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Benjamin Schmid kann inzwischen eine beträchtliche Anzahl international hochgelobter Einspielungen vorlegen. Darunter sind so prominente Auszeichnungen wie „editor’s choice“ in London und Australien, „Cinque Diapason“ in Frankreich, „Preis der dt. Schallplatten-kritik“, „Audiophile Reference“ und andere. „So genial wie einst Fritz Kreisler“ schrieb die Wiener Zeitung 1996 nach einem Goldmark-Konzert über ihn, und diesen Weg ist er seither weitergegangen.
Ramon Jaffé
Klassik ist seine Liebe – Flamenco seine
Leidenschaft.
Dieses Motto charakterisiert nicht nur
treffend Ramon Jaffés künstlerisches
Leben, sondern dokumentiert gleichzeitig
auch seine bewegte Biographie.
Als Sohn einer Musikerfamilie 1962 im
lettischen Riga geboren, wanderte er 1971
mit seiner Familie zunächst nach Israel aus,
bevor er 1974 nach Deutschland kam. Seinen
ersten Unterricht erhielt Ramon Jaffé bei seinem
Vater Don Jaffé, der ihm bis zu seinem
Konzertexamen 1988 bei B. Pergamenschikow
als Wegweiser zur Seite stand. Neben
seinen Studien bei D. Geringas dienten ihm
D. Schafran und S. Végh als seine musikalischen
Leitbilder. Besonders hervorzuheben
ist, dass Ramon Jaffé bei Sandor Véghs
letztem großen Auftritt als Geiger im großen
Mozarteum zu Salzburg ihm als Kammermusikpartner
zur Seite stand.
Schon früh bewältigte Ramon Jaffé
unter der Ägide dieser Meister erfolgreich
eine Reihe von Wettbewerbsstürmen, dazu
zählen z. B. der Deutsche Musikwettbewerb
(1984) und der Casals-Wettbewerb
in Budapest (1985). Seine daraufhin schon
zu Studienzeiten einsetzende Solistenlaufbahn
führte ihn u. a. in die großen Häuser
von Berlin, Leipzig, Wien, München, London
und Köln. Parallel dazu widmet er sich
ebenfalls der Kammermusik als Mitglied
des Streichtrios „Belcanto-Strings“ und
des „Mendelssohn Trio Berlin“ (vormals
„Salzburg Piano Trio“). Zu seinen weiteren
Kammermusikpartnern zählen u. a. I. Vermillion,
Y. Bronfman, F. Leleux, V. Mendelssohn,
J. Rachlin, W. Fuchs, M.P. Langlamet,
B. Schmid, E. Baschkirowa, G. Causse, N.
Znaider.
Er ist auch Begründer und künstlerischer
Leiter des Kammermusikfestes Hopfgarten/
Tirol. Zu den Orchestern, mit denen Ramon
Jaffé eine Zusammenarbeit verbindet, zählen
u. a. das DSO & BSO Berlin, Camerata
Academica Salzburg, die Staatsphilharmonie
Rheinland-Pfalz, die Stuttgarter Philharmoniker,
das Stuttgarter Kammerorchester.
Im Jahre 2004 wird er mit der St.-Petersburger
Philharmonie auftreteten.
Zu den Dirigenten, mit denen er konzertierte,
zählen u. a. A. Boreyko, L. Segerstam,
St. Blunier, Ralf Weikert, sowie der Jazz-
Sänger Bobby McFerrin. Mit dem Münchner
Rundfunkorchester trat er unter der Leitung
der Dirigenten R. Abbado, M. Viotti und L.
Foster auf. Im Wiener Musikverein spielte
er im Rahmen der Wiener Festwochen ein
Konzert mit dem RSO Wien, welches mehrfach
international vom Rundfunk und Fernsehen
gesendet wurde. Auch zahlreiche
andere TV- und Rundfunkaufnahmen, sowie
eine stattliche Anzahl von CDs, u. a. „Meditation
hebraique“ und Brahms-Bearbeitungen
(erschienen bei Koch Schwann), sowie
die Ersteinspielung des Cellokonzertes von
B. Blacher (Signum) dokumentieren sein
künstlerisches Schaffen.
Internationale Festivals, wie das Schleswig-
Holstein Festival, das Rheingau-Festival,
das Würzburger Mozartfest, Open
Chamber Music Prussia Cove (GB), Schubertiade
Roskilde (DK), Mecklenburg
Vorpommern Festival, Stuttgarter Bachtage,
Steirischer Herbst Graz, das Kuhmo Chamber
Music Festival (Finnland), das Jerusalemer
Kammermusikfestival, Salzburger
Kulturwochen, die Expo 1992 und die Biennale
in Sevilla, das Middelburg Festival
(NL), die MIDEM in Cannes und die Ludwigsburger
Festspiele begrüßten Ramon
Jaffé als Gast.
Eine der künstlerisch aufregendsten und
prägendsten Begegnungen war die mit
dem 1997 verstorbenen Flamenco-Gitarristen
Pedro Bacan. Dieser weihte Ramon
Jaffé in die Geheimnisse der faszinierenden
Welt des Flamencos ein. Die über mehrere
Jahre sich erstreckende Zusammenarbeit,
die in Auftritten bei allen wichtigen Flamenco-
Festivals in Spanien und Frankreich
gipfelte, setzt R. Jaffé mit dem bekannten
Gitarristen Stephan Schmidt fort.
Gegenwärtig unterrichtet Ramon Jaffé
an der „Hochschule für Musik C. M. v.
Weber“ in Dresden.
Witold Lutoslawski
Philharmonic in Wroclaw
Die Witold Lutoslawski Philharmonie in
Breslau steht in der reichen musikalischen
Tradition dieser Stadt. In der zweiten
Hälfte des 19. Jahrhunderts gelangte
das musikalische Leben Breslaus zu voller
Blüte, als so berühmte Komponisten und
Virtuosen wie Richard Wagner, Johannes
Brahms, Edward Grieg, Gustav Mahler, Max
Bruch, Ignacy Paderewski, Pablo Sarasate
und Eugène Ysaÿe hier Erholung suchten.
Die W. Lutoslawski Philharmonie wurde
1954 von Adam Kopycinski und Radomir
Reszke gegründet. Den Posten des Generalmusikdirektors
und Chefdirigenten der W.
Lutoslawski Philharmonie bekleideten international
bekannte Musiker: Jozef Karol Lasocki
(1954–1958), Adam Kopycinski (1958–1961),
Radomir Reszke (1961–1963), Wlodzimierz
Ormicki (1963–1965), Andrzej Markowski
(1965–1968), Tadeusz Strugala (1968–1980)
sowie Marek Pijarowski (1980–2001).
Im Jahre 2001 trennte man die organisatorische
Leitung von der musikalischen. Nun
übernahm Lidia Geringer d’Oedenberg, vormals
Generaldirektorin der „Wratislavia Cantans“,
eines der größten und bedeutendsten
Musikfestivals in diesem Teil Europas, den
Posten der Generaldirektorin der W. Lutoslawski
Philharmonie. In den Jahren 2002–
2004 vertraute sie die musikalische Leitung
Moriusz Smolij an; seit Beginn der Saison
2004–2005 liegt die musikalische Leitung bei
Jan Latham-Koenig.
Das philharmonische Orchester W.
Lutoslawski hat ein vielseitiges Repertoire:
von der Barock- bis zur zeitgenössischen
Musik, von der Kammermusik (so mit Werken
von Mozart) bis zu großen Werken für
eine Vielzahl von unterschiedlichen Instrumenten,
wie zum Beispiel Werke von Olivier
Messiaen, Gustav Mahler, Richard Wagner
und Richard Strauss. Für seine regelmäßigen
Konzerte hat das Orchester in jeder
Saison etwa 120 verschiedene Programme
in seinem Repertoire. Es ist ebenfalls
regelmäßig zu Gast bei den bedeutendsten
europäischen Musikfestivals, wie „Wratislavia
Cantans“, dem „Warschauer Herbst“,
„Janác¡ku°v maj“ (in Tschechien) und dem
Rheingau-Musikfestival. Auch international
konzertiert die Breslauer Philharmonie;
schon in fast allen Ländern Europas
kamen die Zuhörer in den Genuss seiner
Darbietungen. Zuletzt gab das Orchester
besonders häufig Konzerte in Deutschland
(Berlin, Köln und Frankfurt), Holland und in
der Tschechischen Republik, auch unter
der Leitung seines Dauergastdirigenten
Daniel Raiskin.
Das Orchester tritt in Rundfunk und Fernsehen
auf, auch Einspielungen auf CD liegen
vor. Die Philharmonie arbeitet zusammen mit
Dirigenten von Weltruf wie Leon Botstein,
Pierre Colombo, Riccardo Frizza, Paul Goodwin,
Peter Guelke, Jacek Kaspszyk, Jan
Krenz, Kyrill Kondrashin, Kazimierz Kord,
Jan Latham-Koenig, Jerzy Maksymiuk, Carlos
Paita, Witold Rowicki, Doron Salomon,
Lior Shambadal und Carlo Zecchi, sowie
mit so herausragenden Solisten wie Martha
Argerich, Midori, Elzbieta Chojnacka, Kaja
Danczowska, Stanislaw Drzewiecki, Juan
Diego Flórez, Greg Giannascoli, Ramon
Jaffé, Krzysztof Jakowicz, Ilya Kaler, Konstanty
A. Kulka, Adam Makowicz, Witold
Malcuzynski, David Oistrakh, Igor Oistrakh,
Michael Ponti, Alexander Rudin, Benjamin
Schmid, Grigory Sokolov, Daniel Stabrawa,
Radoslaw Szulc, William VerMeulen, Wanda
Wilkomirska, und Krystian Zimerman.
In der Saison 2004–2005 feiert die W.
Lutoslawski Philharmonie ihr fünfzigjähriges
Bestehen. Ihre Zusage zur Teilnahme
an den Jubiläumskonzerten gaben folgende
Maestros: Leon Botstein, Tadeusz
Strugala, Kazimierz Kord, Jerzy Maksymiuk,
Stanislaw Skrowaczewski, Marek
Pijarowski, Grzegorz Nowak, Riccardo
Frizza, Jacek Kaspszyk, Krzysztof Penderecki,
und Jan Latham-Koenig, der neue
Chefdirigent der W. Lutoslawski Philharmonie.
Zu diesem besonderen Anlass werden
die Zuhörer auch große Solisten erleben
können, unter ihnen Krzysztof Jakowicz,
Bartlomiej Niziol, Olga Pasiecznik, Krzysztof
Jablonski, Kaja Danczowska, Benjamin
Schmid, Ramon Jaffé, Adam Makowicz,
Janusz Olejniczak, Piotr Paleczny, Konstanty
A. Kulka, Waldemar Malicki, und
Eugene Indjic.
Übersetzung: Caroline Bechhofer
Daniel Rasikin
Daniel Raiskin gehört zu den vielseitigsten
Musikern seiner Generation. Ehe
er seine Dirigentenlaufbahn begann, hatte
er sich bereits als einer der führenden
europäischen Bratschisten einen Namen
gemacht.
1970 In St. Petersburg geboren, studierte
Daniel Raiskin zuerst Bratsche an
der Musikhochschule seiner Heimatstadt,
anschließend in Amsterdam und Freiburg.
Dirigieren lernte er bei Lev Savich in St.
Petersburg und bei den zahlreichen Meisterkursen
bei u. a. Neeme Järvi, Mariss
Jansons, Jorma Panula und Milan Horvat.
Seine internationale Karriere führte ihn
in Europas bedeutende Konzertsäle wie die
Berliner Philharmonie, Berliner Konzerthaus,
Concertgebouw Amsterdam, Wiener
Musikverein, St. Petersburger Philharmonie,
Kölner Philharmonie, Münchner Philharmonie, Victoria Hall Genf, Sala Verdi del
Conservatorio Milano, Mozarteum Salzburg
sowie ins Lincoln Center New York.
Daniel Raiskin trat erfolgreich mit den
bedeutendsten Orchestern wie u. a. den
Wiener Symphonikern, dem St. Petersburg
Philharmonic Orchestra, dem Mozarteum
Orchester Salzburg, der Staatsphilharmonie
Reinland–Pfalz, dem Beethovenhalle
Orchester Bonn, der Staatskapelle Weimar,
den Berliner Symphonikern, dem Orchestre
National de Lille, dem Netherlands Philharmonic
Orchestra, dem Norwegian Radio
Orchestra, dem Athens State Symphony
Orchestra, dem RTE National Symphony
Orchestra of Ireland, dem Zagreb Philharmonic
Orchestra, dem Tampere Philharmonic
Orchestra, dem Norrköping Symphony
Orchetsra, dem Gävle Symphony Orchestra,
dem Aalborg Symphony Orchestra, dem
Orquestra Nacional do Porto, dem Orchestre
National Pays de Loire, der Israel Sinfonietta,
dem Orquesta Sinfónica de Sevilla,
dem Brabants Orkest, dem London Chamber
Orchestra, den Nürnberger Symphonikern,
der Norddeutschen Philharmonie, dem Genfer
Kammerorchester, der Beethoven Academy
Antwerpen, dem Estonian National
Symphony Orchestra, dem Latvian National
Symphony Orchestra und der Salzburger
Kammerphilharmonie auf.
Zusammen mit Benjamin Schmid spielte
Daniel Raiskin die Erstaufführungen von
Benjamin Brittens Double Concerto for Violin
and Viola with Orchestra in Deutschland,
der Schweiz, Holland, Finnland, Belgien,
Österreich, Israel, Estland, Dänemark,
Schweden und Portugal .
Gemeinsam mit Gidon Kremer stand
Daniel Raiskin in August 2002 an Gija Kanchelis
monographischem Konzert in der
Domkirche zu Riga auf der Bühne.
Seit 2003 ist Daniel Raiskin permanent
Guest Conductor der Staatsphilharmonie
Breslau „Witold Lutoslawski“, mit welcher
er im Februar 2003 eine ausgedehnte Tournee
durch Polen, Deutschland und die Niederlande
mit großem Erfolg unternommen
hat. Ab Saison 2004-2005 ist er auch als
Erster Gastdirigent von Philharmonische
Orchester Yekaterinburg engagiert.
In den letzten Jahren gastierte Daniel
Raiskin u. a. in Deutschland, Österreich,
den Niederlanden, in Norwegen, Dänemark,
Finnland, Schweden, Polen, Russland
und Estland.
Im Rahmen seiner Engagements in
2004–2005 und 2005–2006 wird Daniel Raiskin
u. a. das Norwegian Radio Symphony
Orchestra, Stuttgarter Kammerorchester,
Staatsorchester Rheinische Philharmonie,
Jenaer Philharmonie, Orchestre National
de Lille, St. Petersburg Philharmonic
Orchestra, Swedish Sinfonietta, Estonian
National Symphony Orchestra, Zagreb
Philharmonic Orchestra, Finnish Chamber
Orchestra, Oulu Symphony Orchestra,
Kuopio Symphony Orchestra, Yekaterinburg
Philharmonic Orchestra, Symphony
Orchestra of the Norrland Opera, Cyprus
National Orchestra, Latvian National Symphony
Orchestra, sowie das Orchestre
Nacional do Porto leiten.
In März 2004 ist die Tournee mit dem
Zagreb Philarmonic Orchestra ein wichtiger
Teil seiner Saisonplanung. In Oktober
gleichen Jahres steht Daniel Raiskin zum
ersten Mal mit dem Mozarteum Orchester
auf der Bühne des Salzburger großen Festspielhauses.
In Oktober 2005 leitet er das
Tschechische National Symphonie Orchester
auf einer Tournee durch Deutschland,
Österreich, die Schweiz, Belgien und die
Niederlande. Auch seine Rückkehr nach
Salzburg steht bereits fest: Im Februar 2006
dirigiert er zwei Konzerte mit der Staatsphilharmonie
Breslau, mit der er anschließend
auf eine Europa-Tournee geht.
Die Zeit der Romantik –
der Geist der Romantik
Die Zeit der Romantik war, so sollte man
meinen, mit dem Ende des 19. Jahrhunderts
vorüber. Doch der Geist der Romantik
und insbesondere die Musik – die romantischste
der Künste – ist zeitlos geblieben.
Es ist kein Zufall, dass der intensive lebhafte
stilistische Trend der zeitgenössischen
Musik als „neoromantisch“ bezeichnet
wird. Von nicht geringer Bedeutung ist hierbei,
dass das gegenwärtige Interesse an
der Zeit der Romantik sich nicht allein auf
die bekannten Meisterwerke von Schubert
und Liszt, Berlioz und Schumann bis hin zu
Wagner und Brahms beschränkt. Musiker
– und mit ihnen das Publikum – haben ein
intensives Interesse an solchen Werken
der romantischen Schule entwickelt, die
unverdientermaßen dem Vergessen anheim
gefallen sind und nur selten aufgeführt
werden. Viele solcher Stücke findet
man unter dem künstlerischen Nachlass
des herausragenden ungarischen Komponisten
Karl (Karoly) Goldmark (1830–1915).
Karoly Goldmark wurde am 18. Mai 1830
in Keszthely in Ungarn in die große Familie
eines Notars hineingeboren, der auch als
Kantor in der Synagoge des Ortes fungierte.
Die Familie war bitterarm. Erst mit zwölf
Jahren konnte Karoly mit Geigenunterricht
beginnen; zuvor beschränkten sich seine
musikalischen Eindrücke auf den Synagogengesang
oder Auftritte mit Dorfmusikanten.
Zwei Jahre studierte er an der
Musikschule von Sopron, dann führte ihn
sein Weg nach Wien, wo er zunächst bei
dem berühmten Geiger und Komponisten
Leopold Jansa Unterricht nahm, dann von
1847-48 am Wiener Konservatorium bei
Josef Böhm Geige und bei Gottfried Preyer
Harmonielehre studierte. In den nächsten
zehn Jahren (1848–58) spielte er in Theaterorchestern
in den Städten Österreich-
Ungarns, hier entdeckte er die Werke von
Mozart, Rossini, Meyerbeer und Verdi....
Der begabte Musiker brachte sich
selbst den Kontrapunkt, Orchestrierung
und das Klavierspiel bei. Bald gab er
Klavierunterricht in Sopron, Budapest und
Wien und schrieb außerdem Musikkritiken.
Schließlich ließ sich Goldmark 1859 in der
österreichischen Hauptstadt nieder. Erst
dreißig Jahre alt, fand er als Komponist
Anerkennung. Erfolgreich wurde er mit
seinem ersten Streichquartett (1860), der
Ouvertüre Sakuntala (1865), der Programmsymphonie
Ländliche Hochzeit (1876) und
mit Die Königin von Saba (1875), der ersten
und besten seiner sechs Opern. Goldmarks
Werk umfasst außerdem Kammermusik,
Ouvertüren, zwei Symphonien, zwei Violinkonzerte,
Opern mit Sujets von Shakespeare
(Ein Wintermärchen), Goethe (Götz von
Berlichingen) und Dickens (Das Heimchen
am Herd) sowie zahlreiche Lieder. Wenn
in Goldmarks Opernpartituren in der Tradition
der Großen Oper im Stile von Meyerbeer
der Einfluss von Wagner zu spüren
ist (in seiner Eigenschaft als Musikkritiker
bezeichnet er sich als „Wagnerianer“),
dann zeigt er in seinen kammermusikalischen
Werken und Symphonien eher eine
Nähe zu Brahms. Dies ist ein Beweis – als
wenn es dessen noch bedürfte – für die nur
scheinbare Polarität dieser beiden großen
Meister der Romantik. Während seines langen,
schöpferischen Lebens blieb Goldmark
den Idealen seiner Jugend treu, doch hielt
er mit der Zeit Schritt: In seinen späteren
Klavierwerken ist der Einfluss der Impressionisten
deutlich zu spüren. Gegen Ende
seines Lebens (Goldmark starb am 2. Januar
1915) war der Komponist Ehrendoktor
der Universität Budapest, sowie Ehrenmitglied
der Gesellschaft der Musikfreunde in
Wien und New York, sowie der Accademia
di Santa Cecilia in Rom.
Goldmarks Konzert Nr. 1 in a-Moll, op. 28,
erfreute sich in der zweiten Hälfte des 19.
Jahrhunderts großer Beliebtheit und heute
ist es zweifellos sein bekanntestes Werk.
Das Konzert wurde zwischen 1875 und 1878
komponiert, fast zeitgleich mit Konzerten
von Brahms und Tschaikowsky (die ein
bzw. drei Jahre später Premiere hatten);
diese Tatsache beeinflusste ohne Frage
das Schicksal von Goldmarks Konzert. Nur
wenige Streicher haben es neben anderen
Meisterwerken in ihr Repertoire aufgenommen
und es kommt auch heute nur selten
zur Aufführung. Dabei ist es ein wunderbares
Werk, das durch seine kunstvolle Melodik
ebenso besticht wie durch seine kapriziöse
Harmonie und wagnereske Chromatik.
In seiner Gesamtheit hat das Konzert
stilistische Anklänge an Schumann, Mendelssohn
und sogar Spohr. Es stellt hohe
Ansprüche an den Solisten, doch handelt
es sich hier um Virtuosität der höchsten
Ordnung: All die technischen „Tricks“, die
hochkomplizierten Passagen sind künstlerisch
gerechtfertigt und die Violinkoloratur
ist eine natürliche Fortführung der starken,
klaren Melodielinie.
Der erste Satz, „Allegro moderato“ in
Sonatenform, beginnt mit einer energievollen
orchestralen Einführung. Der scharfe
punktierte Rhythmus dient als einzigartiger
dramatischer „Nährboden“ für die
weitere Entwicklung der Symphonie. Die
kontrastierenden lyrischen Bilder werden
als ausgedehnte, geradezu „endlose“ Geigenmelodien
präsentiert. In der Mitte der
Entwicklung steht ein auf dem Thema der
Einführung basierendes Fugato. Es kulminiert
in einer kurzen Kadenz der Solovioline
und führt zu einer Reprise die uns noch
einmal der bezaubernden Melodik des Konzertes
nachträumen lässt. Die Schlusskoda
wiederholt die Einführung in konzentrierter
Form, quasi als Krönung der kristallklaren
Form des Sonatenallegros. Der zweite Satz
(Andante), nachträglich als Air bezeichnet,
ist ein sublimes symphonisches Lied in
dreiteiliger Form. Äußere langsame Teile
umrahmen den lebendigeren Mittelteil. Das
Finale (Moderato, Allegro), eine Rondosonate,
besticht durch seinen ungestümen
Melodiefluss, seine atemberaubende Virtuosität
und die Vielfalt von Themen. Ein
melodischer Abschnitt in Fugenform sticht
besonders heraus, er lässt als eine Art
„verborgenes Zitat“ die ersten Takte des
letzten Rondos von Beethovens Violinkonzert
anklingen. Auf die dramatisch dichte
Solokadenz folgt eine generelle Reprise,
das Konzert schließt mit einer kurzen Coda.
Uraufgeführt wurde es am 28. Oktober 1878
in Nürnberg, die Solopartien spielte Johann
Lauterbach, auch bei der Premiere in Wien
vier Tage später war er der Solist.
Johannes Brahms’ (1833–1897) letztes
Orchesterwerk war sein Doppelkonzert
für Geige und Cello in a-Moll, op. 102. Geschrieben
wurde es im Sommer des Jahres
1887, die Uraufführung war am 18. Oktober
des selben Jahres in Köln, mit Joseph Joachim
und Robert Hausmann als Solisten
und dem Komponisten selbst am Dirigentenpult.
Brahms behandelte seine Instrumentalkonzerte
wie Symphonien mit solistischen
Einlagen. Doch während uns im Klavierkonzert
Nr. 1 (1854–1859) ein passionierter
junger Mann begegnet, wirkt Brahms im
Violinkonzert (1878) und dem Klavierkonzert
Nr. 2 (1881), die er beide in mittlerem Alter
schrieb, gereift; er ist ein nicht weniger
überzeugter Romantiker als zuvor, doch
nun gibt er seinem künstlerischen Temperament
einen festen Rahmen. Nur wenige
Komponisten waren Brahms in der Fähigkeit
majestätischen Klang mit großer Ausdruckskraft
zu verbinden vergleichbar.
Im Doppelkonzert zeigt Brahms mehr
Strenge und Zurückhaltung als in seinen
vorherigen Instrumentalkonzerten. Allerdings
nimmt er das Muster des Klavierkonzertes
Nr. 1 und des Violinkonzertes
weitgehend wieder auf: vom dramatisch intensiven
und am stärksten symphonischen
ersten Satz (Allegro) durch das balladenhaft
strophenförmige, meditative Andante
bis zum temperamentvollen Genrefinale
(Vivace non troppo), wie immer bei Brahms
von ungarischen Zigeunerklängen durchwoben.
Neu am Doppelkonzert war ohne
Frage seine Formstrenge und der neutrale
Klang: Es war kein Zufall, dass das alternde
Genie (das Konzert entstand zu Beginn
seines letzten Lebensjahrzehnts) sich den
stilistischen Mitteln des Concerto Grosso
bediente. Brahms lehnte herausragende
Virtuosensoli ab (obwohl ihn zum Beispiel
Joachim dazu bewegen konnte, einige
Teile des Geigenparts beeindruckender
zu gestalten). In den Worten des
Musikwissenschaftlers Carl Geiringer wollte der
Komponist zum ersten Mal „[…] nicht eine
verkappte Symphonie sondern ein echtes
Konzert schaffen“. Das barocke Vorbild
kommt nicht nur in der für das Concerto
Grosso typischen „Gleichwertigkeit“ der
Soloinstrumente zum Ausdruck, sondern
auch in einem weiteren eher humorvollen
Detail: Brahms fügte eine Erinnerung an
das von ihm hochgeschätzte Violinkonzert
in a-Moll von Viotti ein (Geiringer spricht
spaßhaft von „einschmuggeln“). Auch
Joachim liebte dieses Konzert besonders;
so handelt es sich hier eventuell um eine
Geste des Komponisten: Brahms reicht
hier Joachim nach einem Disput, der ihre
Freundschaft für Jahre überschattet hatte,
die Hand zum Frieden.
Iosif Raiskin
Englische Übersetzung:
Michael Smith
Deutsche Übersetzung:
Caroline Bechhofer
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