“ (Nekrolog)
eine Kostprobe seiner organistischen Fähigkeiten bot. Die Fantasia wurde zu einem späteren Zeitpunkt hinzukomponiert. Zwei strenger gearbeitete Fugato-Teile werden umrahmt
von frei gestalteten, improvisatorischen Abschnitten höchster Expressivität, die mit ihren harmonischen Kühnheiten die Grenzen des dur-moll-tonalen Systems tangieren.
Die Sonata I in Es ist die erste von sechs Sonaten „à 2 Clav. & Pedal“, die Bach um 1730 in Leipzig vermutlich als Übungsstücke für seinen ältesten Sohn Wilhelm Friedemann komponierte. Hierfür sprechen u.a. die immensen
spieltechnischen Schwierigkeiten. Formal ähneln diese Orgelsonaten dem dreisätzigen
italienischen Concerto. Stilistisch stehen sie ohne vergleichbare kompositorische
Vorbilder da und müssen als ureigenste Erfindung Bachs angesehen werden. In ihrer strengen Triosetzweise bei obligater Führung aller Stimmen (rechte Hand – linke Hand– Pedal)
schließen sie sich den entsprechenden kammermusikalischen Werken der Köthener Zeit an. Schon der erste Bach-Biograph J. N. Forkel erkannte den hohen kompositorischen Rang dieser Triosonaten und hielt sie für „das Hauptwerk“ der Bachschen Orgelmusik.
Franz Josef Ratte
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