|
|
 |
| |
Schreiben Sie Ihre Meinung zu dieser CD
In der Mozartstadt Salzburg existiert noch heute ein Orchester, das von Mozarts Witwe Constanze und den Söhnen Franz Xaver und Karl 1841 gegründet wurde – das Mozarteum Orchester Salzburg. Chefdirigent ist seit 2004 der britische Dirigent Ivor Bolton, der seit Jahren an der Münchner Staatsoper Furore mit Barockopern von Monteverdi, Händel und Gluck macht. Unter Bolton sowie seinem Amtsvorgänger Hubert Soudant spielt hier das Mozarteum Orchester die sechs späten Sinfonien von W.A. Mozart. Als kompaktes Mozart-Paket mit dem sinfonischen Kernrepertoire auf drei CDs kommt hier ein frisch und sorgfältig musizierter „Mozart aus Salzburg“.
Ivor Bolton
Chefdirigent · Chief Conductor
Der vielseitige, international außerordentlich erfolgreiche englische Dirigent Ivor Bolton ist in der Oper und im Konzertsaal gleichermaßen zu Hause. Sein breites Repertoire umfasst Barockmusik
ebenso wie die Musik unserer Zeit.
Bolton studierte an der Universität Cambridge, am Royal College of Music und beim National Opera Studio in London. 1992 bis 1997 war er Musikdirektor der Glyndebourne Touring Opera, 1994 bis 1996 Chefdirigent des Scottish Chamber Orchestra. Seit September 2004 ist er Chefdirigent
des Mozarteum Orchesters Salzburg.
Ivor Bolton arbeitet kontinuierlich an der Bayerischen
Staatsoper München. Seine Dirigate von Opern Monteverdis (L’Incoronazione di Poppea, Orfeo), Händels (Serse, Giulio Cesare, Ariodante) und Glucks (Orphée et Eurydice) fanden bei Publikum und Presse sensationellen Anklang. Für seine hervorragenden Leistungen erhielt er 1998 den renommierten Bayerischen Theaterpreis.
1995 debütierte Bolton am Royal Opera House Covent Garden mit der Uraufführung von Alexander
Goehrs Arianna. Im Jahre 2000 feierte er mit dem Mozarteum Orchester Salzburg einen großen Erfolg mit Glucks Iphigénie en Tauride
bei den Salzburger Festspielen, wo er seitdem immer wieder auftritt. Als gefeierter musikalischer
Leiter barocker, klassischer und moderner Opern gastierte er u.a. in Bologna, Buenos Aires, Sidney, San Francisco, Paris, Florenz, Lissabon, Brüssel, Leipzig und Genf. Beim Glyndebourne Festival hatte er bedeutende Erfolge mit Werken von Gluck, Mozart und Britten.
Im Konzertbereich leitete Bolton ebenso über-zeugend Orchester wie London Symphony, Tonhalle-
Orchester Zürich, BBC Symphony, die London Mozart Players, Rotterdam Philharmonic Orchestra, die großen amerikanischen Orchester von Houston und Montreal. 2000 stand Bachs Johannes-Passion
auf dem Programm eines Proms-Konzerts in London, ein Werk, das er auch beim Münchener Festival 2000 dirigierte. In der Saison 2003/04 dirigierte
Bolton Konzerte im Zyklus des Mozarteum Orchesters und bei der Salzburger Kulturvereinigung
mit Werken der Wiener Klassik, von Wimberger
(Uraufführung), Britten und Bruckner.
Mit dem Mozarteum Orchester Salzburg hat Bolton die Produktionen der Salzburger Festspiele von Glucks Iphigénie en Tauride und Mozarts c-Moll Messe aufgenommen, außerdem bei OehmsClassics Bruckners Sinfonie Nr. 5, sowie Haydns Jahreszeiten und Schöpfung.
Hubert Soudant
Gastdirigent · Guest Conductor
Der Dirigent Hubert Soudant wurde in Maas-tricht (Holland) geboren und zählt zu den führenden
Dirigenten seiner Generation. Er begann sein Musikstudium in den Fächern Horn und Dirigieren in seiner Heimatstadt und wurde bald darauf Preisträger zahlreicher internationaler Wettbewerbe, wie des internationalen Wett-bewerbs in Besançon (1969), des Wettbewerbs für Orchesterleitung Karajan in Berlin (1971) und des Wettbewerbs Cantelli in Mailand (1973).
Hubert Soudant dirigierte zahlreiche bedeu-tende europäische Orchester, wie die Berliner Philharmoniker, die Bamberger und die Wiener Symphoniker, die Osloer und die Stockholmer Philharmoniker, das Orchester der Mailänder Scala, mit dem er die Symphonie Turangalîla in Anwesenheit des Komponisten Olivier Messiæn zur italienischen Erstaufführung brachte, das Orchester der RAI von Turin und viele andere bedeutende Orchester Italiens und auch Japans. Hubert Soudant ist regelmäßig Gast bei inter-nationalen Festivals: Salzburger Festspiele, Wiener
Festwochen, Prager Frühling, Spoleto Festival,
Ravenna Festival und Bruckner-Fest Linz. Nach seinem aufsehenerregenden Operndebut
1985 im Teatro Regio di Parma folgten Einladungen
zu Gastdirigaten an die Bastille Oper in Paris und an Erste Opernhäuser Italiens, wie La Fenice/ Venedig, Bologna und Triest.
Von 1981 bis 1983 war Soudant Generalmusik-direktor des Nouvel Orchestre Philharmonique de Radio France in Paris. Von 1983 bis 1988 war er Chefdirigent des Utrecht Symphony Orchestra in Holland und Erster Gastdirigent des Melbourne Symphonie Orchestra. 1988 wurde dem Künstler die Leitung des Orchestra Arturo Toscanini in Parma übertragen.
Ab September 1994 wurde Hubert Soudant Musikdirektor des Orchestre National des Pays de la Loire und Chefdirigent des Mozarteum Orchesters Salzburg. Dem Mozarteum Orchester ist er seit Herbst 2004 als Erster Gastdirigent verbunden.
Besonders hervorzuheben bei seiner Tätigkeit für das Mozarteum Orchester ist sein stetes und erfolgreiches Arbeiten am Mozart-Repertoire, die Erarbeitung des „französischen Repertoires“ und die konsequente Bruckner-Pflege. Mit dem Mozarteum Orchester Salzburg ist Hubert Soudant
immer wieder in den USA, Japan und in vielen prominenten Konzerthäusern Europas zu Gast.
Seit 1999 war er Erster Gastdirigent, seit September
2004 ist er Chefdirigent des Tokyo Symphony
Orchestra. Neben den festen Verpflichtungen
gibt Hubert Soudant zahlreiche Gastdirigate in Europa, Japan und den USA.
Von einem Meisterwerk zum nächsten
Die Kurve innerhalb des letzten halben Dutzends
an Sinfonien von Wolfgang Amadé Mozart – die eine noch dazwischen liegende KV 385 wäre als gleichsam mehrfach verwerteter Extrakt aus einer Serenade für Siegmund Haffner d. J. eigentlich auszuklammern – verläuft konsequent
progressiv ansteigend. Drei davon in C-Dur, die jedoch traditioneller Tonarten-Charakterisierung
(durch Marc-Antoine Charpentier freudig und kriegerisch, bei Johann Mattheson roh und grob, aber nicht unpassend für Glück und Fröhlichkeit
und von seinem eigenen Zeitgenossen Christian Friedrich Daniel Schubart arglos, naiv, kindlich beschrieben) mehrheitlich immer wieder quer stehen.
KV 338
Bereits in dem, per 30. August 1780 datiert, letzten
diesbezüglich in Salzburg entstandenen Werk manifestiert sich längst erreichte absolute Meisterschaft der Orchesterbehandlung. Trotzig,
ja aufmüpfig (dem ungeliebten Dienstherrn Fürsterzbischof Hieronymus Graf Colloredo gegenüber?)
im Vollbewusstsein eigenen Könnens verbinden sich vorerst fast militärisch Ouverture und Marsch, um jedoch nach zwölf Takten dramatisch
drohend f-Moll einzublenden: Der festliche
Anspruch wird chromatisch getrübt. Von den zwei Seitenthemen unterschiedlichen Charakters erklingt das zweite fugiert. Immer wieder stehen dem vollen Tutti konzertant wirkend kleinere Instrumentalgruppen
gegenüber. Der Reprise fehlt dann ein Teil des Hauptgedankens, der dafür aber in der Coda nachgeholt wird. Da das ursprünglich
an zweiter Stelle (!) geplante Menuett bis auf 14 Takte aus dem Autograph entfernt wurde, wirkt der Kontrast des liedhaften F-Dur-Andante di molto – später zu più tosto Allegretto ergänzt – im reinen Streichersatz, in dem nur das Fagott den Bass unterstützt, umso stärker. Eine stilisierte Gigue steigert sich furios zum Kehraus.
KV 425 Linzer
Von Johann Joseph Anton Graf Thun in Linz eingeladen,
sollte Mozart dort am 4. November im theater academie geben. – und weil ich keine einzige
Simphonie bey mir habe, so schreibe ich hals über kopf an einer Neuen (so im fünf Tage zuvor an den Vater adressierten Brief zu lesen). Trotz der Kürze ihrer Entstehung grandios ausgewogen,
sorgfältig detailliert und verschwenderisch reich an Ideen folgt Mozart hier erstmals dem Vorbild des Freundes Franz Joseph Haydn und übertrumpft es sofort mit den spannungsgeladenen,
rhythmisch punktiert akzentuierten ersten 19 Takten. Moll-Schattierungen brechen festlichen Glanz: Selbst das idyllisch im 6/8-Takt schwingende,
erneut in F-Dur stehende Adagio, das Trompeten
und Pauken ebenfalls beschäftigt, erweist sich als nicht ungetrübt. Die Stimmungskontraste im – dem eher rustikalen denn höfischen Menuetto
folgenden – Finale sparen auch Schwermut nicht aus.
KV 504 Prager
Zwischen Le Nozze di Figaro KV 492 und Don Giovanni
KV 527 wurde am 6. Dezember 1786 in Wien das nachfolgende Opus abgeschlossen. Wie verhält
sich hier D-Dur mit freudig und sehr kriegerisch
oder scharf, halsstarrig, laut, bei Bedarf auch raffiniert bzw. Triumph, Halleluja, Kriegsgeschrei? Nichts von alledem: Vorausschauend für eine Akademie am 17. Jänner des folgenden Jahres in Prag gedacht, wo beide Opern Triumphe erlebten, wird hier die dreisätzige Urform der normalerweise Bühnenwerken vorangestellten italienischen Sinfonia
in grandiose Dimensionen gesteigert.
Reminiszenzen und Vorwegnahmen lassen sich ausmachen. So gemahnt die dramatisch dynamische Wechsel auskostende Einleitung in den kontrapunktisch verdichteten, monothematischen
Kopfsatz an die Aura des Komturs. Das kantable G-Dur-Andante spielt im Seitensatz mit Motiven, die auch Don Giovanni / Zerlinas Duett Andiam, andiam, mio bene bestimmen. Hermann Kretschmar befand einst, dass die Stärke und Echtheit der angespannten Gemütskräfte … hier keinen Tanz dulden, und Alfred Einstein war überhaupt
der Meinung: In den drei Sätzen ist alles gesagt, was zu sagen ist. Ein Menuett blieb aber wohl auch deshalb ausgespart, weil das entsprechend
geschwind die Tür zum ungestüm heiter hereinstürmenden Finale öffnende Hauptthema dem Duett Aprite presto, aprite aus dem zweiten Akt des Figaro ähnelt.
Die Tonartenfolge der letzten Trias, im eigenhändigen
Verzeichnüß aller meiner Werke datiert mit 26. Juni, 25. Juli und 10. August 1788, wurde durch die ursprüngliche Reihung von Joseph Haydns für die Freimaurer-Loge Olympique geschaffenen
Pariser Vorbildern beeinflusst.
KV 543
Alfred Einstein zögerte zwar, ihr einen geheimen freimaurerischen Sinn unterzulegen, doch bestimmt
Es-Dur auch Die Zauberflöte. Während für Gerhard Croll zusätzlich auch das im Sommer 1783 vollendete Vorbild von Michael Haydns Sinfonie
P. 17, das Mozart wohl in Salzburg gesehen
haben dürfte, gleichsam überhöht und verklärt zurück strahlt … Beides ist erstaunlich und … bewundernswert: die … inspirierenden Kräfte in Haydns Sinfonie, und die verwandelte Neugestaltung
in Mozarts grandiosem Spätwerk.
In ihm jedoch auch nur Spuren von grausam, roh resp. pathetisch, ernst, klagend, der Erzfeind der Aufrichtigkeit herauszuhören, übersteigt alles Vermögen. Von Liebe, trauriges Zwiegespräch mit Gott (die drei Vorzeichen bezeichnen die Dreifaltigkeit)
ganz zu schweigen!
Ähnlich der französischen Ouverture bauen sich vorerst über einem Orgelpunkt die 25 Takte der sonor, warm getönten (speziell durch Klarinetten
anstatt Oboen), festlichen Einleitung auf, von deren innewohnender Spannung das eher schlicht im 3/4-Takt sich wiegende Hauptthema des Kopfsatzes entsprechend absticht. Absteigende
Sechzehntelläufe der Streicher zum Seitengedanken
liefern dem dann dramatischere Akzente. Trotz zweier leidenschaftlicher Ausbrüche
wirkt das in As stehende Andante con moto eher elegisch. Das Trio im elegant den Rhythmus auskostenden Menuett bezaubert durch seinen volkstümlichen Drehleier-Effekt, und das ausgelassen
wirkende Finale folgt vollends Haydns Fröhlichkeit und sogar dessen Freude an unwirscher
Überraschung.
KV 550
Mittendrin klingt auch schon das nachfolgende Schwesterwerk an: Die erste restlos „tragische“ Sinfonie, die wohl auch durch das ein Jahr zuvor entstandene Gegenstück von Leopold Antonin Koželuh angeregt worden sein mag.
Sie ist weder – was g-Moll nachgesagt wurde
– majestätisch und großartig, noch als eine der schönsten Tonarten wegen ihrer Vielseitigkeit
geeignet für mäßige Klage und gedämpftes Glück, aber auch nicht unzufrieden, unerfreulich, trauriges Zähneknirschen oder gar widerlichen Groll, sondern lediglich, zumindest im schroffen Menuett dann mürrisch (so die bereits mehrfach zitierten Theoretiker) zum Ausdruck bringend. Stattdessen scheint sie erschütternd, ohne Ausweg
auf wenigstens einen Silberstreif am Horizont,
schlicht und einfach niederschmetternd.
Durch die zwei Fassungen – ohne bzw., aufführungspraktisch
motiviert, mit zusätzlich eingefügten
Klarinetten – wird übrigens auch ohne Wissen um Aufführungsdaten kenntlich, dass das Werk sicher zu Lebzeiten Mozarts erklungen sein muss.
Auch hier findet sich der wechselseitige Bezug
des Opern- und Instrumentalkomponisten, stammt doch der mit einem Halbton-Motiv beginnende,
sofort stürmisch anspringende Hauptgedanke
von Cherubinos gleichfalls vor Erregung vibrierender Arie Non sò più cosa son aus dem Figaro. Demgegenüber vermag sich das zweite Thema in der Tonika-Parallele B-Dur nicht zu behaupten.
Die Durchführung wird leidenschaftlich aufgeheizt. Das Andante im 6/8-Takt meditiert melancholisch reflektierend in der Subdominantparallele
Es-Dur vor sich hin, selbst das eingeblendete G-Dur inmitten des Allegretto, bar jedweder höfischer Tanzfloskel, vermag wenig aufzuheitern. Hektisch geht es in die Zielgerade: Es gibt keine Verschnaufpause auf dem Weg in den kurzen, bündigen Schluss ohne Hoffnung.
KV 551 Jupiter
Den Titel zum letzten Beitrag zur Gattung in C-Dur steuerte später Johann Peter Salomon, der berühmte Londoner Konzertmeister und Impresario,
bei (bis Ludwig van Beethovens Eroica op. 55 ja das nicht bloß ob seiner Ausdehnung größte Werk der Wiener Klassik).
Zwischen-den-Noten-Hören ist in ihr angesagt, denn in dieser stets ambivalenten, weil eigentlich nirgends wirklich befreiend jubilierenden Musik brechen auch immer wieder Moll-Schattierungen festlichen Glanz. Sie beruht auf dem Dualismus von Männlich und Weiblich, Hart und Weich. Klar erkennbar am Beginn des Kopfsatzes durch drei Aufmerksamkeit heischende Orchesterschläge, die eine flehende Bitte zu mildern sucht (während gleichsam zur Auflockerung ein drittes Thema die kurz zuvor entstandene Buffo-Arie Un bacio di mano KV 541 zitiert), in umgekehrter Reihenfolge
sowohl im Andante, dessen Gesang mehrfach durch Akzente unterbrochen wird, wie auch im Menuetto.
Für den Schluss, als bekrönendes kontrapunktisches
Meisterstück, bediente sich Mozart nicht nur der Idee des „Salzburger“ Haydns, Sonatenhauptsatz
mit fugierten Abschnitten zu kombinieren,
sondern bezog darin wohl unbewusst sogar einige Takte aus dessen C-Dur-Sinfonie P. 30 vom 19. Februar 1788 nahezu Note für Note mit ein. Die diesem Finale zugrundeliegende Devise (so Alfred Einstein), das Vierton-Motiv, beschäftigte ihn ohnedies
das ganze Leben hindurch immer wieder: Vom langsamen Satz seines sinfonischen Erstlings
in Es KV 16 über das Credo der F-Dur-Messe KV 186f (192), dem Sanctus der Credo-Messe KV 257 und der Durchführung in der B-Dur-Sinfonie KV 319 spannt sich der Bogen bis zu dieser Apotheose.
Horst Reischenböck
|
|
|