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   Eduardo Fernández: Guitar Music from South America
Komponist: Various
Preis: 12.98 €
Kat-Nr.: OC 547
Format: CD
  

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Cacho Tirao · Agustín Barrios Mangoré · Astor Piazzolla Gentil Montaña · Carlos Gustaviano · Piazzolla / Keigo Fuji G. Matos Rodriguez / Cacho Tirao
Eduardo Fernández, guitar

Eduardo Fernández wurde 1952 in Uruguay geboren. Seine internationale Karriere begann mit dem Gewinn des Andrés-Segovia-Wettbewerbs in Mallorca/Spanien 1975. Heute ist er als einer der führenden Gitarristen anerkannt. Fernández hat sich intensiv mit historischen Instrumenten beschäftigt und spielt das Repertoire des 19. Jahrhunderts auf einer zeitge-nössischen Gitarre. Auf seiner neuen CD reflektiert Eduardo Fernández die Tradition der Gitarre in der südamerikanischen Kunstmusik. Eine besondere Rolle spielen hierbei natürlich verschiedene Formen des Tango, wie in den Werken von Cacho Tirao oder Astor Piazzolla. Gentil Montana, selbst ein hervorragender Gitarrist, führt das Instrument an die Grenzen seiner virtu-osen Möglichkeiten. Von Agustín Barrios Mangoré hören wir u.a. dessen bekanntestes Werk, „La Catedral“, und Carlos Guastavino verbindet in seiner „Sonata para Guitarra“ klassische Form mit argentinischen Rhythmen.

Gitarrenmusik aus Südamerika

Die Gitarre spielt in der südamerikanischen Kultur eine zentrale Rolle – dies klingt zwar wie eine Binsenweisheit, doch selbst wenn diese Aussage nicht auf alle Länder zutrifft, hat sie genug Wahrheitsgehalt um als Ausgangspunkt für weitere Überlegungen zu dienen. Die Gitarre kam mit den Spaniern nach Südamerika und war hier den gleichen Einflüssen unterworfen wie die Menschen, die sie mitbrachten. Einem Spiegel gleich reflektiert ihre Musik die sehr unterschiedlichen musikalischen Gegebenheiten der jeweiligen Länder. Den einfachen Menschen war die Gitarre schon lange ein zuverlässiger Begleiter in Freud und Leid, und schließlich wurde sie auch von Komponisten als geeignetes Medium entdeckt. Erwähnt werden muss in diesem Zusammenhang Heitor Villa-Lobos (nicht in dieser Aufnahme vertreten), der es als erster Komponist Südamerikas verstand, das Instrument im Mainstream der modernen Musik zu etablieren, ohne ihm seine besondere Identität zu nehmen. Die südamerikanische Gitarrenmusik deckt das ganze Spektrum ab: von Folklore-Zitaten über die Weiterentwicklung von Themen der traditionell gewachsenen Musik oder Anklänge an diese (oder auch an imaginäre Vorbilder) bis hin zu Werken, in denen die Stimme Südamerikas ohne spezifische Anlehnung an Genres der Folkloremusik erklingt. Alle diese Varianten und noch einige mehr sind in dieser Einspielung zu hören.

Den Anfang macht hier der große Folk- und Tangogitarrist Cacho Tirao aus Argentinien (geb. 1941), der auch mit dem letzten Stück dieser Aufnahme zu hören ist. Milonga de Don Taco, eine Originalkomposition, ist ein gutes Beispiel für das Genre: das Wort „Milonga“ stammt wahrscheinlich vom afrikanischen Ausdruck „Mironga“, „Geheimnis“. Es gibt grundsätzlich zwei Varianten des Milonga, den ländlichen (vergleichsweise langsam und getragen, als Gesangsuntermalung) und den urbanen, schnelleren, humorvolleren und zum Tanzen einladenden, der hier zu hören ist. Taco bedeutet auf spanisch „Hacke“, „Ferse“; Don Taco war anscheinend ein recht bekannter Milongatänzer in Tiraos Heimatstadt in der Provinz Buenos Aires.

Tiraos gelungenes Arrangement des bekannten La Cumparsita von Gerardo Matos Rodríguez (ein ursprünglich in Uruguay als Karnevalsmarsch für Architekturstudenten entstandenes Werk, das längst seinen Weg in die internationale Musikwelt gefunden hat), verwandelt es in eine Art Chaconne; dabei nutzt er gerade die Einfachheit des Originalwerkes als Grundlage für gewagte Harmonien und einen brillanten Schluss.

Agustín Barrios Mangoré vereint in seiner Person die vielen unterschiedlichen Strömungen und Widersprüchlichkeiten des musikalischen Erbes Südamerikas. Geboren wurde er 1885 in Paraguay, und bis zu seinem Tode 1944 in El Salvador hatte er praktisch alle Länder Südamerikas bereist. Sein bewegtes Leben gäbe hervorragenden Stoff für einen Roman ab, und sein einzigartiges Genie verband in der Gitarre einen unverwechselbaren südamerikanischen Klang mit einer universellen Botschaft. Sein bekanntestes Stück ist wohl La Catedral (Die Kathedrale), dessen ersten beiden Sätze er um etwa 1920 in Montevideo komponierte; hier sind Elemente der Folklore nurmehr als Echo wahrzunehmen. Der erste Satz des Stückes Saudade entstand in Kuba in den späteren 30er Jahren; der Titel „Saudade“ (portugiesisch für „Heimweh“) ruft die Erinnerung an die Rhythmen der Gegend des Rio de la Plata wach – tatsächlich hat dieses Stück viel mit dem Genre des Milonga gemein; bei meinem Vortrag habe ich versucht, diese Nähe herauszuarbeiten. Zu meiner Jugendzeit hieß es in Montevideo, dass der zweite Satz das Innere der Kathedrale San José (in der Nähe von Montevideo) beschreibe und der dritte den Lärm auf dem Kirchenvorplatz wiedergebe. Im Gegensatz dazu ist das kleine bezaubernde Stück Maxixe ein fast greifbares Abbild eben dieses brasilianischen Tanzes.

Astor Piazzolla (1921–1992) bedarf keiner besonderen Einführung. Der geniale Musiker, der mit den Rhythmen des Tango aufwuchs und später bei Nadja Boulanger Komposition studierte, nimmt nicht nur in der Geschichte des Tango eine gesonderte Stellung ein (hier markiert sein Werk einen Wendepunkt in der Entwicklung des Genres), sondern er gilt auch als Musiker von internationalem Rang. Die Fünf Stücke sind sein einziges Werk für Sologitarre, sie zeigen die unterschiedlichen Aspekte des Genres auf: vom ländlichen Milonga im ersten Stück (Campero) bis zum typisch städtischen Stil im letzten (Compadre – im Slang von Buenos Aires und Montevideo ist dies der Ausdruck für einen „brutalen Kerl“). In dieser Version habe ich zur Betonung des Rhythmus und der charakteristischen Phrasierung einige (für das Tangospiel typische) kleine Riffs und Verzierungen eingefügt. Chiquilín de Bachín, ein langsamer Walzer, behält in Keigo Fujiis gelungenem Arrangement die Melancholie und den Elan des Originals bei („Bachín“ heißt ein berühmtes Restaurant in Buenos Aires; der Text handelt von einem kleinen Jungen, einem „chiquilín“, der dort Blumen verkauft).

Der Kolumbianer Gentil Montaña (dessen wahres Alter mir trotz langer Freundschaft bisher verborgen blieb) ist nicht nur ein Virtuose auf seinem Instrument, sondern auch ein bedeutender Komponist von Gitarrenmusik. Sein Werk schöpft aus dem reichen musikalischen Erbe seines Heimatlandes; dabei führt er das Instrument an die Grenzen seiner Möglichkeiten. Die Kolumbianische Suite Nr. 4 (von der ich die Ehre habe, nicht nur eine Widmung, sondern auch diese erste Einspielung zu besitzen) ist eine farbenfrohe und originelle Aufarbeitung kolumbianischer Genres mit all der ihnen innewohnenden Polyphonie, der lebendigen Polyrhythmie, der Dichte der Stimmen – kurz, der ihnen ureigenen Lebendigkeit. Der Pasillo, ein mit dem Walzer verwandter Tanz, wirkt nostalgisch. Ihm folgen die liebliche Danza und der machtvolle Bambuco (ein typischer Tanz der kolumbianischen Anden-region). Der Porro beendet die Suite mit einem wahren Farbenrausch.

Carlos Guastavino (1912–2000) ist der repräsentativste der nationalistisch-postromantischen Komponisten Argentiniens. Durch alle Änderungen des Musikgeschmacks im 20. Jahrhundert hindurch behielt er seine Vision der imaginären Folklore bei; er verwandte die Folk-Genres nurmehr als Grundlage für den Aufbau seiner großen Werke sowie seiner berühmten Lieder mit Klavierbegleitung und seiner zahlreichen Werke für Chor. Interessanterweise gibt es in seinem umfassenden Gesamtwerk im Verhältnis wenige Stücke für Gitarre. Dies spiegelt wohl weniger ein Desinteresse Guastavinos sondern eher die Kluft, die bis vor nicht allzu langer Zeit „ernste“ Musik und Gitarristen trennte. Dem inzwischen verstorbenen Robert Lara ist dafür zu danken, dass er Guastavinos Interesse auf die Gitarre lenkte. Die erste der drei Sonaten entstand unter dem Eindruck des Todes seines Bruders, der zweite Satz (auf den Genres des Estilo und des Cifra basierend) ist eine Elegie an ihn. Der erste und der dritte Satz verwenden ebenfalls argentinische Rhythmen, im ersten besonders den Chaya und Zamba, im dritten Satz den Gato. Doch es bedarf keines Wissens um die Ursprünge in der traditionellen Musik, um von Guastavinos lyrischem Stil, seiner harmonischen Ausdruckskraft und seiner Beherrschung der Form gerührt und fasziniert zugleich zu sein.

Eduardo Fernández



CD 1

Cacho Tirao (*1941)
1  Milonga de Don Taco  03:05  

Agustín Barrios Mangoré (1885–1944) La Catedral
2  I. Preludio  01:57  
3  II. Andante reiligioso  01:44  
4  III. Allegro solemne  03:19  

Astor Piazzolla (1921–1992) Cinco Piezas
5  I. Campero  04:00  
6  II. Romantico  04:01  
7  III. Acentuado  03:12  
8  IV. Triston  04:10  
9  V. Compadre  02:47  

Agustín Barrios Mangoré (1885–1944)
10  Maxixe  02:53  

Gentil Montaña (*1938) Suite No. 4
11  1. Nostaliga Bogotana  04:08  
12  2. Danza  06:10  
13  3. Bambuco  04:43  
14  4. Porro  03:49  

Astor Piazzolla (1921–1992) / Keigo Fuji
15  Chiquilin de Bachin  03:46  

Carlos Guastavino (1912–2000) Sonata para Guitarra
16  1. Allegro deciso e molto ritmico  06:27  
17  2. Andante  04:13  
18  3. Allegro spiritoso  03:33  

G. Matos Rodriguez / Cacho Tirao
19  La Cumparsita  03:10  

total 71 : 14
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